Die Ankündigung klang vielversprechend, das zugehörige Foto - das aber leider nicht aus dem Kartäusertal stammte - versprach Erhellendes über einen vermeintlichen Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen. Das Interesse der Rieser Archäologie-Freunde war riesig: Der große Saal im Kloster Maihingen war proppenvoll und es mussten zusätzliche Stühle vom Team des Museums Kulturland Ries herbeigeschafft werden. Konstantin Kárpáthy war vor Jahren so etwas wie ein Social-Media-Star der Archäologie, betrieb einen YouTube-Kanal und einen eigenen Podcast zum Thema: „Ausgegraben“. In Maihingen hat er nun seine Doktorarbeit (die nach seiner Aussage noch nicht publiziert ist) zum Thema „Das Kartäusertal bei Christgarten - ein Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen“ präsentiert. Gleich zu Beginn stellte sich heraus, wie schwierig Schlachtfeld-Archäologie im Allgemeinen und tiefergehende Forschungen im Kartäusertal im Besonderen sind.
Denn, so Kárpáthy, „es könnte ja grundsätzlich gegraben werden, die Bewaldung und fehlende Bebauung konservierten zwar den Zustand, doch nur Grabungen würden tatsächlich belegbare Ergebnisse bringen, die aber alleine mit Sonden-Funden nicht möglich sind.“ So musste sich der Forscher mit kleinteiligen Erklärungen anhand von Karten bei den mutmaßlichen Befestigungen Weiherberg, Hirschlache, Mühlbergschanze und Hagburg mehr oder weniger zufrieden geben. Was aber genau hinter den Befestigungsanlagen steckt, wer was und warum gebaut hat, zu welchem Zweck und zu welcher Zeit, das bleibt leider im Ungewissen. Mehr als einmal fielen Aussagen wie „Irgendwas muss gewesen sein …“.
Jens Essig: Schlacht am Lechfeld fand im Ries statt
Kárpáthy bezog sich meist auf die Grabungen von Ernst Frickhinger vor 90 Jahren und bedauerte, dass man nicht in die Tiefe gehen könne und auf Sondengeher und deren Funde angewiesen sei. Er sprach über das Phänomen der Ungarnburgen und konnte sich nur auf die wenigen tatsächlichen Funde, wie ein Kettenhemd-Fragment und zahlreiche Pfeilspitzen „verlassen“. Erst gegen Schluss seiner Ausführungen und anhand zahlreicher Fragen aus dem fachkundigen Publikum wurde klarer, worauf seine Forschungen im Kartäusertal zielten. Es ging um die Behauptungen von Jens Essig, der bewiesen haben will, dass die berühmte Schlacht am Lechfeld (955 nach Christus) nicht bei Augsburg, sondern im Ries stattfand.
Zumindest da war sich Kárpáthy relativ sicher: „Die Befestigungen im Kartäusertal sind gigantische bronzezeitliche Anlagen.“ Das wäre immerhin mindestens 900 Jahre vor Christi Geburt und nicht 900 Jahre danach. Doch unwiderlegbare Beweise für diese These konnte der Referent nicht vorlegen.
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