Startseite
Icon Pfeil nach unten
Neu-Ulm
Icon Pfeil nach unten
Ulm
Icon Pfeil nach unten

Theater Ulm: Meistersinger-Inszenierung überrascht mit besonderem Konzept

Ulm

Abschied mit Paukenschlag: Was die Meistersinger-Premiere am Ulmer Theater so besonders macht

  • |
  • |
  • |
  • |
    Joachim Goltz (links) und Kay Metzger (rechts) kennen sich schon seit 2007.
    Joachim Goltz (links) und Kay Metzger (rechts) kennen sich schon seit 2007. Foto: Dagmar Hub

    Ulms Intendant Kay Metzger verabschiedet sich alles andere als leise vom Theater Ulm. Am Donnerstag, 4. Juni, erlebt seine Inszenierung der Wagner Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ ihre Premiere. In der Rolle des Stadtschreibers Beckmesser wird ein Bariton als Gast auf der Bühne stehen, der von Ulm aus nach Bayreuth weiterreist: Joachim Goltz, gebürtiger Mannheimer, gibt in diesem Sommer sein Debüt auf dem Grünen Hügel.

    Kay Metzger holt Joachim Goltz für Inszenierung nach Ulm

    Kay Metzger und Joachim Goltz kennen einander schon lange, seit 2007 aus gemeinsamer Detmolder Zeit. Dieses lange Kennen merkt man an ihrem vertrauten Sticheln. Aber er habe nicht gedacht, dass er den vielbeschäftigten Charakterfach-Bariton für seine Inszenierung nach Ulm holen könne, erzählt Kay Metzger. Doch was als Flachserei begann, wurde tatsächlich Wirklichkeit. Metzger und die beteiligten Sänger des eigenen Hauses - darunter Dae-Hee Shin, Maryna Zubko und Markus Francke - sind sehr angetan von der Zusammenarbeit mit Goltz, der 2025 für seine Interpretation der Figur des Beckmesser an der Oper Bonn für den Faust-Preis nominiert war. 

     „Die Meistersinger von Nürnberg“ ist Richard Wagners einzige Oper, die im bürgerlichen Milieu spielt und nicht in den höheren Sphären von Königshäusern oder im Götterhimmel. Kay Metzger weiß auch genau, weswegen: „Wagner wollte eine Oper schreiben, mit der er schnell viel Geld verdienen könnte“, schildert er. Kürzer als seine sonstigen Opern, ganz und gar menschlich und mit Witz.

    Doch der Komponist hielt sich nicht an seine eigenen Vorgaben – und „Meistersinger“ gehört mit einer reinen Aufführungsdauer von 4 Stunden und 20 Minuten zu den längsten Opern. Wagner selbst scheint an der Oper sein höchstpersönliches Vergnügen gehabt zu haben, denn es ist überliefert, dass er sich „scheckig gelacht“ habe, berichtet Metzger, als er das Werk im privaten Kreis seinen Freunden vorlas.

    Beckmesser ist eine Opernfigur Wagners, die auch übertragen auf den normalen Sprachgebrauch zum Inbegriff eines pedantischen Nörglers wurde. Joachim Goltz liebt es, dieser Rolle einen parodistischen Stempel zu geben, ein Mensch, der streng alten Regeln verhaftet ist, und der nicht zugeben kann, dass die Liedkunst des jungen Walther von Stolzing in ihm doch vielleicht ein „Wow!“ ausgelöst haben könnte.

    Metzger bringt tragische und komische Momente auf die Bühne

    Mit Klamauk aber wollte sich Kay Metzger nicht zufriedengeben. Er entwickelt auch die Tragödie eines Menschen, der alles Neue als negativ abtut. Wobei das Amüsante nicht zu kurz kommen dürfte - Metzger setzt darauf, dass das Publikum am Ende des Opernmarathons sagen wird, die Zeit sei doch wie im Fluge vergangen. Die subtilen Spitzen, die zum Beispiel zwischen dem Meistersinger Hans Sachs und dem Stadtschreiber Sixtus Beckmesser fallen, werden seine Inszenierung mit kleinen Details fürs Publikum spannend und unterhaltsam machen. Obwohl ihm ein Beckmesser-Charakter so gar nicht eigen ist, sagt Joachim Goltz, habe er seine reine Freude an den Proben. Goltz verrät, dass er nämlich als Vater von drei Töchtern häufig mit neuen Ideen konfrontiert wird und Übung darin hat, Neues zu akzeptieren.

    Vor der Premiere wird für Joachim Goltz noch ein Besuch auf dem Alten Ulmer Friedhof anstehen, denn dort ist der letzte Ulmer Meistersinger begraben, der Bortenweber Johann Jakob Best, wie Kay Metzger seinem Gast zeigt. Denn in Ulm, seit jeher mit Nürnberg verbunden, gab es die Tradition des Meistergesangs natürlich auch. Ursprünglich war die Kunst dem Adel vorbehalten, der den Minnesang liebte, schildert Metzger, doch im ausgehenden Mittelalter entdeckte das Bürgertum der großen Städte den Meistergesang für sich – der dann später zur Gründung der Liedertafeln und Männerchöre führte.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren