Am Anfang stand ein Waldspaziergang: Ein gemeinsamer Gang von Theo Waigel und Josef Miller durch den Roggenburger Forst gab Ende der 90er-Jahre den entscheidenden Impuls für die Entstehung des Walderlebniszentrums Roggenburg. Aus der Zusammenarbeit von Kloster, Bildungszentrum und Forstverwaltung entstand vor 25 Jahren ein Angebot, das in Bayern in dieser Form einzigartig ist.
In der Klosterzeitung aus dem Jahr 2001 findet sich ein nettes Detail aus den Anfängen: Schüler der Volksschule Roggenburg hatten für den damaligen Staatsminister für Landwirtschaft, Josef Miller, einen „Häuptlingsstuhl aus Holzstäben“ gebastelt. Anlass war die Übergabe eines Ausstellungspavillons am Rand des Klostergeländes. Dirk Schmechel, Leitender Forstdirektor a. D., erinnerte in seiner Rede an diesen Moment: „Hier sollten ursprünglich nur Waldthemen einen Platz finden, gedacht für die ,Laufkundschaft‘ an den Parkplätzen.“
Das Walderlebniszentrum Roggenburg gibt es nun schon seit 25 Jahren
Doch die Planungen gingen schon damals deutlich darüber hinaus. Im Sommer 1999 hatte auf Initiative des Klosters ein gemeinsamer Waldbegang im Roggenburger Wald stattgefunden, an dem neben Josef Miller auch Theo Waigel teilnahm. Schnell zeigte sich, dass der Standort Roggenburg mit dem Staatswald und den umliegenden Forstämtern in Krumbach, Illertissen und Weißenhorn ideale Voraussetzungen für ein Bildungsangebot bot.
Dazu kam ein weiterer glücklicher Umstand, wie Pater Roman Löschinger in seinem Grußwort ausführte: Das Bildungszentrum befand sich im Aufbau, und das Kloster war bereit, sich um den organisatorischen Ablauf für die Besucherinnen und Besucher zu kümmern. Pater Roman lobte die enge und gelungene Kooperation und erinnerte daran, wie eng das Thema Wald historisch mit der Klosterkultur verbunden ist. Für Klöster seien Waldthemen bei der Entstehung immer von zentraler Bedeutung gewesen.
Im Roggenburger Walderlebniszentrum können Klassen mehrere Tage bleiben
Heute sei Umweltbildung wichtiger denn je. „Länder werden regiert von Leuten, die sagen, es ist egal, wie man lebt.“ Nein, man müsse vielmehr zeigen, wie wichtig verantwortliches Leben sei. Genau darin liege eines der wesentlichen Ziele des Walderlebniszentrums. Der Erfolg des Projekts spricht für sich: Mit Freude verwies Pater Roman darauf, dass die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt und es immer wieder zu Überbuchungen kommt.
Auch Dirk Schmechel ging in seinem Fachvortrag auf die besondere Stellung Roggenburgs ein. Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Zentren sei, dass Schulklassen hier drei bis fünf Tage vor Ort bleiben können: „Es kann ausführlicher und individueller mit den Kindern und Jugendlichen gearbeitet werden. Auch die Beziehung zu den Lernenden kann tiefer werden, als dies im Rahmen einer zweistündigen Waldführung möglich ist.“
Die Waldpädagogik greife dabei die aktuellen Herausforderungen der Forstwirtschaft auf, etwa extreme Schäden an heimischen Baumarten oder die Folgen des Klimawandels, die neue Leitlinien für Waldumbau und Holznutzung erforderlich machen. Waldpädagogik rege „zum Hinterfragen“ an: „Wer die Vielfalt der Ökosystemleistungen des Waldes und seine Bedeutung im Klimawandel besser kennt, setzt sich zielgerichteter für den Wald ein.“
Info: Die aktuelle Ausstellung im Pavillon bietet einen Querschnitt durch Themen der vergangenen Jahre. So begegnet einem etwa die Dunkelkammer zum Thema „Nachtfalter“ wieder. Ein ausgestopfter Wolf hält Wache über sein Revier, und Schnecken aus Knetmasse erklimmen Regalbretter. Geöffnet ist täglich, auch an Wochenenden, von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Ort: Waldpavillon, Parkplatz 3 (Hauptstraße) auf dem Klostergelände.
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