Die Tierschutzorganisation Peta betreibt eine Kampagne gegen den Zirkus Krone, der noch bis zum 1. September in Nördlingen gastiert. Der nach eigenen Angaben weltweit größte Zirkus hat momentan auf der Kaiserwiese sein Lager aufgebaut, mit dabei: 20 Raubkatzen, rund 35 Pferde und zwölf Hunde – früher waren es noch mehr Tiere, beispielsweise auch Elefanten. Neben verschiedenen Tiernummern gehören zur Show vor allem spektakuläre Akrobatik und Clownerie.
Peta veröffentlichte auf seinem Instagram-Kanal ein Video, mit zusammengeschnittenen Szenen, gefilmt während einer Aufführung der aktuellen Tournee. Eine Mitarbeiterin des Social-Media-Teams von Peta sagt darin: „Zirkus Krone hat’s schon wieder getan – und zwar bewiesen, dass Tiere für sie nichts weiter als ‚Unterhaltungsobjekte‘ sind, die ‚funktionieren‘ müssen. Egal, ob das jetzt mit Leid verbunden ist oder nicht. Hauptsache, die Kasse klingelt am Ende.“ Die Vorwürfe beziehen sich auf die Dressur der Tiere ¬– die „unnatürlichen Bewegungen“, zu denen die Tiere mit Gewalt gezwungen würden. Die Bilder zeigen auf Hinterbeinen gehende Tiger, Pferde und mehrere Hunde, die zudem eine Polonaise vollführen.
So wehrt sich der Zirkus Krone gegen Kritik
Auch litten Pferde in der Manege an Stress, was an Schaum vor dem Maul zu erkennen sei. Peitschenknallen kommt zum Einsatz, wenn Pferde und Großkatzen durch die Manege getrieben werden. „Niemand kann das ernsthaft ‚unterhaltsam‘ finden“, meint Peta. Die Organisation setzt sich für ein strengeres Tierschutzgesetz ein, sie hält Tiere im Zirkus für nicht mehr zeitgemäß und schlägt stattdessen vor, sie durch Hologramme zu ersetzen. Peta kritisiert Zirkus Krone seit Langem und dokumentiert auf ihrer Website auch in der Vergangenheit beobachtete Verhaltensstörungen der Tiere.
Zirkus Krone verteidigt sich. Zirkusdirektor Martin Lacey hebt hervor, dass Zirkusse zu den am besten kontrollierten Betrieben gehörten. An jedem Gastspielort kommt der örtlich zuständige Amtsveterinär. „Ich liebe meine Tiere“, sagt er. Ein Mitarbeiter, der einmal ein Pferd geschlagen habe, wie in dem Peta-Video zu sehen, sei sofort entlassen worden. Dass die Tiere nicht unter Stress litten, hätten Untersuchungen gezeigt. Direktorin Jana Mandana Lacey-Krone erklärt, dass das Schäumen der Pferde von den Leckerlis komme und per se nichts Negatives sei.
Die Show des Zirkus Krone in Bildern
In einer auf der Zirkus-Website abrufbaren Broschüre über das Tierwohl der Zirkustiere wird dargelegt, wie die geltenden tierschutzrechtlichen Bestimmungen sogar übererfüllt werden: etwa mit besonderen Tiertransportern, einer Rund-um-die-Uhr Betreuung der Tiere und besonderen Gehegen. Zum Kritikpunkt, dass den Wildtieren der Auslauf fehle, heißt es: In freier Wildbahn würden die Tiere vor allem wegen der Futtersuche oder der Flucht vor Feinden weite Strecken zurücklegen. Diese Gründe seien aber im Zirkus irrelevant, weshalb die Tiere dort ebenso wie in der Natur 18 bis 20 Stunden schlafen würden. Die restliche Zeit verbrächten sie mit Körperpflege, bewegungsreichem Spiel, Training und Vorstellungen.
Zur Frage nach „tiergerechten Kunststücken“ schreibt der Zirkus: „Vom Stehen des Elefanten auf den Hinterbeinen bis zum Sprung des Löwen über seine Artgenossen basieren alle Dressuren im Zirkus Krone auf den natürlichen Verhaltensweisen und Bewegungsabläufen der Tiere.“ Die Dressur basiere auch auf einem Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier. So hat Lacey in der Raubtiernummer der aktuellen Show zwar einerseits eine Peitsche und einen Dompteurstab mit aufgespießten Futterhappen in der Hand, doch andererseits umarmt er die Großkatzen häufig, hält ihnen seine Backe hin und legt sich am Ende sogar auf einen Löwen. Die meisten Zirkus-Wildtiere sind im Zoo geboren und wären in freier Wildbahn kaum mehr überlebensfähig. Eine Entnahme aus der Wildnis ist heute oft nicht mehr erlaubt. Lacey hat einen eigenen Verein gegründet, den Lacey Fund, mit dem er über Tiere im Zirkus aufklären möchte. Für pensionierte Tiere betreibt er eine eigene Farm.
Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Zirkus“ unterstützt den Zirkus Krone
Unterstützung erhält der Zirkus Krone vom Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Zirkus“, das eine Gegenkampagne zu Peta betreibt und unter Berufung auf zahlreiche Wissenschaftler in seiner Pressemitteilung schreibt: „Schon längst ist die Behauptung, dass Tiere im Zirkus prinzipiell leiden, auf wissenschaftlicher Ebene widerlegt.“ Einer der Fehler von Peta sei, dass der Verein Tiere vermenschliche.
Das Veterinäramt des Landratsamts Donau-Ries verweist neben der „engmaschigen Kontrollfrequenz“, der die Zirkusbetriebe unterliegen, auch auf die zahlreichen rechtlichen Bestimmungen und Anforderungen, die das Tierschutzgesetz konkretisieren: so die „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben oder ähnlichen Einrichtungen“, ein „Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“ sowie „Merkblätter der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz“. An jedem Gastspielort muss erneut eine Erlaubnis für die gewerbsmäßige Zur-Schau-Stellung von Tieren eingeholt werden. „Für diese Erlaubnis ist, neben der Erfüllung von Mindestanforderungen zur Haltung der Tiere, die Sachkunde der Tierhalter/-betreuer von zentraler Bedeutung“, schreibt das Veterinäramt.
Die Stadt Nördlingen, die die Kaiserwiese zur Verfügung stellt, macht ihren rechtlichen Standpunkt deutlich. „Ob das moralisch vertretbar ist, da sind wir als Stadt außen vor. Das muss jeder selbst wissen“, sagt Daniel Wizinger, Leiter des Sachgebiets Tourismus und Veranstaltungen. Die Stadt möchte keine erzieherische Rolle einnehmen, die Bevölkerung sei mündig genug. Wizinger unterstreicht, dass Zirkus Krone eine Attraktion und sehr renommiert sei: „Der Zirkus Krone genießt einen hervorragenden Ruf. Er ist eher bekannt dafür, dass er die Auflagen besser erfüllt, als er müsste.“ Am Ende der von unserer Redaktion besuchten Show war das Publikum begeistert, es gab Standing Ovations.
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