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Ehekirchen: Abschied von Altbürgermeister Gamisch und acht Gemeinderäten

Ehekirchen

Emotionen, Humor und ein neuer Titel: So war die Verabschiedung von Günter Gamisch in Ehekirchen

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    Sie alle sagen Servus nach teils mehreren Jahrzehnten im Dienst der Gemeinde: (v.l.) Tobias Buchart, Thomas Bednarz, Christoph Böhm, Josef Hermann, Günter Gamisch, Veronika Fischer, Otto Plath und Paul Kammerer. Es fehlt Michael Funk.
    Sie alle sagen Servus nach teils mehreren Jahrzehnten im Dienst der Gemeinde: (v.l.) Tobias Buchart, Thomas Bednarz, Christoph Böhm, Josef Hermann, Günter Gamisch, Veronika Fischer, Otto Plath und Paul Kammerer. Es fehlt Michael Funk. Foto: Katrin Kretzmann

    Er wusste, dass es noch einen Abschied geben wird. Doch als Günter Gamisch am Donnerstagabend ins Ehekirchener Rathaus kam, war er sichtlich überwältigt. Rund 80 Gäste waren gekommen, um den ehemaligen Bürgermeister noch einmal gebührend in den Ruhestand zu verabschieden. Doch der Abschied galt nicht nur dem 62-Jährigen, der am Ende des Abends als frisch ernannter Altbürgermeister nach Hause ging, sondern auch acht scheidenden Gemeinderäten, die dem Gremium teils über mehrere Jahrzehnte hinweg angehörten. „Unsere Gemeinde lebt von Menschen, die bereit sind, sich einzubringen – und solche Menschen stehen heute im Mittelpunkt“, sagte Ehekirchens neuer Rathauschef Christian Eitelhuber.

    Pfarrer Max Braun zitierte in seinem Grußwort einen Satz aus der Bibel, der treffender für Gamisch und sein Wirken in der Gemeinde in seinen Augen nicht sein könnte. So heißt es „Suchet der Stadt Bestes“ im Buch Jeremiah, „und du hast dich so oft für die Menschen eingesetzt, man hat gemerkt, dass du als Bürgermeister nur das Beste für Ehekirchen wolltest“, sagte Braun. Er dankte Gamisch auch für die stets gute Zusammenarbeit zwischen Kirche und Kommune. Und mit einer Flasche Wein als Geschenk erinnerte der Pfarrer ihn an einen Termin, der zwischen den beiden noch ausstehe: „Bei einem Glaserl einfach mal zusammensitzen und ratschen.“

    Ehekirchens neuer Bürgermeister Christian Eitelhuber (l.) überreichte seinem Vorgänger Günter Gamisch die Urkunde mit dem Titel des Altbürgermeisters.
    Ehekirchens neuer Bürgermeister Christian Eitelhuber (l.) überreichte seinem Vorgänger Günter Gamisch die Urkunde mit dem Titel des Altbürgermeisters. Foto: Katrin Kretzmann

    Gemeinderat verleiht Günter Gamisch den Titel des Altbürgermeisters

    Für die jahrelange und gute Zusammenarbeit dankte Gamisch auch Katja Staps, Bürgermeisterin der Partnergemeinde Bodelwitz in Thüringen – und zugleich seine Ehefrau. Mit einer ganzen Reihe an Bildern und lustigen Anekdoten ließ sie zahlreiche Besuche und Begegnungen der beiden Gemeinden noch einmal Revue passieren. Seit 36 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen Ehekirchen und Bodelwitz, seit 2010 pflegen sie Staps und Gamisch gemeinsam. Auf persönlicher Ebene danke sie ihrem Mann für die vielen persönlichen Beratungen und Gespräche im Rahmen des Bürgermeister-Jobs. „Während andere über den Tag geredet haben, haben wir Probleme gelöst.“ Zudem wisse sie als Kollegin, wie hoch auch die Belastung in diesem Beruf sei. „Du weißt am besten, was du geleistet hast, und kannst dir auch selbst einmal Danke sagen“, sagte Staps, bevor sie von ihrem Günter unter Applaus der Gäste umarmt wurde.

    Drei Jahrzehnte habe sich Gamisch für Ehekirchen eingebracht, zwölf davon als Gemeinderat und 18 als Bürgermeister, „und das war kein kurzes Kapitel, sondern ein ganzer Abschnitt Gemeindegeschichte“, sagte Eitelhuber an seinen Vorgänger gerichtet. Während seiner Amtszeit sei viel bewegt worden. „Du hast Verantwortung übernommen, Projekte begleitet, Entscheidungen vorbereitet und unsere Gemeinde durch gute, aber auch durch herausfordernde Zeiten geführt.“ Auch er selbst habe Gamisch einiges zu verdanken und viel von ihm gelernt. Ein Ratschlag sei dabei besonders hängen geblieben: „Bei Terminen immer einen Parkplatz so auswählen, damit man im besten Fall ohne großes Aufsehen verschwinden kann“, sagte Eitelhuber und sorgte damit für einen der humorvollsten Momente des Abends. Als Ausdruck des Dankes und der Anerkennung für sein jahrelanges Wirken habe der Gemeinderat beschlossen, Gamisch den Titel des Altbürgermeisters zu verleihen. „Dieser Titel sagt: Dieses Wirken bleibt sichtbar, es gehört zur Geschichte unserer Gemeinde“, sagte Eitelhuber abschließend und überreichte ihm die Urkunde.

    Katja Staps war nicht nur als Günter Gamisch‘ Ehefrau zu seiner Abschiedsfeier gekommen. So ließ sie auch als Bürgermeisterin der Partnergemeinde Bodelwitz in Thüringen die gemeinsame Arbeit Revue passieren.
    Katja Staps war nicht nur als Günter Gamisch‘ Ehefrau zu seiner Abschiedsfeier gekommen. So ließ sie auch als Bürgermeisterin der Partnergemeinde Bodelwitz in Thüringen die gemeinsame Arbeit Revue passieren. Foto: Katrin Kretzmann

    Überraschungsgäste verabschieden Altbürgermeister und Gemeinderäte in Ehekirchen

    „Ich war wirklich überwältigt, als ich hier reingekommen bin, und all die lieben Menschen gesehen habe“, sagte Gamisch. Besonders freute er sich auch über einige Überraschungsgäste wie etwa seinen Sohn Marcel, der extra aus Spanien gekommen war. Der frisch gebackene Altbürgermeister richtete seinen Dank nicht nur an die Mitarbeiter des Rathauses, des Bauhofs oder an die Feuerwehr für die jahrelange und gute Zusammenarbeit. Er dankte auch den scheidenden Gemeinderäten sowie Maria Lang, Thomas Bednarz, Otto Plath und Thomas Braun, die ihn in den 18 Jahren seiner Amtszeit als Bürgermeister vertreten hatten. Mit Christian Eitelhuber habe Ehekirchen einen guten neuen Bürgermeister. „Und es muss mal ein neuer Wind rein und nach 18 Jahren ist dieser Stabwechsel jetzt gut gewesen“, sagte Gamisch. Sein Rentnerdasein, das vor allem aus Wandern und gemeinsamer Zeit mit Familie und Freunden besteht, genieße er sehr. „Es ist ein anderes Leben, aber es macht wirklich Spaß.“

    Vize-Rathauschef Thomas Braun erinnerte in seiner Ansprache an den 1. Mai 2008 und damit an Gamischs ersten Tag als neuer Bürgermeister. „Während er und der ebenfalls neu gewählte Landrat Roland Weigert beim Maibaum-Aufstellen waren, fuhren wir auf der Wallertshofener Straße entlang.“ Wo sich damals noch satte, grüne Wiesen, landwirtschaftliche Flächen und ein teilweise genutztes Industriegelände befanden, sehe man heute unter anderem die großen Hallen des komplett verkauften Gewerbegebiets und eine neue Kläranlage. „Ich habe mir diese Gemeinde-Ecke ausgesucht, weil hier besonders deutlich wird, was unser scheidender Bürgermeister mit seinen Gemeinderäten und der Verwaltung auf die Beine gestellt hat.“ Was Braun zudem besonders fasziniert habe, war, wie unermüdlich Gamisch alle Bauwilligen in der Gemeinde immer unterstützt habe.

    „Ein Gemeinderat steht nicht immer im Rampenlicht. Aber hier werden die wesentlichen Entscheidungen getroffen, hier wird diskutiert, abgewogen und beschlossen“, sagte Eitelhuber. Hier zeige sich, ob eine Gemeinde gemeinsam vorankommt. So dankte er Veronika Fischer und Christoph Böhm für sechs Jahre Engagement und Verantwortung im Gremium, Tobias Buchart für zwölf, Thomas Bednarz für 18 Jahre, sechs davon als Vizebürgermeister, sowie Josef Herrmann und Otto Plath, der zuletzt Dritter Bürgermeister war, für jeweils 24 Jahre. Besonders hob er den Verdienst von Paul Kammerer hervor, der ganze 36 Jahre Teil des Gremiums war. „Du warst länger im Gemeinderat, als der neue Bürgermeister alt ist“, sagte Eitelhuber. Sie alle erhielten ein Präsent sowie eine Urkunde und durften sich im Goldenen Buch der Gemeinde verewigen. Für seine Arbeit im Gemeinderat dankte der Bürgermeister auch Michael Funk, der aber nicht an der Feier teilnehmen konnte.

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