Startseite
Icon Pfeil nach unten
Panorama
Icon Pfeil nach unten

Hass auf Deutsche: Mordversuch: Mutmaßliche U-Bahn-Schläger schweigen

Hass auf Deutsche

Mordversuch: Mutmaßliche U-Bahn-Schläger schweigen

  • |
  • |
  • |
    Am Donnerstag beginnt der Prozess gegen  mutmaßliche U-Bahn-Schläger.
    Am Donnerstag beginnt der Prozess gegen mutmaßliche U-Bahn-Schläger. Foto: Tobias Kleinschmidt, dpa

    Vier Schüler sollen einen 30 Jahre alten Maler in einem U-Bahnhof in Berlin beinahe zu Tode geprügelt haben - am Donnerstag begann hinter verschlossenen Türen der Prozess wegen versuchten Mordes. Die Angeklagten im Alter von 15 bis 18 Jahren verweigerten vor einer Jugendkammer des Landgerichts die Aussage. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, sie hätten das Verbrechen aus Hass auf Deutsche und Freude an der grundlosen Misshandlung Schwächerer begangen.

    Zum Auftakt des nicht-öffentlichen Prozesses waren nur kurz Fotografen und Kamerateams zugelassen. Zwei der Angeklagten verdeckten ihr Gesicht. Die Schüler äußerten sich im Gericht nicht zur Anklage, sollen aber vor dem Prozess Vorwürfe eingeräumt haben. "Im Vorfeld waren alle im weitesten Sinne geständig", sagte Verteidiger Dirk Lammer am Rande des Verfahrens. Ein Tötungsvorsatz werde aber nicht eingeräumt. Das Motiv Deutschenfeindlichkeit bezeichnete Lammer zudem als "nicht nachvollziehbar".

    Nach der Verlesung der Anklage wurde ein Video der Überwachungskamera aus dem U-Bahnhof gezeigt. Die Aufnahmen hatten die Polizei auf die Spur der vier Schüler geführt. Drei von ihnen sitzen seit Februar in Untersuchungshaft.

    Am 11. Februar 2011 kurz vor Mitternacht war der 30 Jahre alte Maler mit einem Kollegen auf dem Heimweg. Im U-Bahnhof Lichtenberg soll das Quartett die Männer zunächst als "Scheiß Nazis" beschimpft haben. Mit wuchtigen Tritten gegen Kopf und Körper wurde der Handwerker zu Boden gebracht. Ein Angeklagter sei auf seinen Oberkörper gesprungen. Der Maler rappelte sich auf und wurde erneut niedergeschlagen. Ein Fluchtversuch des Schwerverletzten scheiterte. Ein 17-jähriger Schüler soll das Opfer im Sprung von der Treppe mit voller Wucht getroffen haben. Die Täter sollen dann ein Handy und etwas Geld geraubt haben.

    Notärzte haben das Leben des 30-Jährigen gerettet

    Notärzte retteten das Leben des 30-Jährigen, der schwerste Hirnverletzungen erlitt. Das Opfer, der Nebenkläger im Prozess ist, wird am kommenden Donnerstag als Zeuge erwartet. Sein Anwalt Christian Thomas wollte nicht sagen, wie es dem Handwerker gesundheitlich geht.

    Auch der Begleiter des 30-Jährigen wurde verletzt. Der Mann konnte zunächst in Todesangst aus dem Bahnhof fliehen, wurde aber aufgespürt. Er erlitt zahlreiche Blutergüsse. Ein Passant zeigte Zivilcourage und trieb die Schläger in die Flucht.

    U-Bahnhöfe sind gefährlich: die bekanntesten Fälle der vergangenen Jahre

    Immer wieder erschüttern Berichte von Gewaltattacken auf deutschen U-Bahn-Stationen das ganze Land. Und sie scheinen kein Ende zu nehmen zu wollen. Erst am Wochenende kam es erneut zu einem tragischen Vorfall...

    17. September 2011, Berlin: Ein 23-jähriger Mann und sein Begleiter werden gegen 4.50 Uhr im Berliner U-Bahnhof Kaiserdamm attackiert. Die beiden können flüchten, doch der 23-Jährige wird dabei tragischerweise von einem Auto erfasst. Der junge Mann erliegt noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen. Noch am selben Tag stellen sich ein 21- und ein 22-Jähriger bei der Polizei.  Gegen die zwei der mutmaßlichen Angreifer sind Haftbefehle erlassen worden. Nach einem dritten wird noch gefahndet.

    9. Juni 2011, Hamburg: Eine 12-Jährige wird in der Hamburger U-Bahn missbraucht. Erst setzt sich der Tatverdächtige ihr gegenüber in der U-Bahn und beginnt eine Unterhaltung. Daraufhin setzt sich das Mädchen neben den Mann und dieser nimmt während des weiteren Gesprächs sexuelle Handlungen an dem Mädchen vor. Am Bahnhof Niendorf steigen beide aus. Nach dem Täter wird gesucht.

    23. April 2011, Berlin: Ein betrunkener 18-jähriger Gymnasiast tritt viermal mit voller Wucht einem zufälliges Opfer gegen den Kopf. Ein couragierter 21-Jähriger aus dem Landkreis Donau-Ries greift ein und rettet damit das bereits schwer verletzte Opfer. Ein Tritt mehr und der Mann hätte tot sein können, sagen Ärzte. Der Schläger bekommt eine Jugendstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten.

    8. Januar 2011, Berlin: Ein 30-jähriger Bettler sticht in der Berliner U-Bahn einem 43-Jährigen mit einem Messer in den Oberschenkel. Das Opfer wollte ihm keine Almosen geben. Als der Sohn des Angegriffenen seinem Vater zur Hilfe kommt, verletzt der Mann auch ihn. Der Vater muss in einer Klinik notoperiert werden.

    12. November 2009, München: Ein offensichtlich alkoholisierter Mann pöbelt völlig grundlos eine Frau an der U-Bahn-Haltestelle Implerstraße in München an. Der 26-Jährige wirft der Frau eine Bierflasche an den Kopf. Daraufhin geht sie zu Boden. Vom Täter wird sie dann auch noch noch sexuell beleidigt. Mehrere Menschen am Bahnsteig beobachten den Angriff und schreiten sofort ein.

    12. September 2009, München: Der 18 Jahre alte Markus S. und der 17- jährige Sebastian L. prügeln den 50-jährigen Dominik Brunner am Münchner S-Bahnhof Solln zu Tode. Brunner stellte sich schützend vor vier Kinder, denen die jungen Männer zuvor gedroht und von ihnen Geld verlangt haben. Der Fall sorgt bundesweit für großes Aufsehen. Markus S. muss wegen Mordes für neun Jahre und zehn Monate in Jugendhaft, Sebastian L. wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu sieben Jahren Haft verurteilt.

    6. Juni 2008, München: Ein 69- Jährige Rentner schubst eine 13- jährige Schülerin vor eine einfahrende U-Bahn. Die junge Griechin gerät zwischen zwei Waggons und wird auf den Bahnsteig zurück geschleudert. Sie übersteht den lebensgefährlichen Angriff mit blauen Flecken. Der Mann wird als der "U-Bahn-Schubser von München" gesucht und anhand des Fotos der Überwachungskamera identifiziert. Wegen gefährlicher Körperverletzung wird der Mann zu zwei Jahren und neun Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.

    13. Februar 2008, München: Ein 65-jähriger Obdachloser greift einen Studenten mit einem Messer an. Nachdem er den Studenten bereits in der Münchner-U-Bahn beleidigt hatte, spuckt der Obdachlose beim Aussteigen den jungen Mann an. Der Student stellt den älteren Mann auf der Rolltreppe zur Rede. Statt einer Entschuldigung zückt der Obdachlose ein Klappmesser und zieht dem Studenten dieses durchs Gesicht. Wegen Mordversuchs wurde der Angreifer zu neun Jahren Haft verurteilt.

    21. Dezember 2007, München: Ein 76-jähriger Rentner wird in der U-Bahn von zwei Jugendlichen überfallen. Weil er sie zuvor aufgefordert hatte, in der U-Bahn nicht zu rauchen, schlagen und treten die Jugendlichen brutal auf den Mann ein. Er wird lebensgefährlich verletzt. Wegen versuchten Mordes verhängte das Landgericht München I gegen den 18-jährigen Spyridon L. achteinhalb Jahre Jugendhaft. Der 21-jährige Serkan A. wurde zu zwölf Jahre Gefängnis verurteilt.

    Einem 18 Jahre alten Angeklagten werden weitere Gewalttaten vorgeworfen. Im Januar soll er einen Mann auf der Straße als Nazi beschimpft und misshandelt haben. Einen Monat später soll der Angeklagte einen Mann im U-Bahnhof Friedrichsfelde grundlos geschlagen haben.

    Immer wieder kommt es im öffentlichen Nahverkehr in Berlin zu Gewaltattacken. Bei dem bisher schlimmsten Fall starb ein 23-Jähriger, als er auf der Flucht vor Schlägern von einem Auto erfasst wurde. Im September wurde ein 18-Jähriger nach einem Überfall auf einen Installateur im U-Bahnhof Friedrichstraße zu zwei Jahren und zehn Monaten Jugendstrafe verurteilt. Sein Opfer hatte schwere Kopfverletzungen erlitten. dpa

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden