Ein Foto von Whitney Houstons Leiche im offenen Sarg sorgt für einen Sturm der Empörung in den USA. Das Klatschblatt "National Enquirer" hat das Bild auf der Titelseite seiner aktuellen Ausgabe - und es ist offenbar heimlich und illegal gemacht worden.
Woher die wegen ihrer Geschichten berüchtigte Zeitung das Foto hat, will sie nicht verraten. Das Bild hat eine Diskussion ausgelöst, wie weit Presse gehen darf.
"National Enquirer": "Das Foto ist wunderschön"
Das Klatschblatt verteidigte sich damit, dass das Foto "wunderschön" sei. Es zeigt die vor zwei Wochen in der Badewanne ihres Hotels gestorbene Sängerin, aufgebahrt in einem goldenen Sarg. "Das letzte Foto", heißt die Schlagzeile, ergänzt um "Bestattet mit Schmuck im Wert von 500.000 Dollar".
Whitney Houston: Foto von ihrer Leiche veröffentlicht
Das Bestattungsinstitut bestreitet, irgendetwas damit zu tun zu haben. Praktisch alle Zeitungen, die über den Fall berichten, zeigen das Bild auch - allerdings ist Houstons Leiche unkenntlich gemacht.
Der Abdruck des Fotos sei "schockierend und verstörend", schrieb die "Washington Post". Eine Grenze sei überschritten: "Es scheint höchst unethisch, solch ein Bild zu verbreiten, erst recht ohne die Einwilligung der Familie."
US-Zeitungen: "Makaber"
Die "Los Angeles Times" schreibt, dass "jetzt untersucht werden muss, wer die Trauer der Familie in ein bisschen Geld verwandelt hat. Oder in viel Geld." Andere Zeitungen nannten die Veröffentlichung "makaber" ("New York Daily News") oder "beschämend" ("USA Today").
Whitney Houston: Pop-Star und Legende
Whitney Houston war eine der bekanntesten und erfolgreichsten Sängerinnen der 80-er und 90-er Jahre. Sie starb im Februar 2012 im Alter von 48 Jahren.
Geboren wurde Whitney Houston am 9. August 1963 in Newark, New Jersey. Bereits mit 14 Jahren machte sie erste Schallplattenaufnahmen. 1979, mit 16 Jahren, sang sie im Background von Chaka Khans Lied "I’m Every Woman". Mit dem Lied war sie später selbst erfolgreich.
1985 erschien ihr Debütalbum Whitney Houston - und wurde ein gigantischer Erfolg. Die Platte mit Songs wie "Saving All My Love for You", "Nobody Loves Me Like You Do" und "How Will I Know" verkaufte sich allein in den USA 13 Millionen Mal.
Auch ihr zweites Album "Whitney" 1987 wurde ein Welterfolg. Der Song "I Wanna Dance With Somebody" daraus erhielt einen Grammy.
Unvergessen ist Whitney Houstons Leinwanddebüt an der Seite von "Bodyguard" Kevin Costner 1992. Die Single "I Will Always Love You" hielt sich wochenlang in den internationalen Hitparaden.
Für Schlagzeilen sorgte Houston aber nicht nur durch Musik, sondern auch mit ihrem Privatleben. 1992 heiratete sie den skandalträchtigen R&B-Sänger Bobby Brown. Die Eheprobleme der beiden wurden bis zur Scheidung 2007 nicht selten öffentlich ausgetragen.
Auch ihre Drogensucht machte Schlagzeilen. Nach mehreren Entziehungskuren schien Whitney Houston diese zwar 2006 besiegt zu haben. Doch im Mai 2011musste sie ein weiteres Mal auf Drogen- und Alkohol-Entzug gehen. «Whitney nimmt freiwillig an dem Programm teil, um damit ihren langjährigen Genesungsprozess zu unterstützen», hieß es in einer Erklärung.
2010 ging sie auf Deutschland-Tournee - ein trauriges Fiasko, kein glorreiches Comeback. Beim Auftakt-Konzert in Berlin ließ sie ihre Stimme oft im Stich, mehrmals nahm sich die 46-Jährige minutenlange Auszeiten. Viele Zuschauer quittierten die bizarre Darbietung mit Buh-Rufen.
15 Jahre nach ihrem letzten Filmauftritt stand die amerikanische Sängerin dann Ende 2011 wieder als Schauspielerin vor der Kamera - in dem Musikfilm «Sparkle».
Im Februar 2012 starb Whitney Houston.
Vor 35 Jahren hatte der "National Enquirer" einen ähnlichen Skandal ausgelöst. Damals hatte das Blatt das Bild von Elvis Presley im offenen Sarg gedruckt. (dpa, AZ)