Des einen Freud, des anderen Leid: Während sich vor allem die Kinder über die Schneemassen freuen, hat der erneute Wintereinbruch in der Region rund um Ulm und der näheren Umgebung für Verkehrsprobleme gesorgt. Ab Sonntag, etwa 15 Uhr, zog eine starke Schneefront aus dem Süden über die Region hinweg. Die Front kam aus Österreich und hatte zuvor im Allgäu bereits für Verkehrsprobleme gesorgt. Bis Mitternacht fielen rund 20 Zentimeter Neuschnee und verwandelten Straßen und Trassen innerhalb weniger Stunden in Rutschbahnen.
Zwischen Donau und Bodensee sind dem Polizeipräsidium Schwaben Süd/West am Sonntag, zwischen 13 und 19.45 Uhr, insgesamt 55 Verkehrsunfälle gemeldet worden, davon sechs mit Personenschaden. Welche davon sich im Landkreis Neu-Ulm oder der näheren Umgebung ereignet hat, konnte ein Polizeisprecher am Montagmorgen zunächst nicht sagen. Die Lage auf den Straßen aber habe sich zwischenzeitlich beruhigt. „Wir haben aktuell keinen einzigen Unfall, wo irgendeine Streife unterwegs ist“, so ein Polizeisprecher gegen 7 Uhr.
Zugverkehr rund um den Ulmer Hauptbahnhof wegen Schnee eingeschränkt
Der Zugverkehr rund um Ulm ist hingegen weiterhin beeinträchtigt. Rund um den Ulmer Hauptbahnhof sei „mit erheblichen Verzögerungen zu rechnen“, teilte die Deutsche Bahn noch am Montagmorgen mit. Es könne auch kurzfristig zu Zugausfällen kommen, hieß es.
In Ulm fällt die Müllabfuhr am heutigen Montag wegen der starken Schneefälle aus. Wie die Entsorgungsbetriebe Ulm (EBU) mitteilen, werden die Abfuhrbezirke 1 und 6 am Dienstag nachgeholt, alle weiteren Termine verschieben sich um einen Tag nach hinten. Auch die Sondertouren für Papier sowie der Behältertausch seien davon betroffen.
So viel Schnee wie schee! Die Winter-Bilder aus dem Landkreis Neu-Ulm
In Neu-Ulm ist von „Verzögerungen bei der Müllabfuhr“ die Rede. Insgesamt 76 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des städtischen Bauhof sind in zwei Schichten im Einsatz, um die Neu-Ulmer Straßen vom Schnee zu befreien. Am Sonntag, zwischen 16 und 22.30 Uhr, sowie am Montag, seit 3 Uhr, sind die Stadt-Mitarbeiter unterwegs. Für die Straße sind fünf eigene Lkw und sechs externe Firmen mit Bulldog auf Achse, auf den Geh- und Radwegen sind sieben eigene Kleinfahrzeuge (Tremo und Bulldog) sowie sechs externe Firmen mit Bulldog unterwegs.
Mitarbeiter des Neu-Ulmer Bauhofs seit 3 Uhr im Schneeräum-Einsatz
Zwei dieser Bauhof-Mitarbeiter sind Drazen Stefulic und Gerd Sorge. Sie befreiten am Montagmorgen unter anderem die Hauptstraße im Neu-Ulmer Pfuhl vom Schnee. Seit 4 Uhr seien sie in der Stadt im Einsatz. Viele Bürgerinnen und Bürger würden sich für ihren Einsatz bedanken, meint Sorge. Einzig Fahrradfahrer würden sich beschweren, wenn die Bauhof-Mitarbeiter ihre Fahrzeuge kurzzeitig am Straßenrand abstellen. „Doch irgendwo müssen wir halt kurz halten“, sagt Sorge.
Laut Sandra Lützel, Sprecherin der Stadt Neu-Ulm, gibt es seit Sonntagnachmittag vor allem ein Problem: zu viel Schnee für zu wenig Platz zum „Lagern“. Eine zusätzliche Herausforderung werde sein, dass in den kommenden Tagen weiterer Niederschlag zu erwarten ist und die Temperaturen um den Gefrierpunkt herum schwanken. Dadurch gibt es Schneeschmelze und wieder überfrierende Nässe sowie gegebenenfalls weiteren Schneefall. Daher die Bitte an alle Bürgerinnen und Bürger: Schnee nicht auf die Straße räumen, denn dadurch werden geräumte Straßen wieder zu Gefahrenstellen.
Die Ulmer Verkehrsbetriebe hatten schon früh reagiert. Auf steilen Nahverkehrslinien stellten sie den Busverkehr schon am Sonntagnachmittag ein. Aus Sicherheitsgründen endete der gesamte Busbetrieb um 23.30 Uhr. Die Straßenbahnen blieben bis 0.30 Uhr im Betrieb. Mehrere Busse stellten sich auf vereister Fahrbahn quer oder kamen an Kreuzungen nicht mehr weg. Verletzte gab es nach bisherigen Erkenntnissen nicht.
Stillstände auf den Autobahnen A8 und A7 rund ums Kreuz Ulm/Elchingen
Die Straßenbahnen fuhren in Ulm auf eigenen Gleisen überwiegend problemlos. Vereiste Fahrleitungen führten allerdings zu Funkenüberschlägen und kurzzeitigen Störungen. In der Ulmer Innenstadt zeigte sich ein besonderes Problem: Busse und Straßenbahnen teilen sich in Teilen eine Trasse. Busse, die über die Schienen fuhren, pressten den Schnee in die Weichen, sodass diese blockierten. Trotz elektrischer Weichenheizung mussten Mitarbeiter vor jeder Durchfahrt mehrere Weichen manuell reinigen. Diese Arbeiten verlangsamten den Verkehr stark.
Auf den Autobahnen A8 und A7 rund ums Kreuz Ulm/Elchingen kam es am Sonntag wiederholt zu Stillständen. Zahlreiche Fahrzeuge schafften den Elchinger Berg Richtung Stuttgart nicht mehr. Besonders anfällig waren Verbindungsrampen. Sattelzüge blieben stecken, weil eine ungünstige Ladungsverteilung zu einem zu geringen Anpressdruck auf den Antriebsrädern führte. Auch Pkw mit Sommerreifen blieben auf der verschneiten, vereisten Fahrbahn hängen. Das THW Neu‑Ulm rückte mit mehreren Fahrzeugen aus und zog feststeckende Wagen den Berg hinauf.
Stadtverkehr in Ulm: Anfahren an Ampeln wird zum Problem
Die Autobahnmeisterei Dornstadt arbeitete die ganze Nacht mit allen verfügbaren Räumfahrzeugen. Problematisch waren Stellen mit bereits stehenden Fahrzeugen: Dort konnte nicht geräumt werden, und die Flächen vereisten rasch. Dennoch gelang es den Räumfahrern, größere Strecken so freizubekommen, dass der Asphalt wieder sichtbar wurde. Georg Gotterbarm, Leiter der Autobahnmeisterei, koordinierte persönlich die Einsätze und überprüfte neuralgische Punkte im Dienstgebiet.
Auch im Stadtgebiet Ulm kämpften Autofahrer. Nach Halt an Ampeln war das Anfahren oft nicht möglich, Räder drehten durch auf glatter Fahrbahn. Die Folge: zusätzliche Blockaden an Kreuzungen und Zubringern.
Lage auf den Straßen im Kreis Neu-Ulm scheint sich am Montagmorgen beruhigt zu haben
Am Montagmorgen schien sich zumindest auf den größeren Straßen der Region zwischen Donau und Iller die Lage beruhigt zu haben, beziehungsweise die Straßenmeistereien scheinen ganze Arbeit geleistet zu haben. Einzig auf der A8 bei Oberelchingen gebe es ein Pannenfahrzeug. Ansonsten war gegen 7 Uhr kein liegengebliebener Lkw oder ein Unfall zu diesem Zeitpunkt bekannt, so der Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West.
„Unfälle über Unfälle über Unfälle“, sagte zwischenzeitlich hingegen ein Polizeisprecher in Ulm. Das Polizeipräsidium vermeldete am Montagmorgen, kurz nach 7 Uhr, eine Vielzahl von witterungsbedingten Verkehrsunfällen in seinem Zuständigkeitsbereich. Zwischen Sonntag, 19 Uhr, und Montag, 5 Uhr, habe es vor allem im Bereich der A8, Geislinger Steige, Schlater Buckel sowie im nördlichen Alb-Donau-Kreis stark geschneit. Im Rahmen dessen sei es zu etwas mehr als 50 Unfällen gekommen. Davon sechs im Landkreis Biberach, sieben im Kreis Heidenheim, 18 im Kreis Göppingen, sieben im Stadtkreis Ulm und elf im Alb-Donau-Kreis.
A8 zwischen Kirchheim und Aichelberg in der Nacht voll gesperrt
Das Polizeipräsidium Ulm schätzt den Gesamtschaden auf mehr als 350.000 Euro. Zwei Personen seien leicht verletzt worden. Mehrere Lkw und Autos seien an verschiedenen Anstiegen nicht mehr weitergekommen und mussten durch das THW freigeschleppt werden. Die A8 in Fahrtrichtung München war zwischen Kirchheim und Aichelberg von 20 Uhr bis Mitternacht voll gesperrt. Ab 0 Uhr konnte eine Spur für Pkw freigegeben werden. Durch das THW mussten mehrere Fahrzeuge und Lkw den Aichelberg nach oben gezogen werden.
Für die nächsten Tage ist leichtes Tauwetter vorhergesagt. Das steigert die Gefahr von Schneebruch. Äste und ganze Bäume können unter dem Nassschnee brechen und auf Straßen stürzen. Die Einsatzkräfte und Straßenmeistereien bleiben in erhöhter Alarmbereitschaft.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren