Startseite
Icon Pfeil nach unten
Neu-Ulm
Icon Pfeil nach unten

Kultur: Kunst im Krisenmodus: So gehen Bühnenkünstler mit dem Stillstand um

Kultur

Kunst im Krisenmodus: So gehen Bühnenkünstler mit dem Stillstand um

  • |
  • |
  • |
    Die Ulmer Gitarristin Yasi Hofer macht sich durchaus Sorgen um ihre Existenz als Künstlerin.
    Die Ulmer Gitarristin Yasi Hofer macht sich durchaus Sorgen um ihre Existenz als Künstlerin. Foto: Andreas Brücken

    Bisher durfte die Gitarristin Yasi Hofer auf einen voll gefüllten Terminkalender blicken. Doch seit das Coronavirus auch die Musikbranche infiziert und stillgelegt hat, sind bei der Ulmer Musikerin rund 30 Auftritte weggefallen, wie sie auf Nachfrage erklärt. Doch nicht nur die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern fehlen, sondern auch der Umsatz durch Fanartikel, wie sie am Rande der Konzerte verkauft werden. Deshalb steht die Zukunft, zumindest die bevorstehenden Monate, mit einem großen Fragezeichen vor der 27-Jährigen: „Wenn die Krise noch bis zum Sommer anhält, wird es schwierig“, sagt sie. Derweil will Hofer auf den Verkauf aus ihrem Onlineshop setzen und denkt auch über Konzerte im Internet zum Streamen nach. Daraus könnte sich auch ein positiver Nebeneffekt entwickeln: „Die internationalen Fans haben sich so etwas schon länger gewünscht“, erklärt die Künstlerin und fügt hinzu, dass damit ihre Musik sogar eine weitere Reichweite bekommen könne. Bei längerfristigen Ausfällen müsste sie ihre finanziellen Rücklagen angreifen, die eigentlich für die kommenden CD-Produktionen eingeplant sind.

    Yasi Hofer erklärt: "Ich plane bis zu einem Jahr im Voraus."

    Selbst wenn in sechs Monaten die Welt wieder in Ordnung sein sollte, braucht das Geschäft mit den Live-Auftritten eine gewisse Vorlaufzeit in der Organisation, erklärt Hofer: „Ich plane bis zu einem Jahr im Voraus.“ Das betrifft auch Konzerte und Festivals, die zusammen mit den Terminen anderer Bands gebucht werden sollen. Derweil wünscht sich die Musikerin auch ein Zeichen aus der Politik: „Ich hoffe, wir werden finanziell unterstützt.“ Wer die leidenschaftliche Musikerin kennt, weiß, dass sie nicht nur die finanzielle Frage bedrückt: „An vielen Auftritten hängt auch Herzblut dran“, gesteht sie und meint damit unter anderem den geplanten Termin im Ulmer Zelt, der auf der Kippe steht – im Alter von nur 14 Jahren hatte sie dort an der Seite von Gitarrist Steve Vai ihren ersten Auftritt.

    Auch für die Schauspielerin und Kabarettistin Kathi Wolf aus Weißenhorn bleibt der Vorhang vorerst auf unbestimmte Zeit geschlossen. Derzeit wäre sie eigentlich mit ihrem Programm „Psychoparty“ unterwegs. „Die Ungewissheit, wann man wieder auf die Bühne darf, ist zwar beklemmend, während man aber einsehen muss, dass die Gesundheit das Wichtigste ist, das man nicht kaufen kann.“ Während der unfreiwilligen Bühnenpause versucht die Künstlerin, sich ihrem Youtube-Videokanal zu widmen: „Sinnfluencer“ heißt das neue Projekt, mit dem sie sich an ihre Fans bereits in einigen Wochen online wenden möchte. Sie habe schon seit Längerem den Kopf voller Themen gehabt: „Es gibt keinen besseren Zeitpunkt sich auf dem Sofa zu filmen, als in diesen Tagen“, sagt Wolf gelassen. Außerdem freue sie sich darüber, nun Zeit und Muße für ihr neu gekauftes Klavier zu haben. Hinter der Krise sieht die Kabarettistin auch eine Chance für die ganze Gesellschaft. Alles kaufen zu können und uneingeschränkte Reisefreiheit zu haben, das sei für die junge Generation zu einer Selbstverständlichkeit geworden, für die man jetzt wieder Dankbarkeit spüren müsse, sagt Wolf.

    Kabarettistin Kathi Wolf aus Weißenhorn nimmt die erzwungene Bühnenpause relativ gelassen.
    Kabarettistin Kathi Wolf aus Weißenhorn nimmt die erzwungene Bühnenpause relativ gelassen. Foto: Andreas Brücken

    Was die Coronavirus-Pause für Girard Rhoden bedeutet

    Ebenfalls gelassen sieht das Mitglied des Ulmer Theaterensembles Girard Rhoden die Lage. Mit seinen 64 Jahren hat der in den USA geborene Sänger schon manche Höhen und Tiefen im Showgeschäft erlebt. In der schnelllebigen Zeit sei ein Stopp, wie man ihn derzeit erlebt, aber besonders für junge Kollegen schwierig, erklärt der Sänger. Auch er lebt und liebt seinen Beruf mit Leidenschaft, sieht jedoch die Zwangspause als eine Art Inventur des Lebenssinns: „Es ist eine interessante Situation, wenn man vor die Frage gestellt wird, was von einem Menschen, der seinen Beruf wie einen Mantel trägt, ohne Arbeit übrig bleibt.“ Jetzt würde sich zeigen, welche Kollegen auch als Menschen bestehen würden.

    Abwarten und Tee trinken? Für Tenor Girard Rhoden ist das momentan noch kein großes Problem.
    Abwarten und Tee trinken? Für Tenor Girard Rhoden ist das momentan noch kein großes Problem. Foto: Andreas Brücken

    Offensichtlich kommt Rhoden mit seiner Situation gut klar: „Ich kann mit mir alleine sein.“ Die Zeit ohne Auftritte will der Künstler dazu nutzen, seine Noten zu sortieren, wie er sagt: „Das ist ein Projekt, das ich schon lange angehen wollte.“

    Lesen Sie auch: Flashmob: Mit "Freude schöner Götterfunken" gegen die Einsamkeit

    So erhalten Schüler Musikunterricht in Zeiten des Virus: In Neu-Ulm kommt die Musikschule ins Kinderzimmer

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden