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Neuburg/Klingsmoos

07.03.2019

Auch die Hutkönigin hilft Bienen retten

Neuburgs Kulturpreisträgerin Ute Patel-Mißfeldt ist eine derjenigen, die von Landwirt Reiner Huber (links) aus Klingsmoos ein Stück Blumenwiese pachtet. Sie hat sich die ein Hektar große Fläche zwischen Klingsmoos und Sandizell schon einmal vor Ort angesehen und eine Karte kreiert, mit der Landwirte für ihr Engagement in dieser Sache werben können.
Bild: Stephanie Kürten

Plus In ganz Bayern bieten Landwirte Patenflächen für Blumenwiesen an. Die Idee findet reges Interesse. Ute Patel-Mißfeldt unterstützt sie noch auf besondere Weise.

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ hat Landwirte erfinderisch gemacht. Bayernweit werden Patenflächen angeboten, die Natur- und Insektenschützer pachten können, damit auf ihnen Blumenwiesen wachsen. Die Aktion hat sich zu einer neuen Geschäfts- und mittlerweile sogar zu einer neuen Geschenkidee entwickelt. Auch Reiner Huber aus Klingsmoos hat an ihr, wie berichtet, Gefallen und für seine angebotene Fläche vor allem auch schon zahlreiche Paten gefunden.

Das bislang intensiv genutzte, 10.000 Quadratmeter große Feld, liegt zwischen Sandizell und Klingsmoos. Direkter Nachbar ist ein Gehöft mit Heckrindern, eine in den 1920er Jahren entstandene Hausrinderrasse. Huber erzählt, dass gut ein Dutzend Leute angefragt hätten, ob sie eine Patenfläche haben könnten. Über 6000 Quadratmeter hat er bereits verpachtet. „Wenn sich niemand mehr findet, dann säe ich den Rest selbst ein, bis der eine Hektar voll ist“, sagt der 54-Jährige.

Unter den Blumenwiesenpächtern befinden sich prominente Personen

Unter den Blumenwiesenpächtern befinden sich prominente Personen. Etwa Neuburgs Kulturpreisträgerin Ute Patel-Mißfeldt. Die ungekrönte Hutkönigin findet die Idee der Landwirte so gut, dass sie darüber hinaus eine Karte kreiert, mit der Huber, aber auch weitere Landwirte für ihr Engagement werben können. Zu sehen auf der Karte ist ein Mann, der auf dem Boden kniet und mit der Lupe sich die einzige Blume auf einer Wiese ansieht. Daneben steht ein Landwirt in der Mitte einer blühenden Wiese voller Blumen. „Die Karte stelle ich Herrn Huber, aber auch anderen Landwirten zur Verfügung. Sie können auf die Rückseite ihre Kontaktdaten setzen, sie vervielfältigen lassen und mit ihr dann für ihr Angebot werben.“

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Ute Patel-Miß0feld hat auch eine Karte kreiert, mit der Landwirte für ihre Blumenwiesen werden können.
Bild: Manfred Rinke

Die größte Fläche auf dem Grundstück von Reiner Huber hat eine Gemeinschaft aus Bekannten und Freunden für sich gebucht. Angeleiert haben die Aktion Mona und Klaus Wolbert aus dem Neuburger Stadtteil Bruck. Sie richteten eine WhatsApp-Gruppe ein und fanden auf diese Weise bislang rund 30 Mitstreiter: Ärzte, Unternehmer und Neuburger Kommunalpolitiker zählen dazu. Wie Mona Wolbert erzählt, sei sie auf den Artikel in der Neuburger Rundschau aufmerksam geworden und fand die Idee für all diejenigen super, die selbst keine Möglichkeit haben, auf diese Weise etwas für den Artenschutz zu tun. „Wir wollen das unterstützen und verdeutlichen, dass ein Landwirt auch auf diese Art einen Ertrag erzielen kann. Wir werden zwar damit nicht aus jedem Landwirt einen Biobauern machen, aber ein Zeichen setzen können wir.“ Nachdem die Wolberts viele Bekannte und Freunde zum Mitmachen ermuntern konnten, waren sie mit gut einem Dutzend ihrer Patenfreunde mittlerweile auch schon in Klingsmoos, um sich von Reiner Huber zeigen zu lassen, wo die künftige Blumenwiese wachsen wird.

Um die Bienen zu retten, braucht es eine geeignete Mischung für die Blumenwiese

Der Landwirt will sich zunächst genau darüber informieren, welche Blumenmischung für seinen Boden geeignet ist, bevor er Anfang April mit dem Aussäen beginnen will. Bis Herbst soll die Wiese blühen. Dann wird man entscheiden, ob sie abgemulcht oder über den Winter einfach stehen bleiben wird, bevor die Saat im Frühjahr wieder aufgeht. Ein Pachtvertrag für ein Stück Blumenwiese wird über maximal zwei Jahre laufen. Landwirt Huber kommt das entgegen, weil er auf der Fläche dann künftig Bioanbau betreiben will. Dafür muss er die Auflagen der Bioverbände erfüllen und darf zwei Jahre lang keine Pflanzenschutzmittel oder Ähnliches auf dem vorgesehenen Acker ausbringen. Nun verdient er sich in der Zwischenzeit auch noch Geld durch seine naturschutz- und insektenfreundliche Aktion. Pro 100 Quadratmeter verlangt er 50 Euro Pacht im Jahr. Der 54-Jährige bezeichnet dies als „Win-win-Situation für die Natur, die Bürger und die Bauern“. Er jedenfalls ist mit dieser Lösung für sich sehr zufrieden.

Ob diese Idee aber eine Zukunft hat, bezweifelt er. So kurz nach dem Volksbegehren sei es zwar bayernweit ein Renner. Doch wenn der Staat nicht gesetzlich eingreift, wird dieses Engagement aus seiner Sicht wieder einschlafen. „Wir fahren in der Stadt 50, weil wir das müssen. Gäbe es keine Vorgabe, würden wir bestimmt schneller fahren“, sagt der Klingsmooser. Wenn klar sei, wo die Ursachen für den Artenschwund liegen, müsse also auch hier die Politik die Spielregeln vorgeben. Nur so könnten Erfolge erzielt werden. Den Landwirten hierfür die Schuld in die Schuhe zu schieben, sei natürlich einfach, aber nicht fair. Schließlich würden auch sie nur nach den Gesetzen des Marktes handeln.

Eine Blumenwiese nicht nur als Geschäfts-, sondern auch als Geschenkidee

Doch bevor es möglicherweise feste Spielregeln geben wird, steht derzeit noch die gute Idee im Vordergrund. Und Mona Wolbert will noch mehr Menschen ermuntern, Landwirte zu unterstützen, die solche Naturschutzaktionen anbieten. „Das wäre doch auch eine gute Geschenkidee zu verschiedensten Anlässen“, meint sie. Erfahrungen in dieser Sache hat bereits ein Landwirtspaar aus Kühbach im benachbarten Landkreis Aichach-Friedberg gesammelt. Familie Karl hat überregional inseriert und ihre Blühwiese hat sich tatsächlich auch zu einer Öko–Geschenkidee entwickelt. Die Interessenten kommen zwar auch aus dem Landkreis, vor allem aber aus den Großstädten München, Augsburg und Ingolstadt. Wie sie erzählen, schenken Männer Blühflächen ihren Frauen zum Hochzeitstag, Paare überraschen sich damit zum Valentinstag und eine Uroma lässt sogar Blumen für ihre Urenkel säen. 

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Manfred Rinke "Rettet die Bienen: Jetzt braucht es Spielregeln"

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