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Neuburg/Pfaffenhofen

09.07.2019

Sie sammelt Unterschriften gegen Plastikmüll

Wenn Patricia Kufer einkaufen geht, vermeidet sie jegliches Plastik. Stattdessen benutzt die Mutter von drei Kindern Gläser, Metalldosen, Jutebeutel und Körbe. Selbst ihre Reinigungsmittel stellt die 39-Jährige selbst her.
Bild: Weiß

Patricia Kufer lebt schon mehrere Jahre plastikfrei. Nun hat sie eine Petition gestartet. Sie soll Einwegverpackungen und -produkte vermeiden helfen. 

Zum Bäcker geht Patricia Kufer mit dem Jutebeutel, zum Metzger mit der Metalldose. Gemüse holt sie mit dem Korb auf dem Markt. Ihre Kinder spielen größtenteils mit Spielzeug aus Holz. Seit fast sechs Jahren lebt die Pfaffenhofenerin mit ihrer fünfköpfigen Familie plastikfrei. Kufer ist von ihrer Lebensweise überzeugt, gibt sogar Kurse und hält Vorträge, wie man seinen Alltag plastikfrei gestalten kann. Nun hat die 39-Jährige im Kampf gegen das Plastik einen weiteren Schritt getan: Vergangene Woche hat sie zusammen mit einer Freundin eine Petition an den Bayerischen Landtag geschickt, am Wochenende ist dieselbe Petition online gegangen. Darin geht es um Steuerbegünstigungen für Hersteller, Händler und Gastronomen, die Einwegverpackungen und -produkte vermeiden und stattdessen auf Mehrweg setzen.

Beim Einkaufen und bei allem, was in ihrem eigenen Einflussbereich liegt, hat Patricia Kufer schon länger auf Plastik verzichtet. Doch inzwischen sei ihr klar geworden, dass sie einen „größeren Wirkungskreis“ angehen möchte, eine Ebene, auf die sie als Privatperson keinen Einfluss hat. „Wenn von oben nichts getan wird, ist es für den Verbraucher schwierig“, erklärt sie ihre Motivation hinter der Petition. Umso mehr Menschen unterschreiben, umso größer wird der Druck auf die Politik, glaubt die 39-Jährige.

Patricia Kufer möchte mit der Petition niemanden bestrafen

Kufer möchte niemanden bestrafen, sondern vielmehr Anreize schaffen, sein Handeln zu ändern. In ihrer Petition – im Internet zu finden unter openpetition.de/!plastikfrei – unterteilt sie die Steuerbegünstigungen in fünf Stufen: In Stufe 1 (mit den höchsten Begünstigungen) sollen Unternehmen fallen, die kaum Abfall produzieren. Zum Beispiel ein Unverpacktladen, schlägt Kufer vor, „Das ist eine tolle Idee und die sollte belohnt werden“, findet die Pfaffenhofenerin. Je weniger Plastikmüll eingespart wird, desto niedriger wird der Erzeuger oder Verkäufer eingestuft – bis hin zu denjenigen, die überhaupt keine Anzeichen von Nachhaltigkeit erkennen lassen. „Je nach Stufe erhält man eine im Gesetz festgesetzte prozentuale Steuerbegünstigung als Belohnung für umweltbewusstes Verhalten“, erläutert Kufer. Ihre langfristigen Ziele: den CO2-Ausstoß reduzieren, weniger Trinkwasser verunreinigen, die Tier- und Pflanzenwelt weniger schädigen, unnötigen Ressourcenabbau verhindern und durch schädliche Umwelteinflüsse entstehende Krankheiten reduzieren.

So sieht die Online-Petition von Patricia Kufer aus. Zu finden ist sie im Internet unter openpetition.de/!plastikfrei.
Bild: Dorothee Pfaffel

Der Bayerische Landtag soll nun helfen, ihr Anliegen in ein Gesetz zu verwandeln, so hofft die 39-Jährige zumindest. Sie weiß, dass Steuergesetze eigentlich Sache des Bundes sind, aber: „Wir wohnen in Bayern und deshalb fangen wir hier an. Vielleicht können unsere Lokalpolitiker ja Einfluss nehmen.“ Zeitgleich mit dem Start der Petition hat Kufer eine E-Mail an alle Fraktionen im Landtag verschickt und an alle Fraktionssprecher im Pfaffenhofener Stadtrat.

Jasmin Daum, Pressesprecherin von „Openpetition“, findet es gar nicht so ungeschickt, dass Kufer ihre Petition zunächst an den Landtag gerichtet hat. Landesparlamente würden viel effektiver mit Petitionen umgehen, in Bayern dauert die Bearbeitung im Durchschnitt vier Monate. So könne man schon einmal Unterschriften sammeln und ein Stimmungsbild einholen, bevor man sich an den Bundestag wendet. Dort würden die Petenten laut Daum im Schnitt 1,5 Jahre warten.

Die Petition von Patricia Kufer läuft ein Jahr lang

Die Petition der Pfaffenhofenerin läuft nun ein Jahr. 110 Unterschriften hatte sie Dienstagmittag für ihre Idee schon zusammen. „Für die Zukunft meiner Kinder“ oder „Weil wir mehr auf unsere Umwelt achten sollten“ lauten die Kommentare der Unterschreibenden. 2000 Unterschriften sind Kufers persönliches Ziel. Ab 24.000 schaltet sich die Plattform „Openpetition“ zusätzlich mit ein und fordert von allen Parlamentariern eine öffentliche Stellungnahme an, sagt Daum. Eine Petition darf aber theoretisch auch ein Einzelner im Landtag oder Bundestag einreichen. Auch dann muss sie vorgestellt und gehört werden.

Im Kampf gegen das Plastik ist Patricia Kufer unermüdlich. Weder mit Kritikern noch mit ihren Kindern scheut sie Diskussionen. Ihre älteste Tochter Antonia (11) wollte zum Beispiel kürzlich ein Handy. Der Kompromiss, den die Familie schließlich gefunden hat, ist ein sogenanntes „Fairphone“. Quasi ein „Öko-Smartphone“, das fair produziert und gehandelt wurde und bei dem jedes Einzelteil ausgebaut und repariert werden kann. „Unsere Kinder verstehen, dass ich sie nicht ärgern will, sondern ihnen eine saubere und gesunde Welt hinterlassen möchte. Ich bin sehr stolz, dass sie so toll mitmachen“, lobt die Mutter ihren Nachwuchs.

Einmal im Monat veranstaltet Kufer einen „Plastikfrei Stammtisch“ in der „Kräuterwerkstatt“ in Pfaffenhofen (Anmeldung unter www.unkraut-von-dahoam.de). Am Samstag, 12. Juli, hat die Plastikfrei-Community einen Stand auf dem Hauptplatz in Pfaffenhofen, anlässlich des Klimaschutztages der Stadt. Im Laufe des Vormittags wird Patricia Kufer auch öffentlich sprechen. Am 6. November hält sie wieder einen Vortrag mit dem Titel „Tipps für den plastikfreien Alltag“ an der Volkshochschule Neuburg (Anmeldung ab September an der Vhs).

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