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Neuburg: Neuburger Klinik-Chef: "Man spürt, wie sehr Corona Kinder psychisch belastet"

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Neuburger Klinik-Chef: "Man spürt, wie sehr Corona Kinder psychisch belastet"

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    Gerd Koslowski ist seit rund einem Jahr Geschäftsführer der KJF-Klinik in Neuburg.
    Gerd Koslowski ist seit rund einem Jahr Geschäftsführer der KJF-Klinik in Neuburg. Foto: Andreas Schopf

    Herr Koslowski, Sie sind seit einem Jahr Geschäftsführer der KJF Klinik Sankt Elisabeth Neuburg. Es dürfte ein aufwühlendes Jahr gewesen sein. Welche Momente bleiben Ihnen positiv, und welche negativ in Erinnerung?

    Gerd Koslowski: Es gab aufgrund der Umstände natürlich eine ganze Menge besonderer Momente. Sehr positiv ist mir in Erinnerung geblieben, wie wir die Herausforderungen der Pandemie gemeistert haben, indem wir eng zusammengerückt sind. Es gab während der ersten Welle jeden Dienstagmorgen eine Krisenstabssitzung mit allen Verantwortlichen, bei der es etwa um Infektionszahlen und Materialverfügbarkeiten ging. Ich denke, wir haben die Krise gut angenommen – und das alles neben dem normalen Tagesgeschäft.

    Und was ist nicht so gut in Erinnerung?

    Koslowski: Der Start als neuer Kollege und Geschäftsführer war herausfordernd. Vor der Pandemie hätte man viel einfacher durch das Haus gehen, mit den Leuten sprechen und auf Versammlungen in Austausch treten können. Wegen Corona ist Vieles weggefallen. Ich freue mich, wenn das alles wieder möglich ist.

    Geschäftsführer der KJF Klinik Neuburg: "Haben die Krise gut angenommen"

    Ärzte und Pfleger kämpfen an vorderster Front gegen das Virus. Wie sehr hat die Corona-Pandemie Ihre Klinik belastet?

    Koslowski: Es war eine besondere Herausforderung, weil wir Verunsicherung bei den Patienten, aber auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gespürt haben. Dazu kommt: Jeder hat neben den Belastungen im Job auch welche im Privatleben, etwa durch Kinderbetreuung.

    Inwiefern haben Sie Klinik-Strukturen an die Pandemie anpassen müssen?

    Koslowski: Wir mussten uns komplett umstellen. Abläufe, etwa bezüglich der Hygiene, haben wir vollständig überprüft. Wir mussten sicherstellen, dass die Menschenströme, die in der Notaufnahme ankommen, kanalisiert werden, und dass Patienten, die scheinbar keine Infektion haben, keine Gefährdung für die Kolleginnen und Kollegen darstellen. Gerade die Abläufe auf der Intensiv- und auf der Infektionsstation mussten wir anpassen. Wir haben die Station 6 zum Teil zur Infektionsstation deklariert und dort alle möglichen oder bestätigten Covid-19-Fälle zusammengefasst. Natürlich mussten wir besonders geschult werden, wie wir mit dieser Situation umgehen.

    Immer wieder haben Experten vor einer Überlastung des Gesundheitssystems gewarnt. Gab es Zeiten, in denen die Auslastung der Intensivstation in Neuburg einen kritischen Wert erreichte?

    Koslowski: Wir hatten immer wieder eine sehr hohe Auslastung der Intensivstation. Punktuell waren unsere acht Intensivbetten alle belegt. Mir ist aber nicht bekannt, dass über einen längeren Zeitraum die Intensivversorgung in irgendeiner Weise beeinträchtigt war. Wir hatten außerdem jederzeit ein Konzept, mit dem wir zusätzliche Intensivbetten hätten in Betrieb nehmen können. Diese Betten haben wir glücklicherweise nie benötigt – was auch daran lag, dass wir planbare Eingriffe, die möglicherweise eine Intensivbetreuung nach sich gezogen hätten, verschoben haben.

    Geschäftsführer Gerd Koslowski: Verschobene Eingriffe haben der KJF Klinik Neuburg finanziell gefehlt

    Diese Eingriffe haben Ihnen, rein aus finanzieller Sicht, sicher gefehlt.

    Die KJF Klinik Sankt Elisabeth in Neuburg.
    Die KJF Klinik Sankt Elisabeth in Neuburg. Foto: Andreas Schopf (Archiv)

    Koslowski: Ja, natürlich. Und es ging nicht nur um planbare Eingriffe. In der Pädiatrie beispielsweise haben wir normalerweise gerade in den Wintermonaten viele Patienten mit Infektions- und Durchfallerkrankungen. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen waren Ansteckungen jedoch viel seltener. Im ersten Quartal 2021 hatten wir in der Pädiatrie knapp 40 Prozent weniger Umsatz als sonst. Für die Kinder ist das gut, für unsere Statistik weniger. Dafür spürt man jetzt, wie sehr die Corona-Pandemie Kinder psychisch belastet. In diesem Bereich haben wir eine enorme Nachfrage.

    Wie kommt die KJF-Klinik im Ganzen finanziell durch die Pandemie?

    Koslowski: Im Detail kann ich das aktuell nicht sagen, da wir noch die Verabschiedung des Jahresberichts durch den Aufsichtsrat erwarten. 2019 hatten wir keine guten Zahlen, damals lag das Defizit bei mehr als zehn Millionen Euro. 2020 wird das Ergebnis, trotz Corona, deutlich positiver ausfallen, da sich politische Rahmenbedingungen verbessert haben.

    Von den großen zu den kleinen Finanzen: Im Verlauf der Pandemie wurden öffentliche Forderungen laut, dass Pflegekräfte angesichts ihrer Arbeitsbelastung besser bezahlt werden müssen. Wie stehen Sie dazu?

    Koslowski: Ich tue mich wahnsinnig schwer, das einzuschätzen und ins Verhältnis zu setzen. Es ist ja die Aufgabe von Arbeitgebervertretern und Gewerkschaften, das gemeinsam auszuhandeln. Was wir insgesamt feststellen: Gerade in Ballungsräumen tun sich Pflegekräfte schwer, sich ein „normales“ Familienleben zu leisten. Das zeigt, dass dieser Bereich trotz des hohen Einsatzes nicht so gut vergütet ist wie andere Bereiche. Ich will das aber nicht bewerten.

    In der Neuburger Klinik floss die erste Corona-Prämie nicht

    Ihre Beschäftigten, die patientennah arbeiten, erhalten im Juni die „Corona-Prämie 2.0“. Die erste Prämie im vergangenen Jahr floss in Neuburg nicht, weil Daten fehlerhaft übermittelt wurden. Wie kam es dazu und wie sehr ärgert Sie dies?

    Koslowski: Das war eine ganz verzwickte Geschichte. Es gab offenbar ein technisches Problem in der Übermittlung. Dadurch haben wir eine feste Frist verpasst. Wir haben noch versucht, nachzuhaken, aber ohne Erfolg. Ich bedaure das sehr. Wir standen dazu mit der Mitarbeitervertretung in Austausch, die zum Ausdruck gebracht hat, dass sie das nicht gut findet. Wir finden das natürlich alle sehr ärgerlich. Aber wir sind alle Menschen und machen Fehler.

    2020 eskalierte ein Streit zwischen dem damaligen Chefarzt der Gynäkologie und den Hebammen. Wie hat sich die Situation entwickelt?

    Koslowski: Der ehemalige Chefarzt Dr. Peter Seropian hat im November das Haus verlassen. Das hatte nicht nur etwas mit Differenzen zu den Hebammen, sondern allgemein mit unterschiedlichen Sichtweisen zwischen ihm und der Geschäftsleitung zu tun. Wir waren sehr froh, dass wir Dr. Armin Both davon überzeugen konnten, zusätzliche Verantwortung zu übernehmen. Er ist ein ganz erfahrener Gynäkologe und Geburtshelfer, der bereits als Chefarzt der Gynäkologie in der Augsburger KJF Klinik Josefinum arbeitet, und nun zweieinhalb Tage pro Woche nach Neuburg kommt. Seitdem ist deutlich Ruhe eingekehrt.

    Ist die Lösung auf Dauer?

    Koslowski: Wir sehen das erst einmal als kommissarisch, weil wir schauen möchten, wie die Aufgaben unter einen Hut zu bekommen sind. Wir stecken noch mitten in der Pandemie und sehen aktuell keine Anzeichen, warum wir diese Lösung nicht fortsetzen sollten.

    KJF-Klinik Neuburg: Irgendwann braucht es ein Gesamtkonzept für eine Modernisierung

    Welche baulichen Veränderungen stehen in der Klinik an?

    Koslowski: Der Fokus lag in den vergangenen Monaten woanders. Aber ich habe den Eindruck, dass die Bereiche, mit denen die Patienten zu tun haben, im Wesentlichen ordentlich aufgestellt sind. Wo wir noch nachbessern können, ist beispielsweise im Bereich Erschließung und Wegeführung. Außerdem prüfen wir eine Modernisierung und gegebenenfalls Erweiterung der Kreißsäle – die Geburtenzahlen entwickeln sich schließlich sehr positiv. Und natürlich muss man sich irgendwann Gedanken um ein Gesamtkonzept machen, wie wir die Klinik modernisieren können.

    Wo sehen Sie Ihre persönliche Zukunft? Sie sind gleichzeitig Mitglied im Vorstand der KJF Augsburg. Wird es mittelfristig einen Geschäftsführer nur für Neuburg geben?

    Koslowski: Das haben wir noch nicht final entschieden. Auch wenn man sich manchmal wünschen würde, die eine oder andere Stunde mehr vor Ort zu sein, bin ich der Meinung, dass wir uns als Klinikleitung gut gefunden haben. Wir gehen nun erst einmal durch die Krisensituation, dann überlegen wir, wie wir uns weiterentwickeln.

    Zur Person: Gerd Koslowski ist 50 Jahre alt und stammt aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck. Bevor er zur KJF Augsburg wechselte, war er als Leiter der Helios-Amper-Kliniken Dachau sowie als Kaufmännischer Direktor am Klinikum Großhadern tätig.

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