Gemeinderäte, deren Namen weit über die Grenzen des Ortes hinaus bekannt sind, gibt es im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen allenfalls eine Handvoll. Sie gelten als bunte Hunde oder Tausendsassas, treffen von Aresing bis Rennertshofen fast ausschließlich auf offene Türen und stets freundlich lächelnde Gesichter. Wenn nun einer von ihnen der Kommunalpolitik „Servus“ sagt, dann wird die dabei entstehende Lücke erst mit einem entsprechenden zeitlichen Abstand sichtbar. Denn jemand, ohne den es bislang scheinbar nie gegangen wäre, fehlt plötzlich. Wie in Burgheim nun eben Hans Dußmann.
Hans Dußmann will nach 32 Jahren im Marktgemeinderat die Jungen ranlassen
Dabei hätte „der Hans“ nach Meinung vieler Weggefährten locker noch eine Periode dranhängen können, schließlich wird er im November ja „erst“ 70 Jahre jung. „Doch irgendwann ist es auch für mich genug. Die Jungen sollen jetzt ran“, sagt Dußmann entspannt im Sessel seines Wohnhauses an der Lerchenstraße sitzend. Seit 1994, also satte 32 Jahre, gehörte er bis zum 30. April dem Marktgemeinderat an, anfangs als Nachrücker für den verstorbenen Ruppert Tyroller, dann von 1996 bis 2002 als Dritter und schließlich von 2002 bis 2014 sogar als Zweiter Bürgermeister. Als er 1996 seinen Hut als Bürgermeisterkandidat gegen den späteren Amtsinhaber Albin Kaufmann (Freie Wähler) und Georg Neubauer (CSU) in den Ring warf, da holte er gleich 22 Prozent der Stimmen – mehr als bloß ein Achtungserfolg für einen SPDler in der tiefschwarzen bayerischen Provinz.
„Ich weiß schon, dass ich als Sozi hierzulande mittlerweile zu einer aussterbenden Spezies gehöre“, lacht Dußmann verschmitzt. „Ich bin halt eine Art Dinosaurier. Wenn das so weitergeht, gibt es uns bald nicht mehr.“ Dabei habe er seine Parteizugehörigkeit nie als ideologischen Auftrag verstanden. „Mir ging es immer nur um die Menschen und um soziale Gerechtigkeit“, stellt er klar. Parteien spielen nach seiner Beobachtung in der Burgheimer Kommunalpolitik sowieso nie eine große Rolle. Trotz mancher Entscheidungen in Berlin, die die Geduld des Genossen bis an die Schmerzgrenze strapazieren würden, trage er das rote Parteibuch nach wie vor mit Stolz, gibt er zu verstehen. Dennoch mahnt Hans Dußmann, dass „seine“ SPD längst den Nimbus der Arbeiterpartei und des Anwalts der kleinen Leute verloren habe.
„Eingefangen“ hatten den gebürtigen Gansheimer einst der ehemalige Gemeinderat Lorenz Reißner und – wie so viele andere auch – Michael Kettner, der legendäre „Motor“ der SPD in Stadt und Land. Einen allseits beliebten „Macher“ wie den Polizeibeamten Dußmann, der wegen der Liebe zu seiner späteren Frau Margit („Wir haben uns beim Tanzen in Bayerdilling kennengelernt“) nach Burgheim gekommen war, konnten sie allemal gut gebrauchen. Denn der Mann, der von 1975 an bei der Polizeiinspektion Neuburg seinen Dienst tat und 2016 als Hauptkommissar in den Ruhestand verabschiedet wurde, saß zwischen 1996 und 2020 sogar noch 24 Jahre lang im Kreistag und bekleidete dort die Funktion des Sportreferenten. Das hatte seinen guten Grund: Hans Dußmann war schon immer ein leidenschaftlicher Fußballer, zunächst in Gansheim, dann drei Jahre lang als Spielertrainer beim FC Illdorf und schließlich als Funktionär beim TSV Burgheim. Dass er dort seit 2018 das Amt des Vorstandssprechers beim 550 Mitglieder zählenden Verein sowie die Funktion eines Abteilungsleiters der Stockschützen ausübt, passt in sein sportliches Portfolio und weckt natürlich Begehrlichkeiten bei anderen, die sein organisatorisches Know-how ab sofort schmerzlich vermissen werden.
Hans Dußmann wollte als Kommunalpolitiker eigentlich nie im Mittelpunkt stehen
„Eigentlich war ich nie der Typ, der um jeden Preis im Mittelpunkt stehen muss“, räumt „der Hans“ ein, und wundert sich im selben Atemzug schon ein wenig über diese Aussage. Denn genau das schien irgendwie unverrückbar zur Stellenbeschreibung seiner außergewöhnlichen kommunalpolitischen Karriere zu gehören. Aber Dußmann wirkt auch heute beim TSV Burgheim noch viel lieber im Hintergrund, gibt Denkanstöße, arbeitet gerne im Team, hilft spontan, wenn Not am Mann oder der Frau ist, und freut sich über die Ergebnisse.
Fortan blickt er mit der gebotenen Distanz auf seine Nachfolgerinnen und Nachfolger im Marktgemeinderat. Aus der Welt sei man jedoch nicht, spätestens, wenn es mal wieder um einen Zuschussantrag für den Sportverein geht. Dem neuen CSU-Bürgermeister Alexander Brot (“Ich schätze seine verbindende Art“) drückt der „Sozi“ alle Daumen, schließlich geht es ja um nichts weniger als die Zukunft „seines“ Burgheim. Dass der Horizont nun automatisch enger wird und sich immer mehr auf die Familie, seine vier Kinder und fünf Enkel eingrenzt, bedrückt Hans Dußmann dabei keineswegs. „Vor allem die Kleinen halten meine Frau und mich noch ganz schön auf Trab“, erzählt er und wirkt dabei wie ein rundum zufriedener Austragler.
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