Anschmiegsam und gefühlvoll, erotisch aber nicht verrucht, rundum sympathisch - einfach erstklassig klingt die Stimme der Bandleaderin, Songschreiberin und Sängerin Lisa Wahlandt, die zusammen mit ihren Trio-Partnern Andrea Hermenau (Piano/Vocals) und Sven Faller am Kontrabass den leider nicht ganz ausverkauften Konzertstadl bezauberte. Wahlandt verbindet bayrisch mit Jazz, liebt es, Geschichten in Songs zu erzählen und schlägt quer über Genre- und Stilgrenzen hinweg einen Bogen von Bayern zu Jazz, zu afrikanischen Grooves mit Bossa Nova und Pop.
Mit ihrem unaufgeregten Sound fernab jeglicher Klischees hatte sie das Publikum in Reimlingen sofort auf ihrer Seite. Aus Steve Millers „Abracadabra“, einem eher seichten Popsong, machte sie gleich zu Beginn ein impulsives Jazzstück, um dann mit einem Blues-Standard eine weitere Wegmarke zu setzen: „Nobody Knows When You’re Down And Out“. Die innige intensive Verbundenheit mit Andrea Hermenau, zweier wunderbar harmonierender Stimmen plus sanft darüber fliegendem Klavier, zeigt sich auch in den niederbayrischen Dialekt-Jazz-Songs, zum Beispiel einem „Liebeslied zum Händchenhalten“, zu dem das Publikum dann auch aufgefordert wurde.
Von portugiesisch bis bayrisch: Das Lisa Wahlandt-Trio in Reimlingen
Überhaupt, die Moderation des gesamten Trios, das sich konsequent mit Nachnamen anspricht: mal humorig, mal ernsthaft, niemals platt. Der Gesang in vielen Sprachen: bayrisch, deutsch, englisch, italienisch, portugiesisch. Wie zum Beispiel „Tu Vuo’ Fa’ L’Americano“ (Italienisch/englisch), „Sina“ (portugiesisch), um dann mit einem herrlichen dahin gehauchten „Throw It Away“ und Bruno Mars’ „Count On Me“ das Publikum mit „Englishman in New York“ in die Pause zu verabschieden.
Danach ging’s „So schee“ und mit „Der Wunsch“ mit Eigenkompositionen niederbayrisch weiter, plus „Bavarian Zweigsang meets brasilian Samba“. Wobei nicht nur Lisa Wahlandt, sondern auch die Mitmusiker während des gesamten Konzertes mit gelungenen Improvisationen glänzten. Sogar eine Volksweise über Alt-Münchner Straßensänger, die wunderbar nostalgische „Giesinger Mondschein-Serenade“, hatte das Trio ausgegraben. Nach Hubert Kah’s „Sternenhimmel“ war Schluss: Zwei Songs gab’s für das euphorisierte Publikum obendrauf, ganz zum Schluss eine Boss Nova-Version von „I Will Survive“. Alles hatten die Drei drauf: Pop, Bossa Nova, Jazz, deutschsprachiges Liedgut und spannende Eigenkompositionen - alles fügte sich auf nonchalante Art zu einem musikalischen Wohlfühl-Erlebnis. Klasse! (AZ)
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