Manching: "Geld gegen Gold": Wie Manching seinen Goldschatz zurückbekommen will
Manching
"Geld gegen Gold": Wie Manching seinen Goldschatz zurückbekommen will
Mitten in der Nacht haben Unbekannte im November 2022 den Manchinger Goldschatz geklaut. Der Träger will nun die Täter mit Geld locken. Woher das kommen soll.
Der größte keltische Goldfund des 20. Jahrhunderts wurde im November 2022 gestohlen. Von den Tätern fehlt immer noch jede Spur.Foto: Frank Mächler, dpa
Knapp 4000 Besucherinnen und Besucher haben vor zwei Wochen ein großes Fest am Kelten-Römer-Museum in Manching gefeiert, vor allem viele Familien waren gekommen. 60 historische Darstellerinnen und Darsteller ließen die Zeit von vor 2000 Jahren wieder lebendig werden, römische Legionäre marschierten auf und wer wollte, konnte sich beim Bogenschießen ausprobieren. "Es war ein super Fest", sagt Museumsleiter Tobias Esch. Und ein Fest, bei dem man fast vergessen konnte, dass das vergangene Jahr für das Römer-Kelten-Museum alles andere als super war.
Aus dieser Bodenvitrine im Kelten-Römer-Museum in Manching sind 483 Goldmünzen aus der Keltenzeit geraubt worden. Das Areal um die Vitrine ist aktuell noch immer gesperrt.Foto: Luzia Grasser
Der Goldschatz von Manching wurde am 22. November 2022 gestohlen
Denn in der Nacht auf den 22. November vergangenen Jahres wurde sein wertvollstes Exponat, ein Goldschatz mit 483 Münzen aus der Keltenzeit, gestohlen. In einem filmreifen Coup haben die Täter zunächst Tausende von Einwohnerinnen und Einwohnern von der Internet- und Telefonverbindung abgetrennt, damit auch die Alarmanlage außer Gefecht gesetzt und sind dann binnen Minuten mit dem Gold verschwunden. Der Diebstahl wurde erst Stunden später, am Vormittag, entdeckt. Seitdem fehlt wohl von den Tätern als auch von dem Gold jede Spur.
Die Dauerausstellung des Kelten-Römer-Museums in Manching hat seit Mai 2023 wieder geöffnet. Nach dem Diebstahl des Goldschatzes war das Museum geschlossen.Foto: Peter Kneffel, dpa
Die Hoffnung, den Goldschatz jemals wiederzubekommen, haben die Manchinger allerdings noch nicht aufgegeben. Jetzt versucht der Zweckverband, der Träger des Museums ist und dem unter anderem der Markt Manching angehört, die Täter mit einem Lösegeld zur Herausgabe der Münzen zu locken. Die Gremiumsmitglieder können sich jedenfalls Verhandlungen mit den Dieben vorstellen. Was sie sich hingegen definitiv nicht vorstellen können: Dass für den Tausch "Gold gegen Geld" Steuergelder verwendet werden. Stattdessen sollte im Fall der Fälle nur Geld aus privatem Vermögen ausbezahlt werden, zum Beispiel durch Spenden eines Kunstliebhabers. Das hat der Zweckverband in einem Schreiben bekannt gegeben.
Sind die Münzen aus Manching bereits eingeschmolzen worden?
Allerdings steht aktuell nicht fest, ob die Münzen überhaupt noch in ihrer ursprünglichen Form existieren oder ob sie nicht längst eingeschmolzen und zu Geld gemacht worden sind. Der reine Materialwert beläuft sich auf rund eine Viertelmillion Euro, der historische Wert liegt allerdings deutlich höher. Nach dem Einbruch sprach der Direktor der Archäologischen Sammlung München von einem Handelswert von 1,6 Millionen Euro. Bereits kurz nach der Tat war eine Belohnung für relevante Hinweise ausgelobt worden, diese liegt bei 20.000 Euro.
Die Ermittlungen beim Landeskriminalamt (LKA) in München gehen derweil weiter, wenn auch bislang ohne nennenswerte Ergebnisse, wie Sprecher Fabian Puchelt berichtet. Videoaufzeichnungen gibt es nicht, auf den Kameras war nichts zu sehen gewesen. Das LKA hatte die Überwachungsanlage als "total veraltetes System" bezeichnet. Nach dem Einbruch war das ganze Areal rund ums Museum abgesucht worden, in einem nahen Weiher hatte man dann auch tatsächlich Brecheisen gefunden. Das Gutachten zur Frage, ob die Gegenstände im Kontext der Tat stehen, sei zwar fertig, erklärt Puchelt, Details könne er allerdings noch nicht nennen. Als sehr unwahrscheinlich gilt inzwischen, dass die Tat auf kriminelle Clans zurückzuführen ist, wie es beispielsweise beim Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden der Fall war. Der Diebstahl in Manching sei "untypisch", sagt Puchelt.
Das Besucherinteresse in Manching ist wieder da
Während die Ermittlerinnen und Ermittler in München die Spuren auswerten, geht Tobias Esch seiner Arbeit als Museumsdirektor nach. "So langsam sind wir wieder in unserem Alltag angekommen", sagt er. Die Dauerausstellung war nach dem Einbruch geschlossen worden und hat seit Anfang Mai wieder geöffnet, Anfang Juni begann die neue Sonderausstellung "Antike in Bayern". Das Interesse von Schulen sei aktuell besonders groß, "im Juli sind wir komplett ausgebucht".
Doch dort, wo einst die fast 500 Münzen in einer Bodenvitrine zu bestaunen waren, ist aktuell – nichts. Der Bereich bleibt abgesperrt. Als Zwischenlösung soll dort irgendwann ein Foto des Goldschatzes zu sehen sein. Eines steht für Tobias Esch jedenfalls fest: Auch wenn der Schatz nicht mehr auftauchen sollte, "muss er weiterhin im Museum thematisiert werden". Das Besucherinteresse ist inzwischen wieder da, und immer mal wieder tauchen Fragen nach dem Schatz auf. Einige der Besucherinnen und Besucher, vermutet Esch, seien womöglich erst wegen des Golddiebstahls auf das Museum aufmerksam geworden. Esch: "Das ist ein positiver Nebeneffekt, auf den ich gerne verzichtet hätte."