Ostern steht kurz vor der Tür und ein Bio-Eier-Skandal sorgt in Nordrhein-Westfalen für Verunsicherung bei den Verbrauchern. In den Bio-Eiern eines Hofes in Ostwestfalen wurde ein dioxinähnliches Gift gefunden. Die Behörden gehen davon aus, dass die Eier längst verkauft sind. Verbraucher und Handel sollen Eier mit der Stempelnummer 0-DE-0521041 schnellstmöglich entsorgen, hieß es.
Erhöhte PCB-Werte in Bio-Eiern
Offenbar sind die hohen Werte des Dioxin-ähnlichen PCB (Polychlorierte Biphenyle) in den Bio-Eiern schon seit längerem bekannt. Wie die Zeitung "Der Westen" berichtet, sollen die erhöhten Werte bereits Mitte Februar aufgefallen sein. Das bedeutet, dass die Dioxin-Eier noch immer im Handel sein könnten. Wie die Zeitung berichtet, könne das Umweltministerium in Nordrhein-Westfalen dies nicht ausschließen.
Obwohl der PCB-Gehalt in den Bio-Eiern schon Mitte Februar bekannt gewesen sein soll, wurde die zuständige Lebensmittelaufsichtsbehörde erst Ende März informiert, berichtet "Der Westen". Das Umweltministerium von NRW habe einen langen Meldeweg kritisiert, heißt es in dem Bericht.
Dioxinfund angeblich ein Einzelfall
Der Dioxinfund in den Bio-Eiern eines nordrhein-westfälischen Hofes ist nach bisherigen Erkenntnissen ein Einzelfall. "Zurzeit kennen wir nur diesen einen Fall", sagte der Sprecher des NRW-Verbraucherschutzministeriums am Mittwoch. Der Dioxingehalt sei "nicht akut gesundheitsgefährdend". Ergebnisse der Dioxinanalysen sollen voraussichtlich nicht vor Freitag vorliegen. Der Hof wurde nach dem Fund vorerst gesperrt.
Dioxin-Hühnchen und gepanschtes Speiseöl - Lebensmittelskandale in Europa
GIFTÖL: Mehr als 1200 Menschen starben 1981, nachdem sie gepanschtes spanisches Speiseöl zu sich nahmen. Das Rapsöl, das in Frankreich zu industriellen Zwecken hergestellt worden war, wurde in Spanien als Speiseöl verkauft. Mehr als 20.000 Menschen erlitten Vergiftungen durch das Öl, das mit Anilin verseucht war. Nach dem Skandal brachen die Verkaufszahlen für Olivenöl drastisch ein und erholten sich erst zwei Jahre später wieder.
BSE: Die Rinderseuche BSE wurde 1986 erstmals bei Kühen in Großbritannien nachgewiesen und breitete sich in ganz Europa aus. Auf dem Höhepunkt der Krise verhängte die Europäische Union 1996 ein Exportverbot für britisches Rindfleisch. Forscher hatten zuvor nachgewiesen, dass der Verzehr von BSE-belastetem Fleisch zur neuen Variante der tödlich verlaufenden Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beim Menschen führen kann. Durch die Krankheit, an der in Großbritannien 170 Menschen starben, wird das Gehirn nach und nach wie ein Schwamm durchlöchert.
DIOXINHÜHNCHEN: 1999 wurde das krebserregende Dioxin in belgischem Hühnerfutter nachgewiesen. Geflügel und Eier aus belgischer Produktion wurden europaweit aus den Ladenregalen verbannt, was die Geflügelindustrie in eine schwere Krise stürzte. Belgien führte daraufhin ein Frühwarnsystem für verunreinigte Futtermittel ein. Als Konsequenz aus dem Skandal wandten sich viele Verbraucher von Eiern und Geflügel aus Massentierhaltung ab.
VOGELGRIPPE: Vier Jahre nach dem Dioxinskandal ging erneut die Angst vor Geflügelfleisch um. Verantwortlich war die Vogelgrippe, die 2003 in Asien auftrat. Das H5N1-Virus, das die Krankheit auslöst, befällt vor allem Vögel, kann aber auch auf den Menschen übertragen werden und schwere Atemwegsinfektionen auslösen. Mehr als 240 Menschen starben an der Krankheit.
EHEC: Nach den großen Fleischskandalen ist es nun Gemüse, das für die Verbreitung des lebensgefährlichen Darmkeims EHEC verantwortlich gemacht wird. Zunächst galten spanische Gurken als Quelle des Keims. Inzwischen werden die Erreger in Sprossen, also Gemüsekeimlingen, vermutet. Allein in Deutschland starben bislang mehr als zwanzig Menschen an der EHEC-Epidemie.
Eier von dem Hof mit rund 25.000 Legehennen hatten eine bis zu sechsmal über dem Grenzwert liegende PCB-Konzentration aufgewiesen. Letztmalig seien Eier am 7. März an einen Verpacker ausgeliefert worden. Sie hatten das Mindesthaltbarkeitsdatum 31. März. Der Betrieb beliefert nach Angaben des Ministeriums vor allem Supermärkte.
"Wir kennen die Ursache noch nicht", sagte der Sprecher des Ministeriums. In dem auf dem Hof aktuell verwendeten Futter seien keine Verunreinigungen gefunden worden. Genauere Erkenntnisse erhoffe man sich von der Analyse der Rückstellproben des älteren Futters. Der Lieferant des Futters sitze in Niedersachsen. Die dortigen Behörden seien eingeschaltet worden. "Auf dem Hof sind auch Bodenproben genommen worden." dpa/AZ