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Nördlingen: "Jackpot" Nördlingen: Johannes Moosdiele-Hitzler tritt das Sponsel-Erbe an

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"Jackpot" Nördlingen: Johannes Moosdiele-Hitzler tritt das Sponsel-Erbe an

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    Er bezeichnet Nördlingen als "Jackpot": Der neue Stadtarchivar Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler ist bereits seit vier Wochen am Weinmarkt tätig.
    Er bezeichnet Nördlingen als "Jackpot": Der neue Stadtarchivar Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler ist bereits seit vier Wochen am Weinmarkt tätig. Foto: Dominik Durner

    Das Stadtarchiv in Nördlingen zu finden ist so eine Sache für sich. Vom Daniel aus am Weinmarkt ums Eck, wo man sie erst erblickt, die unscheinbare Tür, die Zutritt gewährt zu den Annalen der ehemaligen freien Reichsstadt. Quietschend geht sie auf, und im Dunkel des Ganges steht ein hochgewachsener Mann, Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler. Vor vier Wochen hat er seine Tätigkeit als neuer Stadtarchivar und Nachfolger von Dr. Wilfried Sponsel aufgenommen – und seine Agenda ist bereits jetzt schon ziemlich voll.

    Bei den schieren Mengen an Archivalien ist der neue Stadtarchivar noch nicht ganz trittfest, wo er was findet, "aber ungefähr kenne ich mich zumindest schon aus". Für das Gespräch lotst er durch einen Irrgarten aus Schränken, gefüllt mit Souvenirs aus längst vergangenen Welten. Dann bedankt er sich freundlich für das Zeitnehmen und lehnt sich leger an einen abgegriffenen Tisch.

    Der Historiker und Nördlingen, das passt wie die Faust aufs Auge, Moosdiele-Hitzler bezeichnet es als "Jackpot". Man hört dem "Juniorchef", wie er im Archiv gerufen wird, gerne zu, er hat einen sanften, ruhigen Duktus. Hin und wieder baut er bei den Ausführungen ein Crescendo auf, begleitet von pointierter Gestik. Vielleicht hat er das im Studium gelernt, dieses In-den-Bann-Ziehen – für die zukünftigen Vorträge, die er qua Amt halten wird, ist das sicherlich kein Nachteil.

    Durch Zufall kam Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler auf den Archiv-Geschmack

    1984 geboren und in Bächingen an der Brenz aufgewachsen, studierte Moosdiele-Hitzler nach dem Abitur in Lauingen ab 2004 in Augsburg Gymnasiallehramt, er belegte die Fächer Geschichte, Germanistik und evangelische Religionslehre. "Dann habe ich gemerkt, dass ich das Geschichtsstudium vertiefen möchte", sagt Moosdiele-Hitzler. Die evangelische Religionslehre legte er schließlich ab und schrieb in Geschichte seine Magisterarbeit, ein oder zwei Semester später folgte im Jahr 2010 das erste Staatsexamen.

    Dann hatte Moosdiele-Hitzler "Riesenglück", auf der bayerischen Archivschule in München einen Platz zu bekommen, wo er auch 2012 das zweite Staatsexamen ablegte und bis 2022 am Hauptstaatsarchiv weiterarbeitete. Denn: "Da gibt es sehr bedarfsbezogen nur alle zwei bis drei Jahre Lehrgänge, für nur eine Handvoll an Stellen", sagt Moosdiele-Hitzler mit einem Hauch Stolz, vor allem aber Demut in der Stimme.

    Vor der Fortune war der Zufall, bei Moosdiele-Hitzler nämlich beim Thema Berufswahl: Sein späterer Mentor, Professor Peter Fleischmann, fragte den damaligen Werkstudenten am Staatsarchiv Augsburg, wo dieser denn herkäme. Zu "Bächingen an der Brenz" antwortete Fleischmann: "Da haben wir ja das komplette Schlossarchiv hier, sortieren Sie das mal." Und Moosdiele-Hitzler zeigte sich fähig, die Schriften – teils aus dem 14. Jahrhundert stammend – entziffern zu können.

    Den Doppelnamen hat der neue Nördlinger Stadtarchivar von seiner Frau

    Das wiederum brachte er sich autodidaktisch im Jugendalter bei, als er ungefähr mit 14 Jahren die Kirchenbücher im Bächinger Pfarramt wälzte. Dort forschte er zu seinem Stammbaum, nachdem er auf dem Dachboden einmal Konfirmations-Denksprüche gefunden hatte, die mit Namen von alten Bächinger Familien und Jahreszahlen aus dem 19. Jahrhundert versehen waren. In diesem Alter schloss sich auch der Kreis: Der Lehrberuf war es, der ihn anzog. "Ich hatte den Eindruck: 'Die wissen einfach alles'", sagt Moosdiele-Hitzler. Er macht es sich jetzt auf einem Drehhocker gemütlich, den er unter einem Bücherberg entdeckt; der Rücken hatte vom verdrehten Anlehnen gezwickt.

    Den Doppelnamen hat der 37-Jährige übrigens von seiner Frau Josefine Hitzler. Die lernte er während seiner Zeit in Augsburg kennen, mittlerweile haben sie zwei gemeinsame Töchter, fünf und zwei Jahre alt. Und weil die den Nachnamen Hitzler tragen, entschloss sich Johannes Moosdiele, seinen eigenen "eher seltenen" Nachnamen zu erweitern.

    Erweitern wird Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler auch das Nördlinger Stadtarchiv: "Ein Archiv ist ja keine tote Masse, es gibt laufenden Zuwachs aus Aussonderungen oder Nachlässen." Ein Kernthema wird es aber sein, die Archivalien zu sortieren, verpacken und beschriften, denn in absehbarer Zeit wird das Archiv umziehen. Vielleicht kommt dann auch der Drehhocker mit in die Umzugskiste.

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