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Königsmoos/Neuburg

19.11.2018

100 verwahrloste Tiere: Ermittlungsverfahren gegen Hundehalter

Diejenigen Hunde, die in einer vergleichsweise besseren Verfassung sind, konnten ins Außengehege des Neuburger Tierheims. 
Bild: Norbert Eibel

Polizisten finden rund hundert verwahrloste Hunde auf einem Anwesen. Der Hundehalter war dem Veterinäramt bekannt. Immer wieder hatte es Beschwerden gegeben.

Die Szene war im wahrsten Sinne des Wortes filmreif. Wie mithilfe der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ auf einem Grundstück in Obermaxfeld ein Tierdrama beendet werden konnte, ist am morgigen Mittwochabend bei Stern TV auf RTL zu sehen. Derweil hält der Fall vor Ort die Beteiligten auf Trab.

Die international tätige, österreichische Tierrechts- und Tierschutzorganisation wohl über eine Anzeige auf den Mann in Obermaxfeld aufmerksam geworden. Er wollte Hunde in die Tschechei verkaufen. „Vier Pfoten“ täuschte daraufhin einen Scheinkauf vor und rückte am vergangenen Freitag mit einem Transporter mit tschechischen Kennzeichen sowie einer tschechischen Kaufinteressentin als Lockvogel an. So kamen die Besucher, in deren Begleitung auch ein Mitarbeiter von Stern TV mit versteckter Kamera in der Mütze war, auf das Grundstück. Der Kauf der Tiere wurde abgeschlossen, die Tiere in den Transporter gepackt. Sobald die angeblichen Käufer das Grundstück in Obermaxfeld verlassen hatten, informierten sie die Kripo in Ingolstadt, die in die Aktion eingeweiht worden waren.

Verwahrloste Tiere in Obermaxfeld: Polizei findet 24 Hunde in einem Transporter

In dem Transporter fand die Polizei 24 Hunde. Das Veterinäramt wurde schließlich hinzugerufen, um die Hunde zu untersuchen. Weil einige der Tiere sichtbare Erkrankungen und Verletzungen hatten, beantragte die Staatsanwaltschaft bei Gericht einen Durchsuchungsbeschluss. Daraufhin durften die Veterinäre noch am Freitagabend auf das Anwesen des Hundehalters, auf dem geschätzt weitere 50 Hunde ausfindig gemacht werden konnten. Eine genaue Zahl habe sich aufgrund des rund 3000 Quadratmeter großen und mit allerlei Hütten und Verschlägen verbauten Grundstücks nicht ausmachen lassen, heißt es seitens des Landratsamtes.

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All das sei zu einem früheren Zeitpunkt nicht möglich gewesen, weil – so erklärt es Pressesprecherin Sabine Gooss – es bis dato keine Fotos oder andere handfeste Beweise gegeben habe, wonach die Tiere krank, verletzt oder misshandelt gewesen seien. Deshalb hätten die Veterinärmediziner auch keinen Zugang zum Gelände erwirken können. Denn das Tierschutzgesetz enthält keine Rechtsgrundlage für Haustiere, die eine Durchsuchung der Wohnung gestattet. Eine solche gebe es nur für Tierhaltungen, die der Aufsicht unterliegen, also bei Nutztieren oder für Zuchtbetriebe. Dagegen sei ein Betreten des privaten Anwesens im Falle von Haustieren rechtlich nur möglich, wenn ein konkreter Verdacht auf einen schwerwiegenden Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegt. Und das sei nicht der Fall gewesen, heißt es aus dem Landratsamt. Bei den Kontrollen hätten die Veterinäre nur gesunde Hunde zu Gesicht bekommen, nie jedoch das gesamte Rudel. Insofern sei kein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz nachweisbar und damit ein weiteres Vorgehen ausgeschlossen gewesen.

Bei einigen Hunden wurden Geschwüre, Parasiten oder Darmkrankheiten festgestellt.
Bild: Norbert Eibel

Die 24 Hunde aus dem Transporter sowie zehn weitere offenkundig kranke Hunde aus dem Anwesen wurden noch am Freitag ins Neuburger Tierheim gebracht, wo sie entsprechend versorgt werden. Die restlichen Tiere befinden sich derzeit noch in Obermaxfeld. Sie sind nach Aussage von Sabine Gooss in einem mutmaßlich akzeptablen Zustand. Doch sobald freie Plätze in anderen Tierheimen gefunden werden – das Neuburger Tierheim kann keine weiteren Hunde aufnehmen –, sollen auch diese Hunde abgeholt werden. Lediglich zwei Hunde dürfe der Obermaxfelder behalten, sagte Sabine Gooss. Der zeigt sich übrigens kooperativ in der Zusammenarbeit mit den Behörden. Er akzeptiere, dass die Tiere abgeholt werden und wolle auch helfen, sie auf dem Grundstück einzufangen.

Wer die Kosten des Hundedramas übernimmt, ist noch nicht geklärt

Nicht gänzlich geklärt ist derzeit die Frage, wer die Kosten für die Unterbringung in den Tierheimen trägt. Neuburgs Tierheimleiter Gerhard Schmid nannte schon einmal eine Zahl: Er rechnet mit etwa 6000 Euro im Monat, die ihm die 34 Hunde kosten. Nach Aussage des Landratsamts sei man allerdings bemüht, eine Lösung zu finden.

Kaum zur Ruhe gekommen ist am Wochenende auch der Neuburger Tierarzt Hans Schneemeier. Er war beim Einsatz am Freitag dabei und untersucht derzeit die Hunde, die augenscheinlich am schlimmsten dran sind und möglicherweise eingeschläfert werden müssen. Schließlich brauche die Staatsanwaltschaft Nachweise, um gegen den Tierhalter vorgehen zu können. Doch auf einen Schlag 34 verwahrloste Hunde aufzunehmen und sich um sie zu kümmern, das sei nicht nur fürs Tierheim eine große Herausforderung, da stoße auch die Tierarztpraxis an ihre Grenzen.

Auf den Hundehalter, der auch Greifvögel züchtet, war das Veterinäramt bereits 2016 aufmerksam geworden, weil er illegal Welpen verkauft hatte. Dies dürfen nur Züchter mit einer Genehmigung und eine solche hatte der Mann nicht. Darüber hinaus gab es immer wieder Beschwerden von Anwohnern wegen des Geruchs und des ständigen Bellens der Hunde.

Gegen den Hundehalter wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet

Nach dem jüngsten Vorfall läuft nun ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Die Staatsanwaltschaft hat ein entsprechendes Gutachten in Auftrag gegeben. Zu den möglichen strafrechtlichen Konsequenzen für den Hundehalter gibt die Polizei derzeit keine Auskunft.

Zu der Stern TV-Aufzeichnung sollten übrigens auch Tierarzt Hans Schneemeier und Tierheimleiter Gerhard Schmid nach Köln kommen. Sie schlugen die Einladung aber aus – die beiden haben derzeit schließlich anderes zu tun.

Lesen Sie hier den Kommentar: Hundedrama: Kein gutes Zeugnis fürs Veterinäramt

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20.11.2018

Solange diese Tierquäler und Welpenhändler nur mit lächerlichen Geldstrafen belegt werden, werden wir noch viel Tierleid erleben. Auch in diesen schlimmen Fällen versagt die deutsche Kuscheljustiz völlig. Den osteuropäischen Welpenhändlern an den Autobahn-Rastplätzen sollte man die Auto konfiszieren, evtl verkaufen, um die Kosten der Unterbringung und tierärztlichen Behandlung abzudecken. Zusätzlich müßte es zumindest hohe Geldstrafen geben und bei Nichtbezahlung in Haft abgedient werden.
Nur: WER GLAUBT WIRKLICH DARAN !
Wenn dieser "Hundehalter" aus Obermaxfeld dem Amt bekannt war, dann gehören auch dort die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen.

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Neuburg/Donau

Hundedrama: Kein gutes Zeugnis fürs Veterinäramt

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