Startseite
Icon Pfeil nach unten
Nördlingen
Icon Pfeil nach unten
Nördlingen
Icon Pfeil nach unten

Nördlingen: Nördlingens Polizeichef Walter Beck geht in den Ruhestand

Nördlingen

Nördlingens Polizeichef Walter Beck geht in den Ruhestand

  • |
  • |
  • |
    Nördlingens Polizeichef Walter Beck geht zum Jahreswechsel in den Ruhestand.
    Nördlingens Polizeichef Walter Beck geht zum Jahreswechsel in den Ruhestand. Foto: Cara-Irina Wagner, Fotohaus Hirsch

    46 Jahre lang hat sich Walter Beck morgens seine Uniform angezogen und ist zum Dienst gefahren. Zuletzt ging es in die Reimlinger Straße nach Nördlingen, Beck leitete dort seit 2009 die Polizeiinspektion. Meist saß er schon früh am Schreibtisch, organisierte den Dienstbetrieb, kümmerte sich um die Kollegen, übernahm Einsatzleitungen, saß bei zahlreichen Besprechungen am Tisch. Doch bald ist damit Schluss, Walter Beck geht in den Ruhestand. Das Ries war die letzte Station seiner Karriere, die von manch einschneidendem Erlebnis geprägt war.

    Walter Becks Laufbahn startete 1977 bei der Bereitschaftspolizei in Königsbrunn. Und ganz geschmeidig lief der Start nicht. Militärischer Drill wie in einer Kaserne, Orientierungsmärsche bei schlechtem Wetter, Vier-Bett-Zimmer: So hatte sich Beck das nicht vorgestellt: "Da hab ich mich schon manches Mal gefragt, ob das das Richtige für mich ist." Doch er zog die Ausbildung durch, wollte danach wieder heim, ins Ries. Aber daraus wurde nichts.

    Walter Beck war Streifenpolizist in München

    Vielmehr bekam Beck das Kontrastprogramm zu seiner vergleichsweisen ruhigen Heimat – er landete als Streifenpolizist im Münchner Stadtteil Hasenbergl. Heute würde man sagen, dass dort damals ein sozialer Brennpunkt war. Beck erinnert sich, dass es in seiner Anfangszeit gleich mehrere große Schlägereien gegeben habe. Einmal sei er zu einem Familienstreit ausgerückt: "Kaum hab ich unten an der Tür geklingelt, kam von oben auch schon der Fernseher geflogen." Dazu kamen die Toten in den Wohnungen, die einsam gestorben waren, die keiner vermisst hatte. Diese Anonymität der Großstadt war Beck fremd. Nicht zuletzt erlebte er gleich zweimal den finalen Rettungsschuss aus nächster Nähe mit.

    Die erste Geiselnahme habe sich gerade einmal 100 Meter von der Inspektion entfernt abgespielt, erinnert sich der Polizist noch heute genau: Der Täter habe eine Frau in einem Auto gefangen gehalten und ihr ein Messer an den Hals gehalten: "Das hat schon geblutet." Damals sei das SEK im Einsatz gewesen, ein Beamter habe sich im Trachtenanzug dem Wagen genähert und den Täter erschossen. Beck ist sich noch immer absolut sicher, dass der Mann die Frau andernfalls umgebracht hätte. 

    Ein Auto ohne Boden und Auspuff

    Doch es gibt auch die lustigen Erinnerungen an die Zeit in München. Zum Beispiel die an eine besondere Verkehrskontrolle. Beck erzählt, er sei auf Streife einem Auto hinterhergefahren. Da sei ihm plötzlich aufgefallen, dass die Füße des Fahrer zu sehen waren – das Auto hatte keinen Boden mehr. Der Wagen sei angehalten worden. Und der Boden war nicht das einzige, was fehlte – auch einen Auspuff hatte das Auto nicht. 

    Sieben Jahre war Beck auf Streife in München, kannte alle Straßen der Landeshauptstadt auswendig. Dann absolvierte er ein Fachhochschulstudium mit dem Schwerpunkt Recht. Anschließend ging es wieder nach München, unter anderem als Schichtleiter ins berüchtigte Bahnhofsviertel. Beck wechselte immer wieder, er arbeitete im Münchner Polizeipräsidium, im Innenministerium, schließlich im Augsburger Polizeipräsidium. Gleich drei wichtige Gipfel begleitete er: den Weltwirtschaftsgipfel 1994 in München sowie die beiden G7-Gipfel auf Schloss Elmau. 2015 war Barack Obama mit von der Partie und Beck gerade mit einer Gruppe unterwegs, als der US-Präsident in seinem Wagen an ihm vorbeifuhr. Der Rieser wollte schnell ein Erinnerungsfoto mit seinem Handy machen. Mit einem Lachen erinnert er sich: "Da habe ich vor lauter Aufregung ein Selfie gemacht."

    Polizeichef Walter Beck: Gesellschaft hat sich verändert

    2009 ging es dann endlich wieder heim ins Ries, Beck wurde Chef der Polizeiinspektion in Nördlingen. Zu Beginn habe es eine Brandserie gegeben, zahlreiche landwirtschaftliche Anwesen seien in Flammen gestanden. Aufgeklärt werden konnten die Fälle jedoch nie. Auch bei den Zwölf Stämmen waren Beck und seine Kollegen oft im Einsatz. Der Polizei gegenüber hätten sich die Mitglieder der Sekte immer fair verhalten, betont der PI-Leiter. Für die Mütter habe er auch Verständnis gehabt: Wer wolle schon, dass man ihm sein Kind wegnehme. 

    Insgesamt sei die Welt im Ries noch in Ordnung, meint Beck. Doch die Gesellschaft, der Umgang mit der Polizei habe sich verändert. Früher habe man erst einmal ein Gespräch führen können, heute gehe es oft gleich in die Provokation. Es gebe Bürgerinnen und Bürger, die würden hinter der Polizei nur Schlechtes vermuten – das mache die Arbeit nicht gerade leichter. 

    Bei der Polizei in Nördlingen habe zuletzt ein Generationswechsel stattgefunden. Beck sagt, es habe ihm Spaß gemacht, mit so vielen jungen Leuten zusammenzuarbeiten. Doch in der Silvesternacht ist damit Schluss. Ein komisches Gefühl sei das, meint Beck, nach so vielen Jahren keine Uniform mehr anzuziehen. Schließlich habe er seinen Job immer gern gemacht. "Wenn man über 40 Jahre dabei ist, dann hängt doch das Herz bei der Polizei."

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden