Mit einem großen Geheft an Informationen, Daten und Zahlen rund um das geplante Paketzentrum werden die Weicheringer Gemeinderäte in die Sommerpause geschickt. Ihre Aufgabe ist es nun, sich den aktuellen Stand der Bauleitplanung anzusehen, um entscheiden zu können, ob das Verfahren auf dieser Grundlage weitergeführt werden soll.
Einen ersten Einblick in die Unterlagen hat das Gremium am Montag erhalten. Landschaftsarchitekt Alois Rieder, der das Paketzentrum im Auftrag der Deutschen Post plant, erklärte die wesentlichen Eckpunkte des aktualisierten Plans. Das interessierte auch eine Reihe von Bürgerinnen und Bürgern. Rund 50 Zuhörer, überwiegend aus Weichering und Maxweiler, waren aus diesem Grund in die Sitzung gekommen.
Zwei wesentliche Änderungen haben sich seit der letzten Version vom Mai 2022 ergeben. Erstens: Der Radweg führt nun nicht mehr entlang der Bahngleise nördlich am Paketzentrum vorbei, sondern biegt – von Maxweiler kommend – in Richtung Paketzentrum ab und wird entlang der Kreisstraße weitergeführt. Grund dafür ist, dass der ursprüngliche Streckenverlauf ein Grundstück der Bahn gekreuzt hätte. Dieses zu erwerben, wäre mutmaßlich eine zähe Verhandlungssache mit ungewissem Ausgang geworden. "Wir müssen erstmal so planen, wie es aktuell möglich ist", sagte Bürgermeister Thomas Mack auf den Einwand von Hans-Jürgen Steinherr, der die neue Variante risikoreicher für Radfahrer empfindet.
Für das Paketzentrum Weichering wird die Kreisstraße ND18 auf Kosten der DHL verlegt
Die zweite Änderung betrifft den Verlauf der Kreisstraße ND18, die auf Kosten der DHL verlegt und verbreitert wird und auf Höhe des Biberwegs an die bestehende Straße anschließt. Im Zuge des Neubaus soll die S-Kurve im Waldstück begradigt werden, wie Rieder erklärte.
Darüber hinaus gibt es einige Neuerungen, die ebenfalls in die aktuelle Planung mit eingeflossen sind. Um die Verkehrsgeräusche für die Maxweilerer zu minimieren, wird die Vorfahrtsregelung nach der Brücke geändert. Autos und Lastwagen, die von der B16 kommen, müssen nicht mehr anhalten, sondern können in einem Zug Richtung Paketzentrum durchfahren. Darüber hinaus wird offenporiger Asphalt (Flüsterasphalt) verlegt und die Geschwindigkeit zwischen Brücke und Paketzentrum auf 70 bzw. 60 km/h begrenzt.
Neu ist auch der Standort für die geplante Bushaltestelle, wodurch eigene Ein- und Ausfädelspuren für Busse realisiert werden können. Frachthalle und Parkhaus werden auf Wunsch des Gemeinderats nun komplett begrünt und mit Photovoltaik- oder anderen alternativen Energieanlagen bestückt. Zum Planungsentwurf gehört neuerdings auch ein Feinstaub- und Lichtgutachten. In beiden Fällen haben Untersuchungen ergeben, dass die umliegenden Häuser weder durch Staub noch durch die Beleuchtung negativ beeinträchtigt werden.
Die Lärmkulisse des Paketzentrums liegt für Maxweiler und Weichering unter dem Grenzwert
Im rechtlich "grünen Bereich" bewegen sich auch das Lärm-, Schall- und Verkehrsgutachten, das die Gemeinde Weichering auf eigene Kosten hat prüfen lassen, hieß es in der Sitzung. "Grundsätzlich weisen alle Gutachten eine hohe Plausibilität auf", sagte Gutachter Jens Hunecke, der die wesentlichen Daten nachvollzogen habe. Alle Grenzwerte nach dem Immissionsschutzgesetz würden eingehalten, und zwar basierend auf der höchstmöglichen Verkehrsfrequenz von 1295 Lkws. Dementsprechend sei die Lärmbelastung an durchschnittlichen Arbeitstagen mit im Schnitt 700 bis 800 Lastwagen "deutlich unter" den zulässigen Werten.
Neu ist auch die Optik der großen Logistikhalle. "Hier weicht die Post erstmals überhaupt von ihrem firmeneigenen Branding ab", sagte Rieder. Anstatt "quietschgelb" erhält die Fassade eine Farbgebung in Camouflage, damit sich das Gebäude optisch besser in die Umgebung einfügt. Die Hälfte aller Lärmschutzwände muss darüber hinaus begrünt werden. Auf Anregung von Hans-Jürgen Steinherr soll im nördlichen Bereich das Betriebsgelände nicht nur durch einen Zaun, sondern zusätzlich durch Pflanzen abgegrenzt werden, um einen besseren Sicht- und Blendschutz zu bewirken.
Nachfragen seitens der Gemeinderäte gab es unter anderem von Andrea Appel-Fischer. Sie wollte wissen, mit welchem Löschmittel die Löschtanks auf dem Betriebsgelände gefüllt sind, nachdem in der Bevölkerung vermutet wurde, dass dort PFC-haltiger Löschschaum eingesetzt wird. Dies dementierte Rieder, die Tanks würden mit Wasser gefüllt. Auch eine andere Mutmaßung konnte entkräftet werden, wonach die DHL das Logistikzentrum eines Tages an Amazon verkaufen würde und Weichering dann einen umstrittenen Arbeitgeber hätte. Dies sei ohne Zustimmung des Gemeinderats allerdings nicht möglich, hieß es seitens der Experten.
Einwände gegen das Paketzentrum in Weichering werden am 21. September im Gasthaus Vogelsang behandelt
Stefan Appel sorgt sich unter anderem um den Verkehr, der durch das Paketzentrum zusätzlich auf der B16 entsteht. Die damit verbundene Geräuschkulisse muss die DHL aber nur maximal 500 Meter um das Paketzentrum durch entsprechende Lärmschutzwände regulieren. Nach Meinung von Appel ist das zu wenig, Lärmschutzmaßnahmen darüber hinaus müsste die Gemeinde selbst planen und aus eigener Tasche bezahlen. Die vorgeschriebenen Lärmschutzwände müssen übrigens stehen, bevor die DHL den Betrieb aufnimmt. 26 Monate reine Bauzeit sind für die Gebäude angesetzt, danach folgt die technische Ausstattung der Logistikhalle. Bauarbeiten während der Nachtstunden seien nicht vorgesehen, hieß es in der Sitzung.
Bis zum 21. September haben die Gemeinderäte nun Zeit, sich mit den Unterlagen intensiv auseinanderzusetzen. An diesem Donnerstag werden dann in öffentlicher Sitzung im Gasthaus Vogelsang (Uhrzeit steht noch nicht fest) alle Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange behandelt. Zwölf Institutionen haben sich zu dem Vorhaben geäußert – von der IHK über den Landesbund für Vogelschutz und dem Landratsamt bis hin zur Regierung von Oberbayern, dem Staatlichen Bauamt und den Städten Neuburg und Ingolstadt. Darüber hinaus gibt es 14 Einwendungen von Privatpersonen, wobei darunter auch eine Sammel-Stellungnahme mehrerer Bürger ist. Die privaten Einsprüche und Anmerkungen kommen ausschließlich von Bewohnern in nächster Nähe zum geplanten Paketzentrum, also aus Maxweiler, aus der Weingasse, dem Biberweg und dem westlichen Ortsrand von Weichering.