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Podiumsdiskussion: „Der Glaube Jesu eint uns“

Podiumsdiskussion

„Der Glaube Jesu eint uns“

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    Dekan Konrad Bayerle (links) moderierte die Podiumsdiskussion in der ehemaligen Synagoge Hainsfarth, an der Pfarrerin Barbara Eberhard, Rabbiner Dr. Henry Brandt (Mitte) und Prof. Dr. Hanspeter Heinz teilnahmen. Dazu eingeladen hatte der Freundeskreis der ehemaligen Synagoge Hainsfarth in Zusammenarbeit mit dem evangelischen und dem katholischen Bildungswerk Donau-Ries.
    Dekan Konrad Bayerle (links) moderierte die Podiumsdiskussion in der ehemaligen Synagoge Hainsfarth, an der Pfarrerin Barbara Eberhard, Rabbiner Dr. Henry Brandt (Mitte) und Prof. Dr. Hanspeter Heinz teilnahmen. Dazu eingeladen hatte der Freundeskreis der ehemaligen Synagoge Hainsfarth in Zusammenarbeit mit dem evangelischen und dem katholischen Bildungswerk Donau-Ries. Foto: heja

    Hainsfarth „Um Gottes Willen miteinander verbunden“ – diesen schönen Titel trug die Podiumsdiskussion in der ehemaligen Synagoge Hainsfarth zum Verhältnis zwischen Juden und Christen. Im Rahmen der Rieser Kulturtage hatte dazu der Freundeskreis der Synagoge Hainsfarth in Zusammenarbeit mit dem evangelischen und dem katholischen Bildungswerk Donau-Ries drei hochkarätige Diskutanten eingeladen: Dr. Henry Brandt aus Augsburg (Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg und Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz), Pfarrerin Barbara Eberhard (Theologische Referentin von „Begegnung von Christen und Juden in Bayern“) und den katholischen Theologen Prof. Dr. Hanspeter Heinz (Mitglied des Senats der Universität Augsburg). Moderiert wurde die Diskussion von Dekan Konrad Bayerle (Dekanat Weißenburg-Wemding).

    Die Kirchen der Welt aufgeschreckt

    Sigi Atzmon, Freundeskreisvorsitzende, erinnerte in ihrer Begrüßung an die „fast 2000-jährige blutige Entzweiungsgeschichte“ zwischen Juden und Christen. Erst das „Grauen von Auschwitz“ habe die Kirchen der Welt aufgeschreckt und hier ein Umdenken eingeleitet. Die verschiedenen Gottesbilder, die Rolle Jesus Christi, die Frage der Judenmission oder der vermeintlichen Schuld der Juden an dessen Kreuzigung - das waren die Themen in Hainsfarth, an denen dieses Umdenken festgemacht wurde. Musikalisch gestaltete den Abend die Reimlinger Gruppe „amici musicae“.

    „Der Glaube Jesu eint uns, der Glaube an Jesus trennt uns.“ Auf diese Formel brachte zunächst Dr. Henry Brandt das Verhältnis zwischen Juden und Christen. „Für mich ist Jesus ein Bruder im Glauben, aber da hört die Meinung der Juden über Jesus auch schon auf.“

    Zutiefst unjüdisch

    Zutiefst unjüdisch sei die Aussage Jesu „keiner kommt zum Vater denn durch mich“. Jeder Mensch, gab Brandt die jüdische Auffassung wider, habe eine direkte Ansprache zum alleinigen Gott. Ob Brandt dann die Dreifaltigkeit als Götzendienst sehe, wollte Dekan Bayerle wissen. „Manche Juden würden das schon“, antwortete dieser. Aber: „Man kann die Trinität auch als Gottesaspekte sehen.“ Für die Juden auf jeden Fall sei es unmöglich Gott, dem „Allumfassenden etwas hinzuzufügen“. Pfarrerin Eberhard entgegnete hierauf, dass auch Christen den einen Gott bekennen würden, ihn aber „in drei Personen sehen“. Jesus sei kein separater Gott. Und: „Ich erkenne Gott durch Jesus Christus.“

    Die Rolle der Römer „schöngefärbt“

    Wie ein roter Faden durch die Geschichte der Judenverfolgung zog sich der Vorwurf der Christen, Juden seien „Gottesmörder“. Historisch argumentiert, ist dies vollkommen unmöglich, stellte Pfarrerin Eberhard klar: „Die Juden hatten schlichtweg nicht die Möglichkeit jemanden zu kreuzigen.“ Dieses Wissen komme auch im Glaubensbekenntnis zum Ausdruck. Weiterhin verweise die Passion auf die eigene (menschliche) Schuld. Professor Heinz wies darauf hin, dass es zur Zeit der Entstehung des Neuen Testamentes ratsam gewesen sei, die Rolle der Römer „schön zu färben“.

    Unbarmherziger Statthalter

    Rabbiner Brandt ergänzte: „Aus der römischen Geschichte ist bekannt, dass Pontius Pilatus einer der unbarmherzigsten römischen Statthalter war.“

    Außerdem: Selbst wenn Juden in irgendeiner Weise schuld gewesen seien am Tod Jesu Christi, („es gibt gute und miese Juden“) dann sei diese Schuld nicht vererbbar: „In der Bibel steht ja, dass die Sünden der Väter nicht die der Söhne seien.“ Das sei auch für die deutsche Geschichte eine wichtige Aussage, so Brandt. Und: „Jesus selbst hat dazu aufgerufen, zu vergeben.“ Vollkommen einig war sich die Runde dann in der klaren Absage an die Judenmission: „Einzig, wenn man seinen Glauben so überzeugend lebt und dann danach gefragt wird, dann kann man Mission nicht ablehnen“, meinte Rabbiner Brandt dazu. Grundlegend geändert hat sich auch die Sichtweise von katholischer und evangelischer Kirche auf die „Erwählung“ des Volks Israel: Sowohl die evangelische als auch die katholische Sichtweise erkenne an, dass Gott den alten Bund mit Israel nicht aufgekündigt habe: „Gott ist treu und das Volk Israel ist bleibend erwählt“, so die Pfarrerin und Heinz sagte: „Sein Jawort zum Sinai-Bund hat Gott nie aufgehoben.“ Allerdings, fügte er kritisch hinzu, sei diese Sichtweise bei Papst Benedikt XVI. nicht mehr so ganz klar. Der sage dazu „eindeutig Jein“. In dieselbe Richtung weise auch die vom jetzigen Papst revidierte Karfreitagsfürbitte für die Juden.

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