Böse Überraschungen haben die Verantwortlichen in Ulm von Anfang an nicht ausgeschlossen. Eine Sanierung soll die beschädigte Wallstraßenbrücke über die nächsten Jahre bringen, doch bei den Prüfungen vorab hatten nicht alle Bestandteile des Bauwerks untersucht werden können. Nun meldet die Stadt, dass bei den Arbeiten größere Schäden sichtbar geworden sind. Doch was bedeutet das?
Die zuständige Sachgebietsleiterin Andrea Röhrer berichtet, dass bei den Arbeiten Korrosion an den Spanngliedern entdeckt worden seien. Welche Folgen der Rost hat, ist noch offen. Fachleute des Münchner Ingenierbüros Schießl Gehlen Sodeikat prüfen das Material, die Ergebnisse sollen im Oktober vorliegen. Dann solle feststehen, wie schlimm die Schäden sind und wie sich die Korrosion in den kommenden Jahren voraussichtlich weiterentwickeln wird, erklärt Röhrer: "Das sieht man mit bloßem Auge nicht." Mögliche Folgen will sie nicht kommentieren, nur so viel: Die Ergebnisse der Prüfung dürften Einfluss auf die Restnutzungsdauer der Brücke haben.
Sanierte Wallstraßenbrücke in Ulm ist leichter und soll so länger halten
Seit Beginn der Sommerferien wird die Wallstraßenbrücke bei Ikea saniert. Seit Montag hat die Brücke einen neuen Asphalt, der sie 1000 Tonnen leichter macht. Das geringere Gewicht soll möglich machen, dass das Bauwerk noch bis zu 15 Jahre lang bestehen bleiben kann. Das soll Zeit für die Planung des Neubaus bringen und verhindern, dass während der Landesgartenschau 2030 gebaut werden muss. Die Arbeiten liegen im Zeitplan, ab Montag wird an der östlichen Brückenseite gearbeitet. Dann ist die Auffahrt von der Ludwig-Erhard-Brücke aus bis voraussichtlich 9. September nicht mehr möglich, eine Umleitung ist ausgeschildert. Der Zeitplan für den Neubau könnte sich je nach Einschätzung der Fachleute noch verändern.
Baubürgermeister Tim von Winning sagt über die neu entdeckten Korrosionsschäden: "Es kommt nicht besonders überraschend, aber es ist auch nicht besonders unproblematisch." Falls die Prüfungen ergeben, dass die Brücke weniger lang gehalten werden kann, wolle man nach anderen Wegen suchen. Bisher ist vorgesehen, dass zuerst der Blaubeurer-Tor-Tunnel gebaut wird, dessen Planung die Stadt mit Druck vorantreibt. Er soll zur Landesgartenschau fertig sein. Nach der Schau wäre dann die Brücke an der Reihe. "Das wäre vom Bauablauf her am besten", sagt von Winning. Unter Umständen müsse man von diesem Plan aber abweichen – um die "Risikozeit" der Wallstraßenbrücke zu verringern. Die müsse als Verkehrsachse immer leistungsfähig sein.