An einer Mittelohrentzündung muss in Europa im Jahr 2017 eigentlich niemand mehr sterben. Doch in Italien ist genau das passiert. Die Eltern eines kleinen Jungen aus Cagli in den Marken sollen dem Siebenjährigen über Jahre hinweg nur mit homöopathischen Mitteln behandelt haben. Lebensrettende Antibiotika lehnten sie ab. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich immer weiter. Jetzt ist Francesco an einer Hirnentzündung gestorben.
Ist die homöopathische Behandlung schuld am Tod eines Kindes?
Die Eltern hatten den Jungen erst ins Krankenhaus gebracht, als er bewusstlos geworden war. Die italienische Zeitung "La Repubblica" schreibt, dass das Kind bereits seit drei Jahren mit homöopathischen Mitteln behandelt worden war. Anstatt der Schulmedizin zu vertrauen, suchten die Eltern immer wieder einen Homöopathen auf.
Doch die homöopathischen Behandlungsmethoden halfen demnach nicht, Francesco gesund zu machen. Das Kind wurde durch den Verzicht auf Antibiotika schwächer und schwächer und ist nun im Alter von sieben Jahren gestorben. Ein unnötiger Tod.
Antibiotika hätten Siebenjährigem das Leben gerettet
Sowohl gegen die Eltern als auch gegen den homöopathischen Arzt seien jetzt Ermittlungen eingeleitet worden, berichtet die Nachrichtenagentur Ansa. Die Staatsanwaltschaft in Ancona wirft dem Mediziner fahrlässige Tötung vor.
Es ist nicht der erste Fall, in dem ein Kind sterben muss, weil sich die Eltern moderne Therapien und Präparate ablehnen. Auch bei anderen Infektionen oder Krebserkrankungen setzen die Erziehungsberechtigten teilweise allein auf homöopathisch Mittel der Alternativmedizin.
USA: Kinder an homöopathischen Tollkirschen-Medikamenten gestorben
10 Fakten über Homöopathie
Die Zahl der praktizierenden Mediziner mit der Zusatzbezeichnung Homöopathie ist in Deutschland in den vergangenen 10 Jahren um 38% gestiegen.
Homöopathie ist eine europäische therapeutische Tradition, die vor über 200 Jahren begründet wurde.
100 Mio. Europäer nutzen die Vorteile der Homöopathie und setzen homöopathische Heilmittel ein.
Homöopathische Arzneimittel werden vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte überprüft.
Unternehmen, die homöopathische Arzneimittel herstellen, unterliegen in der Herstellung den gleichen Qualitätsstandards wie aller anderen Firmen.
3 von 4 Europäern kennen Homöopathie, 29 % von ihnen nutzen sie.
In Europa verfügen 54.000 Therapeuten über spezielle homöopathische Kenntnisse.
Der Umsatz von homöopathischen Arzneimitteln liegt weltweit bei ca. 2 Mrd. Euro. (Im Vergleich: Der Umsatz normaler Arzneimittel liegt allein in Europa bei 265 Mrd. Euro):
Die «Nebenwirkungen» sind Erstreaktionen. Dabei handelt es sich nach der homöopathischen Lehre um eine kurzzeitige Verstärkung der bereits vorhandenen Symptome, die Teil des Heilprozesses ist.
In den USA sorgte erst kürzlich ein Fall für Aufsehen, bei dem homöopathische Medikamente mit Tollkirsche mehreren Kindern das Leben gekostet haben sollen. Der Tod von 10 Kindern und 400 Fälle von Nebenwirkungen würden derzeit untersucht, hieß es kürzlich von der FDA, der US-Arzneimittelzulassungsbehörde. Die betroffenen homöopathischen Mittel sollen bei zahnenden Kindern Schmerzen lindern.
"Die Antwort des Körpers auf Tollkirsche bei Kindern unter zwei Jahren ist unvorhersehbar und setzt die Kinder einem unnötigen Risiko aus", sagte Janet Woodcock von der FDA. Eltern sollten unverzüglich einen Arzt aufsuchen, wenn ihr Kind nach der Einnahme des homöopathischen Arzneimittels etwa Schwierigkeiten beim Atmen habe, lethargisch oder übertrieben müde sei oder Schwierigkeiten beim Urinieren habe.
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