Die Drogeriekette Müller und ihr Geschäftsführer Günther Helm gehen künftig getrennte Wege. Wie das Unternehmen unserer Redaktion bestätigte, hat sich der Ulmer Firmenpatriarch Erwin Müller von seinem Konzernchef getrennt. Es soll jedoch nicht das erste Mitglied der obersten Führungsebene sein, das das Unternehmen verlässt. Seit Monaten schon soll es gewaltig knirschen im Drogerieimperium. Erwin Müller selbst soll nun übernehmen – zwei Wochen vor seinem 90. Geburtstag. Hinter den Kulissen aber entbrenne die Erbschlacht erneut, heißt es.
Die Trennung erfolge dem Vernehmen nach einvernehmlich, aber mit sofortiger Wirkung, berichten Manager-Magazin und Lebensmittelzeitung. Das Unternehmen bestätigte unserer Redaktion auf Anfrage, Helm verlasse Müller nach mehr als drei Jahren im Einvernehmen und stelle sich neuen Herausforderungen. Müller werde das Unternehmen fortan wieder selbst führen, gemeinsam mit Elke Menold, Niklas Mehnert, Adriano Iemma und Kerstin Junginger in der Geschäftsleitung.
Geschäftsführer Helm sollte bei der Drogeriekette Müller "den Generationenwechsel vorantreiben"
Helm, der zuvor die österreichische Aldi-Tochter Hofer leitete, hatte im Juni 2019 die Geschäftsführung übernommen. Sein Gehalt soll "laut Insidern" drei Millionen Euro betragen haben. Drogeriekönig Müller rückte ins zweite Glied. Helm. Der promovierte Jurist galt als präpariert und zugleich "prominentester Führungsneuzugang". Der 43-Jährige habe mit Erwin Müller einen Vertrag abgeschlossen und alles geregelt, vom Aufgabenspektrum bis hin zu Details, so berichtete damals die stets gut informierte Lebensmittelzeitung. Oberste Priorität für den Österreicher sei es gewesen, "etliche" der mehr als 500 deutschen Filialen auf den neusten Stand zu bringen, eine Stärkung von Exklusivmarken, die Einführung eines Onlineshops sowie die Etablierung einer Kundenkarte. Helm trat mit der Vision an, "den Generationenwechsel voranzutreiben", das Unternehmen nach der Zeit Erwin Müllers zu erneuern und abzusichern.
Seit geraumer Zeit schon würden jedoch zwischen Inhaber Erwin Müller und dem Topmanager Spannungen bestehen, da Müller immer wieder ins operative Geschäft eingreife. Trotz seines Alters steige er immer noch fast jeden Tag gegen 8 Uhr die drei Stockwerke zu seinem Büro hinauf und fühle sich anscheinend unverzichtbar, heißt es im Bericht des Manager-Magazins.
Verhältnis zwischen Müller und Helm wurde offenbar immer schwieriger
Das Verhältnis zwischen Müller und Helm wird dabei mit interessanten Details beschrieben: Als der Patriarch den neuen Geschäftsführer den 30 wichtigsten Führungskräften bei Linsensuppe in einem Restaurant außerhalb Ulms vorstellte, soll Helm Müllers Stil als wenig zeitgerecht kritisiert und angekündigt haben, dass künftig alles über ihn laufen werde. Kurz darauf soll Helm auch den wöchentlichen Rapport in Müllers gefürchtetem "Aquarium" beendet haben. Das "Aquarium" sei ein gläserner Raum, in dem die Manager üblicherweise dienstags zum Einzelgespräch mit dem Unternehmer antanzen mussten.
Geworden ist aus Helms großen Plänen aber offenbar nicht viel. Einige Projekte habe Müller gestoppt, übrig geblieben sei vor allem der Start eines Onlineshops. Sein Abgang beschreiben Manager-Magazin und Lebensmittelzeitungzudem als "vorläufigen Höhepunkt in einer Reihe prominenter Abgänge". Innerhalb weniger Wochen hätten demnach die für Vertrieb beziehungsweise Finanzen zuständigen Manager Lukas Lobensommer und Christian Remy bei Müller das Handtuch geworfen, wenig später folgten Personalchefin Bettina Geiger, der Ungarn-Geschäftsführer Márton Laszlo und Österreichchef Julian Hödlmayr. Im März sei bereits Spanienchef Markus Müller gegangen. Damit hätten drei von sechs Landesgeschäftsführer innerhalb von einem Jahr dem Unternehmen den Rücken gekehrt, heißt es.
Auf einigen Posten habe Müller bereits die Nachfolge geregelt: Neue Personalchefin wird demnach Kerstin Junginger, die Lidl-Vertriebsleiterin in Baden-Württemberg ist und zuvor Personal- und Verwaltungsleiterin war. Neuer Vertriebschef ist seit Mai der frühere Lidl-Mann Adriano Iemma. Zum 1. September steigt nach Informationen der Lebensmittelzeitung zudem Niklas Mehnert, bisher Leiter Rechnungswesen, zum kaufmännischen Leiter auf. Er soll wie Christian Remy der Geschäftsleitung angehören.
Müller, der in einer Villa direkt an der bayerisch-baden-württembergischen Landesgrenze unweit von Thalfingen wohnt, soll laut Manager-Magazin nun selbst wieder übernehmen. In zwei Wochen feiert der Milliardär, der 1953 in Offenhausen einen ersten Herren-Friseursalon gründete, seinen 90. Geburtstag. (mit heo)