Früher pilgerten zehntausende Gläubige auf den Antoniberg bei Stepperg, um den begehrten Ablass zu erhalten. Eine kleine Wallfahrt hat überlebt, und so kamen am Sonntag zum 350. Jubiläum der Kapelle 250 Besucher auf den Berg mit dem grandiosen Blick ins Donautal.
Das Panorama und die Besonderheit dieses Ortes gefiel auch Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg. Der Rennertshofener Pfarrer Johannes Huber hatte den 55-jährigen Priester der Erzdiözese München und Freising als Prediger eingeladen. „Wer etwas vergessen oder verloren hat, dem hilft der Heilige Antonius immer“, versicherte der Münchener Weihbischof. Er sieht den Heiligen „als machtvollen Verkünder des Glaubens und Helfer in der Not.“
Antonius galt als Helfer für Arme und Benachteiligte
Antonius von Padua (1195 – 1231) sei ein hochgebildeter Theologe und hervorragender Redner gewesen. Er habe Menschen überzeugen können und das Evangelium begeistert ausgelegt, so der Weihbischof. Sowohl Papst Benedikt XVI. (1927-2022) als auch der 2025 verstorbene Papst Franziskus galten als besondere Verehrer von Antonius. Franziskus bezeichnete ihn „als Helfer für Familien, Arme und Benachteiligte mit einem Einsatz für Wahrheit und Gerechtigkeit“.
Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg erklärte seinen Zuhörern, wie Antonius die Bibel interpretiert habe. Sie sollten ähnlich wie der Heilige das Vertrauen auf Gott nie verlieren und Hoffnung in die Gesellschaft hineintragen. Die Fürbitten sprach Guy Graf von Moy, Eigentümer des Antoniberges und der Gruftkapelle. Zum Abschluss des Patroziniums sprach der Weihbischof das Antonius-Gebet und die Marktkapelle Rennertshofen intonierte die Bayernhymne. Die Prozession mit Ministranten, Vereinen und weiteren Teilnehmern, darunter Bürgermeisterin Ulrike Polleichtner, Bezirksrat Ludwig Bayer und etlichen Gemeinderäten, zog wieder den Berg hinter nach Stepperg. Im Biergarten wartete ein Imbiss für die „Wallfahrer“.
„Ich bin froh, dass die Antonibergwallfahrt weitergeführt wird“, sagte Rennertshofens Ehrenbürger Ernst Gebert. Er war 36 Jahre lang Bürgermeister der Marktgemeinde gewesen. Kurz nach seinem Amtsantritt 1978 hatte der damalige Pfarrer Georg Riedmayr den Pilgerzug auf den Berg wiederbelebt. Im Laufe der Jahre holte er Äbte und Bischöfe aus Augsburg und Regensburg als Prediger, darunter Manfred Müller und Walter Mixa.
Die Antonius/Anna-Doppelkapelle in Stepperg wurde 1676 erbaut
Die Antonius/Anna-Doppelkapelle auf dem Berg stand seit ihrer Erbauung im Jahr 1676 im Blickfeld von Eremiten und Wallfahrten. 1852 kam die Gruftkapelle der Grafen von Moy dazu, in der unter anderem die letzte Kurfürstin Maria Leopoldine ruht. Der Pilgerort erlebte seinen Höhepunkt im 18. Jahrhundert. „Der ganze Berg erschien von Menschen wie übersät, es waren ungeheure Mengen“, beschreibt Pfarrer Silbermann in seiner Chronik die enorme Wirkung der Stepperger Wallfahrt im 18. und 19. Jahrhundert. Die meisten kamen zu Fuß, viele setzten mit der Fähre aus Richtung Unterhausen über die Donau. Die Wallfahrer ersuchten vor allem den sogenannten Portiunkula-Ablass, der durch Gebet, Beichte und Sakramente eine vollständige Vergebung der Sünden versprach. Stepperg war der erste Ort nördlich der Alpen gewesen, wo der Ablass per päpstlichem Dekret erlangt werden konnte.
Die Pfarrei feiert weiterhin am 13. Juni den Heiligen Antonius als Schutzpatron der Berufe Bäcker, Schweinehirten, Bergleute und Sozialarbeiter sowie der Städte Padua, Lissabon, Paderborn und Hildesheim. Er wird bei Unfruchtbarkeit, Fieber, Pest, Schiffbruch, Kriegsnöten und Viehkrankheiten und für das Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen. Zudem soll er zu einer guten Geburt, zum Altwerden und zu einer guten Ernte verhelfen. Besonders bekannt ist sein Patronat für die Armen.
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