Es war alles wunderbar vorbereitet, der Reimlinger Kulturstadl restlos ausverkauft, schön gestaltete Eintrittskarten, auf den Tischen Herzchen, Kerzchen und herzige Servietten. Und ein bestens aufgelegtes Ensemble, das sich aus Mitgliedern des Dramatischen Ensembles Nördlingen zusammensetzte: am Klavier Marcus Prügel, Sabine Hensold, eine erfahrene Band-Sängerin aus Augsburg, die Musicaldarstellerin Clarissa Bühler aus Nürnberg und als männlicher Gesangspart Alexander Neumeier.
Der Moderator des Abends, Gerhard Munk, legte gleich mit einem Buddha-Zitat los: „Wo Liebe ist, wird das Unmöglichste möglich.“ Es sei den Darstellern allergrößter Respekt gezollt für ihr Tun, es war ein beschwingt-abwechslungsreicher Abend, der standesgemäß mit John Paul Youngs „Love Is In the Air“ begann. „You Love Who You Love“ aus Bonnie & Clyde folgte und bei Frankie Vallis „Can’t Take My Eyes Off Of You“ wurde deutlich, wo sich das gut gemeinte Projekt etwas zu viel vorgenommen hatte. Es sollte nicht nur gesungen, sondern auch geschauspielert werden, in diesem Fall „stritten“ zwei Frauen um einen Mann, der von den beiden Damen buchstäblich hin- und hergerissen wurde.
DE-Liederabend: Das Projekt wird mitreißen
Was hier noch witzig funktionierte, war es bei einem gespielt „echten“ Streit auf der Bühne dann nicht mehr, der allein gelassene Impresario Gerhard Munk versuchte sich als Elvis-Interpret, was sekundenlang vielleicht noch funktioniert hätte, aber über die volle Distanz von „Falling in Love“ leider nicht zündete. Und spätestens bei „Me & Mrs. Jones“ wurde klar, wie anspruchsvoll es ist, mit reiner Klavierbegleitung als Nicht-Vollprofi gegen tausendmal gehörte Weltklasse-Ohrwürmer (The Rose, I Love Paris, etc.) ansingen zu können: da wird jeder Wackler in der Stimme, noch dazu mit Mikrofon, gnadenlos offengelegt. Das soll die Leistungen der Vier keineswegs schmälern, vielleicht war die Auswahl der Songs aus dem höchsten Regal etwas zu hoch gegriffen. Das Publikum war dennoch begeistert und honorierte die Arbeit der Interpreten, doch der Funke sprang erst bei Marianne Rosenbergs „Er gehört zu mir“ über. Der Anfang ist gemacht, das Projekt wird mitreißen, wenn die Performance sich nur auf Gesang fokussiert und auch Gerhard Munk nicht den Moderator „schauspielt“, sondern er selbst bleibt, er hat (wie alle anderen Interpretinnen auch) „natürlich“ nun wirklich genug Klasse! Wie zitierte Gerhard Munk treffend? „Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“ Das lässt hoffen auf eine inspirierende Fortsetzung des DE-Liebesliederabends.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren