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Neuburg-Schrobenhausen

05.03.2020

Wie Corona die lokale Wirtschaft infiziert

Wirtschaftlich bekommt die Region die Auswirkungen des Virus zu spüren.
Bild: dpa/Jean-Christophe Bott

Plus Enttäuschte Schülerinnen und abgesagte Veranstaltungen – die Auswirkungen des Coronavirus sind auch im Landkreis spürbar. Wie Unternehmen in und um Neuburg reagieren.

Täglich gibt es Meldungen über neue Corona-Infektionen – auch im Landkreis Aichach-Friedberg wurde am Mittwoch der erste Fall bestätigt. Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen gibt es bisher keine bestätigte Infektion und trotzdem ist das Virus nun in der Region angekommen. Viele Unternehmen und Einrichtungen spüren die Auswirkungen und sehen sich gezwungen, zu reagieren.

Den Schülerinnen der achten Jahrgangsstufe an der Maria-Ward-Schule in Neuburg kommt Covid-19 der geplanten Rom-Wallfahrt in die Quere. Diese war vom 16. bis 20. März geplant. Zwar wurde Rom nicht zum Risikogebiet erklärt, aber der Busfahrer müsse, so die Begründung der Schulleitung, eine vorgeschriebene Pause im Risikogebiet machen. Dort würden die Mädchen dann auch die Toiletten aufsuchen.

Maria-Ward-Schule Neuburg: Rom könnte zum Risikogebiet erklärt werden

Außerdem könnte Rom während des Aufenthaltes zum Risikogebiet erklärt werden oder Grenzen geschlossen werden. Da keine Stornierungsgebühren fällig werden, können die bereits beglichenen Kosten zurückerstattet werden. Schulleiter Heribert Kaiser betont in seinem Schreiben außerdem, dass die Fahrt nicht ausfalle, sondern ins kommende Schuljahr verlegt werde.

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Auch die Geschäftswelt reagiert. In den Unternehmen der Hoffmann-Gruppe sind Dienstreisen und Meetings außerhalb der Geschäftsräume bis auf Weiteres eingestellt. Außerdem gehe man sehr restriktiv mit Besuchern um. „Außenstehende dürfen nur in die Gebäude, wenn sie versichern können, dass sie innerhalb der letzten zwei Wochen nicht im Ausland waren“, sagt Geschäftsführer Manfred Hoffmann.

Corona-Virus: Außendienstmitarbeiter machen Homeoffice

Außendienstmitarbeiter arbeiten bis auf Weiteres im Homeoffice. Gleiches gilt – zumindest für zwei Wochen – für Arbeitnehmer, die aus dem Ausland wiederkommen. Wer aus dem Urlaub zurückkommt, soll ebenfalls zwei Wochen zu Hause bleiben. Dafür gibt es eine Woche Sonderurlaub . Die zweite Woche muss der Mitarbeiter reguläre Urlaubstage nehmen.

So wolle man einen Fall wie beim Autoteilezulieferer Webasto vermeiden. Das Unternehmen aus Starnberg musste Ende Januar die Produktion zwei Wochen komplett einstellen, weil sich mehrere Mitarbeiter mit dem Virus infiziert hatten. „Wir beraten seit Donnerstag intensiv auch mit unserem Betriebsrat , um unsere Mitarbeiter zu schützen. Es geht aber auch darum, den Standort funktionsfähig zu halten“, so Hoffmann.

Neuburger Unternehmer ergreifen Vorsichtsmaßnahmen

„Die Reaktion der Mitarbeiter auf die Maßnahmen war überwiegend positiv“, sagt Hoffmann. „Keiner möchte sich anstecken.“ Dabei sei klar, dass sich nicht alle Risikofaktoren beeinflussen lassen. „Aber wir tun unser Möglichstes.“ Die Hoffmann-Gruppe versorgt daher ihre Mitarbeiter am Arbeitsplatz mit Desinfektionsmittel.

Und auch wirtschaftlich macht sich das Virus bemerkbar. „Wir müssen zumindest darauf vorbereitet sein, Umsatzeinbrüche zu haben, falls beispielsweise Zulieferer nicht mehr produzieren.“ Aktuell sei das aber nicht der Fall.

Auch die Bauer AG mit Sitz in Schrobenhausen zieht erste Konsequenzen. Neben allgemeinen Hinweisen für die Mitarbeiter, wie regelmäßiges Händewaschen oder das Verzichten auf Händeschütteln, beschloss am Mittwoch das Unternehmen, alle Veranstaltungen im Mai abzusagen. „Betroffen ist neben anderen Events unsere Hausausstellung, die normalerweise im Mai stattfindet“, sagt Pressesprecher Christopher Wolf. „Zu diesem Termin kommen viele internationale Gäste. Das wäre in der aktuellen Situation einfach unvernünftig.“

Neuburger Messe "Gesund & Aktiv" findet statt

Gegen eine Absage der Neuburger Messe „Gesund & Aktiv“ entschied sich das Stadtmarketing in Rücksprache mit dem Gesundheitsamt. „Es gibt keinen Fall im Landkreis und daher auch keine Anweisungen, dass bestimmte Veranstaltungen abgesagt werden müssen“, sagt Michael Regnet vom Stadtmarketing. „Die Aussteller kommen allesamt aus der Region. Internationale Aussteller sind nicht dabei.“

Im Reisecenter von Mark Wittmann spürt man bisher nur mäßige Auswirkungen: „Bisher kamen Stornierungen hauptsächlich bei Geschäftsreisen oder für Messebesuche“, so Wittmann. Sonst seien die meisten Kunden sehr besonnen. „Viele erkundigen sich nach offiziellen Reisewarnungen. Und natürlich behalten wir die Situation ständig im Auge und informieren die Reisenden über die Lage.“

Spahn über Corona-Virus: "Höhepunkt der Ausbreitung noch nicht erreicht"

Einige Reiseveranstalter haben bereits reagiert und ihre Storno- und Umbuchungsbedingungen geändert. „Neubucher können jetzt bei einigen Anbietern bis 14 Tage vor Reiseantritt kostenfrei stornieren. Das nimmt den Menschen, die aktuell einen Urlaub buchen wollen, die Unsicherheit.“

Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, wie sich die Lage in der Wirtschaft entwickelt. Bundesgesundheitsminister Spahn ( CDU ) betonte am Mittwoch bei seiner Rede im Bundestag , die Sicherheit der Bevölkerung gehe im Zweifel vor, auch vor wirtschaftlichen Interessen. Und: „Der Höhepunkt der Ausbreitung ist noch nicht erreicht.“

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