Im Museum steht man stumm bewundernd vor einem Kunstwerk. Die Atmosphäre ist leise, damit die Aufmerksamkeit der anderen nicht gestört wird. Aber man kann es auch einmal ganz anders probieren: Isabel Greschat, Chefin des Museums „Brot und Kunst“, und ihr Team boten erstmals eine Game-Night an, als Möglichkeit, Gleichgesinnte kennenzulernen, mit anderen genussvoll zu essen, zu spielen und - das Museum zu erkunden.
Museum „Brot und Kunst“ bietet Treffpunkt für Kunst- und Spielefans
Nahezu alle der 30 Neugierigen, die bei der ersten Game-Night dabei sein wollten, sind allein gekommen. Die meisten stehen erwartungsvoll-zurückhaltend und nippen am angebotenen alkoholfreien oder alkoholischen Aperitif. Andere beginnen schon, sich zu unterhalten. Einer von ihnen ist Patrick Sakowski.
Er ist vor Kurzem aus beruflichen Gründen von Mannheim nach Ulm gezogen und praktisch noch ohne Bekannte in der Stadt. Er hat sich bei der Game-Night angemeldet, weil ihn Kunst interessiert, er noch nie im Museum „Brot und Kunst“ war. Und weil er hofft, vielleicht auch nette Menschen kennenzulernen.
Tim Marquardt, aus Tuttlingen zugezogen, ist in einer ähnlichen Situation. Genau an Menschen wie diese beiden Männer richtet sich das Angebot vor allem, sagt Isabel Greschat: an die Altersgruppe zwischen Ende 20 und Ende 30. Wobei es keine Altersbeschränkung gibt – Jüngere wie Ältere sind ebenso willkommen. Da ist beispielsweise Johanna Merckens, die in Ulm lebt und arbeitet, und deren Freundeskreis gern Abende veranstaltet, bei denen Leckeres gegessen und gespielt wird. Anregungen holen ist ihre Motivation.
Spiele als Eisbrecher: Bingo, Tierlaute und Aufgaben an Kunstwerken
Bingo! Schon die erste Spielrunde im Foyer bringt Kontakt und Spaß, weil man Dinge wie Frühstücksgewohnheiten bei anderen abfragen muss. Sofort sind alle per Du, man trägt kleine Aufkleber mit dem Vornamen. Danach eine Blitzrunde – Adjektive, die das aktuelle Empfinden beschreiben, sollen in schneller Folge genannt werden: Belustigt, neugierig, gespannt, euphorisiert, aufgeregt, erwartungsvoll, glücklich, aber auch überfordert und hungrig beschreiben die Stimmungslage.
Der gesamte Salzstadel wird bespielt. Nun müssen sich Gruppen finden – und das Team verteilt dafür Kärtchen mit Tiernamen. Über die Laute von Tiere finden die Spielpartner zusammen, es wird gegackert, miaut, gemuht und gebellt, was das Zeug hält. Währenddessen bereiten die beiden Köche Samy Wiltschek und Uwe Soldner-Frasch schon mal den mit essbaren Blüten dekorierten Salat und die Getränke zur Vorspeise.
Miteinander kreativ werden und dabei die Kunstwerke einbeziehen
Danach aber geht es an die Kunst: Die Gruppen müssen Aufgaben lösen. Einen Namen suchen für das Kunstwerk „Atmender Brotlaib“, das wirkt, als hätte sich ein felliges Tierchen ins Brot gefressen. Fresskoma vielleicht? Vier junge Männer müssen Servietten so kunstvoll falten, dass daraus Seerosenblüten entstehen, die zur Deko auf ein Kunstwerk einer gedeckten Tafel kommen. Niko gibt bald auf, Andrea erweist sich als äußerst geschickt.
Ein anderes Spiel: Kärtchen legen die eigene Rolle innerhalb einer WG fest, und jeder muss dieser Rolle gemäß eine Einkaufsliste für eine WG-Party erstellen. „Ui, die Rolle passt ja gar nicht zu mir“, sagt einer, der das Kärtchen des Partyorganisierers gezogen hat – und macht sich trotzdem an die Arbeit.
Das Unterhaltsame ist es nämlich, miteinander – und unter Einbeziehung der Kunstwerke – kreativ durch die spielerischen Aufgaben zu kommen. Oben wartet inzwischen das Hauptgericht, ein Risotto mit Gemüsen der Saison. Alles, was die beiden Köche, die auch für die Gäste des DRK-Übernachtungsheimes kochen, an diesem Abend nämlich in die Töpfe und Schüsseln verarbeiten, stammt frisch vom Markt.
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