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Tatort-Kolumne
14.02.2021

Packende Szenen, ärgerliche Schnitzer: Lohnt sich der "Tatort" am Sonntag?

Die Tatort-Kolumne zur aktuellen Folge "Hetzjagd", die am Sonntag läuft, stammt von Sarah Ritschel.
Foto: Montage: AZ

Am Sonntag ist beim "Tatort" das Team aus Ludwigshafen an der Reihe. Die Folge mit Lena Odenthal und Johanna Stern hat ergreifende Szenen – und unnötige Patzer.

Sie töten Menschen. Was soll das? Dieser Satz ist nur einer von vielen übermoralischen, die Lena Odenthal im "Tatort: Hetzjagd" aufsagen muss. Noch so einer: "Vielleicht müssen wir lernen, einander wieder mehr zuzuhören." Der Zuschauer kommt sich stellenweise vor wie in einem Seminar für Konfliktmanagement in dieser Episode des Landsberger Regisseurs und Drehbuchautors Tom Bohn. Nur: In dem Konflikt, den der neue Ludwigshafen-"Tatort" (ARD, 20.15 Uhr) aufwirft, will keiner mehr reden. Die Gegner sind klar gezeichnet: Hier die Nazis, übersät mit Hakenkreuz-Tattoos, da die langhaarigen Linken, die "Rock gegen Rechts"-Konzerte organisieren. In der Realität ist das längst nicht mehr so klar zu unterscheiden.

Tatort am Sonntag: Odenthal und Stern ergänzen sich immer besser

Einer dieser Konzertveranstalter ist Tillmann Meinecke, der kurz vor seinem Tod noch um Polizeischutz gebeten hatte. Odenthal (Ulrike Folkerts) hat es nicht geschafft, seinen Antrag durchzuboxen. Als dann auch noch jemand aus ihren eigenen Reihen sein Leben lassen muss, wird es der sonst so kühlen Kommissarin zu viel. Einer der stärksten Momente der Episode: Lena Odenthal zeigt Gefühle – und weiß nicht, wohin damit. Selbst Edith Keller (Annalena Schmidt), die gute Seele des Präsidiums, weicht vor ihren Emotionen zurück.

Ergänzen sich immer besser: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, links) und Johanna Stern (Lisa Bitter).
Foto: Sabine Hackenberg, SWR (Archivbild)

Es gefällt auch zu sehen, wie sich die dienstälteste "Tatort"-Ermittlerin und ihre einigermaßen neue Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) mit jeder Folge besser ergänzen – die einsame Wölfin mit einem Gesetzesempfinden, das manchmal über den Rechtsstaat hinausgeht, und die hellwache Profilerin mit Familienleben – endlich herrschen sie sich nicht mehr dauernd aus heiterem Himmel an. Starke Szenen sind es auch, wie die Freundinnen des Opfers und des verhafteten Rechtsradikalen einander an der Currywurstbude begegnen und sich in ihrem Nicht-wissen-Wohin ein Hotelzimmer teilen. Das kann natürlich nicht gut ausgehen.

Ärgerlich am "Tatort": die Schwächen in der Ausstattung

Umso mehr verärgern die Schwächen in der Ausstattung und bei der Location-Wahl – Details, bei denen der "Tatort" zuletzt mehrfach schlampig war. Nicht nur, dass im letzten Stuttgarter Fall eine erfolgreiche Grafikdesignerin in einer Wohnung voller Diddlmäuse lebte: In Ludwigshafen wohnt ein kommerzkritischer Konzertveranstalter in einem lichtdurchfluteten Loft mit maßgeschreinerter Holzrutsche. Was noch mehr verwundert: Da geht es um einen Mord in der Musikszene, ständig sitzen Menschen zwischen Instrumenten und bauen Bühnen auf. Doch nur einmal in eineinhalb Stunden kommt ein Rocksong vor. Kleine Details, die den Krimiabend trüben. Wer darüber hinwegsehen kann, wird aber solide unterhalten.

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