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Letzte Ausstellung im Ulmer Kunstpool: „Das war ein Ort, der vieles möglich gemacht hat“

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Letzte Ausstellung im Kunstpool: „Das war ein Ort, der vieles möglich gemacht hat“

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    Reinhard Köhler zeigt in der letzten Ausstellung der Galerie "Kunstpool" Objekte, Installationen und Assemblagen.
    Reinhard Köhler zeigt in der letzten Ausstellung der Galerie "Kunstpool" Objekte, Installationen und Assemblagen. Foto: Florian L. Arnold

    Sechs Jahre lang war der „Kunstpool“ am Ehinger Tor in Ulm ein Ort, an dem Menschen eher zufällig mit Kunst in Berührung kamen: auf dem Weg zur Straßenbahn, zwischen Einkauf und Feierabend, mitten im Verkehrsknotenpunkt des Ulmer Westens. Jetzt ist Schluss. Im Juni endet die letzte Ausstellung, im Juli rollen die Bagger an. Der Platz wird umgebaut, die Räume verschwinden.

    45 Ausstellungen hat der vom Verein Kunstwerk und dem Stadtteilverein AG West betriebene Kunstraum seit seiner Eröffnung gezeigt. Fast 10.000 Besucherinnen und Besucher kamen in dieser Zeit vorbei. Für Initiator Reinhard Köhler ist das mehr, als man anfangs erwarten konnte: „Wenn man schaut, wie viele Besucher kleine Galerien im Alltag haben, lagen wir eigentlich ziemlich gut“, sagt er. Natürlich könne man das nicht mit großen Ausstellungshäusern oder Popkonzerten vergleichen. „Aber für so einen Ort war das schon ordentlich.“

    Sechs Jahre lang gab es die Galerie „Kunstpool“ am Ehinger Tor in Ulm

    Dass aus den ehemaligen Büro- und Aufenthaltsräumen für Fahrerinnen und Fahrer überhaupt eine Galerie werden konnte, sei anfangs keineswegs selbstverständlich gewesen. Wände mussten eingezogen, Beleuchtung installiert, Einbauten entfernt werden. „Da war viel Arbeit nötig“, erinnert sich Initiator Köhler. Gemeinsam mit Markus Kienle und der AG West habe man den Raum überhaupt erst galerie­tauglich gemacht. Finanziell sei das Projekt vor allem durch das Engagement der AG West getragen worden.

    Der Kunstpool verstand sich dabei nie als klassische Galerie. Vielmehr ging es darum, Menschen zu erreichen, die sonst eher nicht in Ausstellungen gehen würden. Gerade der Standort mitten am Verkehrsknotenpunkt am Ehinger Tor habe dafür gesorgt, dass Kunst niederschwellig erfahrbar wurde. Es gab Konzerte und Vorträge zwischen Bushaltestelle und Straßenbahntrasse, auch zur Kulturnacht war etwas geboten. 

    „Wir wussten nie, wie lange das Ganze funktionieren würde“, sagt Köhler. Klar sei nur gewesen: Sobald der Abriss beginnt, müsse man raus. Dass daraus am Ende sechs Jahre wurden, empfindet er als Erfolg. „Das war ein Ort, der vieles möglich gemacht hat.“ Das Selbstverständnis von Kunstwerk und AG West sei immer gewesen, Kultur möglich zu machen — auch für Ideen, die nicht aus dem eigenen Umfeld stammen.

    Die letzte Ausstellung des Ulmer Kunstpools bestreitet der Initiator mit eigenen Werken

    Ein Nachfolgeprojekt gibt es bislang nicht. Allerdings nicht aus Mangel an Ideen. „Es gibt ja durchaus viel Leerstand in der Innenstadt“, sagt Köhler. Aber einfach Bilder in ein leeres Ladenlokal zu hängen, komme für ihn nicht infrage. „Man muss schon eine Galerieatmosphäre schaffen.“ Dafür brauche es Geld, Zeit und Infrastruktur. Ganz ausschließen will er einen Neustart dennoch nicht. „Wenn morgen jemand käme und einen Raum anbieten würde, dann würde ich mir das anschauen.“

    Die letzte Ausstellung im Kunstpool gestaltet Initiator Köhler selbst. Unter dem Titel „Wenn graues Haar dir wächst“ zeigt der Musiker und bildende Künstler Installationen, Assemblagen und Objektkunst, die sich mit Vergänglichkeit, Erinnerung und gesellschaftlichem Zerfall beschäftigen. Eine Bodenarbeit etwa besteht aus drei kreisrunden Segmenten mit Erde, Salz und einem Spiegel, darüber hängen massive Stahlfedern. „Drei Grazien“ nennt Köhler die Installation. Oft entstünden die Titel erst nach Abschluss der Arbeit, sagt er.

    Immer wieder verwendet er Haar als Material — häufig eigene, manchmal auch gespendete Haarsträhnen von Besucherinnen und Besuchern. In kleinformatigen Collagen verarbeitet er Textfragmente des norwegischen Autors Karl Ove Knausgård, dessen Engel-Motiv ihn beschäftigt habe. Zum Zustand der Welt sagt er: „Da wachsen einem graue Haare“. Der Ausstellungstitel „Wenn graues Haar dir wächst“ hat mit dem Ende des Kunstpools nur indirekt zu tun. Vielmehr mit einem allgemeinen Gefühl der Erschöpfung angesichts der Weltlage.

    Köhler, der viele Jahre in der Friedensbewegung aktiv war, sagt: „Ich habe immer darauf vertraut, dass die Welt besser wird.“ Im Moment falle ihm dieser Optimismus schwer. Vielleicht ist genau deshalb der Kunstpool für viele mehr gewesen als nur ein Ausstellungsraum: ein kleiner Ort des Innehaltens zwischen Straßenbahnen, Baustellen und Alltag.

    Info: Die Ausstellung „Wenn graues Haar dir wächst“ im Ulmer Kunstpool läuft noch bis Samstag, 6. Juni. Die Galerie am Ehinger Tor ist donnerstags und freitags von 17 bis 20 Uhr geöffnet und samstags von 15 bis 18 Uhr.

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