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Ulm: Dadadi Dadada: Im Stadthaus wird bald wieder getanzt

Ulm

Dadadi Dadada: Im Stadthaus wird bald wieder getanzt

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    Die Strado Compagnia Danza feiert am 30. Dezember Premiere mit ihrem neuen Stück "Dadadi Dadada".
    Die Strado Compagnia Danza feiert am 30. Dezember Premiere mit ihrem neuen Stück "Dadadi Dadada". Foto: Nik Schölzel

    Die Zeit ist wieder reif für ein bisschen Irrsinn. Findet zumindest Choreograf Domenico Strazzeri und widmet seine aktuelle Tanzperformance im Ulmer Stadthaus dem Dadaismus – dieser inzwischen mehr als 100 Jahre alten Kunstrichtung, die sich von allen Regeln und Normen befreit hat. Warum Strazzeri ausgerechnet jetzt wieder auf den Dadaismus blickt und wie sich das auf der Tanzbühne umsetzen lässt.

    "Dadadi Dadada" lautet der klangvoll-passende Titel der neuen Performance von Strazzeris Strado Compagnia Danza, die am 30. Dezember Premiere feiert. Der Titel lässt keinen Zweifel am Inhalt, das Stück greift den Dadaismus auf. Der entstand 1916 als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg. Am Cabaret Voltaire in Zürich taten sich Künstlerinnen und Künstler zusammen, die ihrem Protest mit aberwitzigen Aktionen und Werken Ausdruck verliehen. Warum das nun wieder relevant ist? Strazzeri: "Wir können diese Zeit heute direkt spiegeln." Wieder herrscht Krieg in Europa, wenngleich es zum Glück kein Weltkrieg ist. 1918 wütete die Spanische Grippe, seit 2020 bestimmt das Coronavirus große Teile unseres Lebens. 

    Auf der Bühne wird es "dada"

    In der gut einstündigen Vorstellung arbeitet Strazzeri auch mit Text. "Dogma Ma Ma Ma Ma", "unversehrt außen, innen tot, tot, tot, tot". Was Schauspielerin Mirjam Morlok auf der Bühne sagt, ist etwas verständlicher als so manche Zeile aus Hugo Balls bekannten Dada-Gedichten (beispielsweise "Karawane", das so beginnt: jolifanto bambla o falli bambla). Darüber hinaus bleibt natürlich vieles etwas verrückt, wie etwa der teils emotionale Streit, den sich die Tänzerinnen über das bestmögliche Frühstück liefern und der sich dann unvermittelt im Tanz auflöst. Strazzeri hat dafür das Partisanenlied "Bella Ciao" gewählt, das vor einigen Jahren mit der Verwendung in der Serie "Haus des Geldes" plötzlich radiotauglich wurde. Viele Protestgruppen nehmen das Lied für sich in Anspruch, auch in Querdenkerkreisen wurde es verwendet. Für Karla Nieraad, Leiterin des Stadthauses, ist es auch ein Statement, das Lied im Rahmen der Tanzperformance im Stadthaus zu spielen und es auf diesem Wege wieder zu befreien aus der Vereinnahmung durch Gruppen mit antidemokratischer Gesinnung. Für Strazzeri steht "Bello Ciao" generell für Widerstand, aktuell bezieht er es auch auf die weltweiten Frauenrechtsbewegungen.

    Typisch Dadaismus: Auf der Bühne entstehen Bilder, die erst einmal wenig realistisch wirken.
    Typisch Dadaismus: Auf der Bühne entstehen Bilder, die erst einmal wenig realistisch wirken. Foto: Nik Schölzel

    Was "Dadadi Dadada" von Strazzeris bisherigen Produktionen unterscheidet, ist, dass es keine Handlung im eigentlichen Sinn verfolgt, es steckt keine Erzählung darin, wie etwa in "Romeo und Julia", das im Rahmen des Festivals "Ulm moves" aufgeführt wurde. Inhalt werde aber in verschiedenen Bildern transportiert, die auch miteinander verbunden sind, erklärt Strazzeri. 

    Der Dadaismus darf nicht einfach kopiert werden

    Dem Choreografen war es auch wichtig, den Dadaismus von vor rund 100 Jahren nicht einfach zu kopieren oder nachzumachen, was nicht zuletzt auch völlig der ursprünglichen Intention der ersten Dadaisten widersprechen würde. Strazzeri will ihn vielmehr als Inspiration verstehen. Er habe sich zunächst zwar Aufnahmen von alten Dada-Tänzen angeschaut, sagte er, diese aber dann bewusst blockiert und etwas Eigenes kreiert. Ein Beispiel: Wie der deutsch-französische Dichter Hans Arp vermischt Morlok in einem Textteil verschiedene Sprachen, ihr Vortrag gerät zum Rap. Arp sei eine Inspiration für diesen Teil gewesen, dann seien sie aber einen ganz anderen Weg gegangen, erklärt Strazzeri. Auch der Text, der verschieden übersetzt als Vorlage verwendete wurde, ist eine Dada-Anleihe. Die Strado Compagnia Danza bediente sich da am "Preußischen Erzengel" von John Heartfield und Rudolf Schlichter, die unter ihrer Skulptur vom Soldaten mit dem Schweinekopf fordern, täglich zwölf Stunden zu exerzieren, um ihr Werk überhaupt zu verstehen. 

    Info: Die Tanzperformance "Dadadi Dadada" ist vom 30. Dezember bis 14. Januar elf Mal im Stadthaus Ulm zu sehen. Tickets gibt es im Vorverkauf direkt beim Stadthaus oder unter ulmtickets.de und den dazugehörenden Vorverkaufsstellen.

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