Die Stadt Ulm hat den Fernbushalt in Böfingen modernisiert. Ab sofort gibt es dort einen kompletten Versorgungsbereich: Reisende finden Kioskautomaten und neue Toiletten vor. Betreiber ist die Firma Pscheidl Veranstaltungsservice. Im Vergleich zu vielen anderen Fernbushaltestellen schnitt Ulm bisher sehr bescheiden ab.
Der neue Versorgungsbereich bietet viele Annehmlichkeiten. Marcus Pscheidl hat bargeldlose Snackautomaten aufgestellt. Er sagt: „Aktuell ist Red Bull Cocos, glaube ich, der Renner.“ Die Hauptkunden sind dabei interessanterweise die Busfahrer. Dass gerade diese Kundengruppe so viele Energydrinks kauft, findet Pscheidl „eigentlich beängstigend“. Er ist mindestens einmal täglich vor Ort, um die Anlage zu reinigen und die Automaten aufzufüllen. Sein Ziel ist es, den Reisenden ein sauberes und angenehmes Umfeld zu bieten. Ein neuer Kaffeeautomat wird noch in diesem Monat erwartet.
Die Suche nach einem Betreiber für Ulm war schwierig
Die Stadt ist froh, endlich einen Partner gefunden zu haben. Baubürgermeister Tim von Winning betont die langwierige Suche. Der Fernbushalt wurde vor rund zehn Jahren nach Böfingen verlegt; Grund war damals der Umbau des Busbahnhofs am Hauptbahnhof. Die Erfahrung zeigt, dass viele Reisende mit dem Auto gebracht oder abgeholt werden, weshalb eine direkte Anbindung an die Bahn nicht zwingend nötig ist. Der Fernbusverkehr hat in den vergangenen zehn Jahren auch in Ulm stark zugenommen.
Ulm ist ein zentraler Knotenpunkt im Fernbusnetz. Zählungen ergaben 85 bis 90 Busse pro Tag – im Sommer sind es sogar noch mehr. Marcus Pscheidl hat bereits neun Busse gleichzeitig auf dem Gelände gesehen. Die Suche nach einem Betreiber gestaltete sich jedoch schwierig; Tim von Winning spricht von einem „endlosen Geschäft“. Eine frühere Lösung mit Kiosk und Fahrkartenverkauf scheiterte, da die damalige Betreiberin, die Deutsche Touring, insolvent ging.
Die Toiletten kosten teilweise Gebühren
Auch Klaus Kopp, Ulmer Gemeinderat aus Böfingen, zeigt sich zufrieden. Er hat sich jahrelang für eine bessere Ausstattung eingesetzt. Der Pachtvertrag mit Pscheidl läuft bis Ende 2027 und umfasst die Toilettenanlage sowie die Snackautomaten – mit der Perspektive auf eine Verlängerung.
Die Nutzung der Toiletten ist teilweise kostenpflichtig:
- Damentoilette & Wickelraum: 1 Euro
- Herren-Urinal: kostenlos
- Behindertentoilette: kostenlos (mit Euro-Schlüssel)
Von Winning erklärt die Gebührenpflicht: „Ohne Schließung ist die Anlage binnen Stunden so zerstört, dass sie nicht mehr benutzbar ist.“ Er ist von der Qualität überzeugt: „Wir sind definitiv nicht am unteren Rand.“
Herausforderungen bei der Gebührenerhebung: Sauberkeit hat höchste Priorität; die Stadtreinigung putzt die Haltestelle täglich. Eine geplante Videoüberwachung zur Gebührenerhebung bei den Busunternehmen wurde jedoch wieder eingestellt. Der Betreiber baute die Kameras ab, da Halterabfragen bei ausländischen Kennzeichen scheiterten. Ein schrankenloser Betrieb bleibt dennoch das Ziel.
Die Stadt Ulm trägt erhebliche Kosten: Der Betrieb des Fernbushalts kostet jährlich eine sechsstellige Summe. Geplant ist eine Nutzungsgebühr von vier bis fünf Euro pro Halt, wofür aktuell erneut ein Dienstleister zur Erhebung gesucht wird.
Investition in die Zukunft: Die neuen Automaten akzeptieren ausschließlich bargeldlose Zahlungen, um Aufbrüche zu verhindern – bisher gab es keine Beschädigungen. Pscheidl hat bereits 60.000 Euro in die Anlage investiert. Zwar sind die Nutzungszahlen der Toiletten noch verhalten – am Wochenende etwa 70 Nutzungen, mittwochs oft weniger als zehn –, doch mit steigenden Fahrgastzahlen wird eine höhere Auslastung erwartet. Die Modernisierung gilt als wichtiger Schritt, um den Fernbushalt langfristig attraktiv zu halten.
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