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Ulm: Dieser Turm ist der vielleicht romantischste Ort in Ulm

Ulm

Dieser Turm ist der vielleicht romantischste Ort in Ulm

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    Der König-Wilhelm-Turm in Ulm hatte einst genau einen Zweck.
    Der König-Wilhelm-Turm in Ulm hatte einst genau einen Zweck. Foto: Dagmar Hub

    Er steht ein bisschen da wie der Turm von Rapunzel aus dem gleichnamigen Märchen: rund, grau, massiv, mit kleinen glaslosen Fensteröffnungen, in deren Laibung just Rapunzel sitzen und ihren Zopf zum Geliebten hinabhängen lassen könnte. Die unmittelbare Nähe des König-Wilhelm-Turmes zur Wilhelmsburg als Herz der Bundesfestung hat allerdings auch nichts mit der Wehranlage zu tun – der Turm am Michelsberg wurde erst später gebaut, im Jahr 1908 vom Verschönerungsverein und vom Schwäbischen Alb-Verein als reiner Aussichtsturm.

    Vorsicht auf den Kopf im Aussichtsturm auf dem Ulmer Michelsberg

    Weniger Funktion dürfte kaum einer der Türme Ulms haben. Der König-Wilhelm-Turm sieht aus wie ein Relikt einer mittelalterlichen Burg, ist der aber ein Kind des Historismus und diente von Anfang an nur der schönen Aussicht. Die Tür wirkt wie in den Stein geschnitten. Wer sich nach den steinernen Stufen vor dem Eingang ins Dunkel und auf die Treppenspindel des Turmes begibt, muss dort suchend tappen, wo nicht gerade Licht durch eine der kleinen Fensterlaibungen in den Turm kommt. Der Aufstieg wird belohnt: Der Blick über Ulm und an klaren Tagen bis zu den Alpen ist großartig. Die Aussichtsplattform liegt 584 Meter über dem Meeresspiegel. 16 Meter ist der König-Wilhelm-Turm hoch, das Baumaterial wurde zur Erbauungszeit vom Kommerzienrat Schwenk gespendet.

    Aber Achtung: Am Ende der Treppenspindel kurz vor der mit Zinnen bewehrten Aussichtsplattform kann man sich mächtig den Kopf anschlagen. Über den Zinnen ist ein kreisförmiger Handlauf angebracht, der eigentlich der Sicherheit der Besucherinnen und Besucher dient, aber längst einen weiteren Zweck erfüllt: Namen und Daten auf zahlreichen "Liebesschlössern" verewigen Versprechen, die hier weit oben über der Stadt gemacht wurden.

    Und viele Liebespaare der Doppelstadt und ihrer Umgebung würden wahrscheinlich die Romantik des Ortes als wesentlichste Funktion des Turmes benennen: An manch einem Abend kann man auf den Turm kommen und die Treppenstufen sind mit Teelichtern ausgeleuchtet, Rosenblätter über die Treppenstufen gestreut. Auch Piccolo-Sektflaschen wurden schon gesichtet, verborgen an Schnüren von Zinnen hängend.

    Viele Heiratsanträge hat der König-Wilhelm-Turm wohl schon erlebt

    Wie viele Heiratsanträge, wie viele Liebesschwüre mag der Turm in den 114 Jahren seines Bestehens erlebt haben? Wie viele Jas wurden hier in der nächtlichen Romantik über den Dächern der Stadt gegeben – und auch mal ein Nein? Wie viele Hochzeitsfotos gemacht? Leider zieht der Turm auch andere an, die weniger romantische Ziele und Bedürfnisse haben – das kann man an manchen Abenden riechen. Öfter landet auch Müll auf den Treppenstufen, und an anderen Tagen beweisen frische Graffiti auf den Zinnen, dass nicht alle Besucher und Besucherinnen Sinn für die Romantik des Ortes haben.

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