Augsburg Martin N. ist der nette Mann von nebenan. Diesen Eindruck vermitteln Bilder aus alten Heimvideos. Oft ist der blonde Jugendbetreuer darauf inmitten einer Gruppe Kinder zu sehen. Er tobt mit ihnen herum, macht Witze oder bringt ihnen Erste-Hilfe-Maßnahmen bei. Verschiedene Fernsehsender haben diese Privataufnahmen jetzt veröffentlicht, nachdem Martin N. festgenommen wurde.
Anders als bei anderen „Tatverdächtigen“, deren Gesicht auf Bildern meist unkenntlich gemacht wird, zeigen die Sender den heute 40-Jährigen, noch bevor er von einem Gericht verurteilt wurde. Denn Martin N., darauf deutet derzeit alles hin, ist der „Maskenmann“: Er hat gestanden, drei Buben getötet zu haben. Und die Ermittler glauben, dass er noch mehr Kinder umgebracht haben könnte.
„Wir überprüfen jetzt alle offenen Tötungsdelikte aus den vergangenen 25 Jahren“, sagt Anke Rieken, die Sprecherin der „Soko Dennis“. Aus Rücksicht auf die Familien der getöteten oder vermissten Kinder wolle sie aber keine konkreten Fälle nennen. Rund 40 Ermittler sind derzeit in der Sonderkommission tätig. Sie versuchen auch, ein genaues Bewegungsbild des Verdächtigen zu erstellen. Denn der Pädagoge Martin N. ist im Lauf der Jahre viel gereist – er gilt als intelligent, soll sechs Sprachen sprechen.
Nach seiner Festnahme hat der gebürtige Bremer zugegeben, im Lauf der Jahre mehrfach in Internate und Ferienlager im Norden Deutschlands eingestiegen zu sein, um dort Buben zu missbrauchen. Und er hat gestanden, drei Jungen erstickt zu haben: 2001 den neunjährigen Dennis, 1995 einen Achtjährigen, der ebenfalls Dennis hieß, und 1992 den 13-jährigen Stefan.
Nach und nach werden immer mehr Details aus der Vergangenheit des mutmaßlichen Serienmörders bekannt. Schon vor sechs Jahren, berichtet der Weser-Kurier, habe die Staatsanwaltschaft gegen Martin N. ermittelt: Weil der Pädagoge beschuldigt wurde, er habe einen Zehnjährigen „unsittlich berührt“.
Vor seiner Festnahme vergangene Woche, das will das Magazin Stern herausgefunden haben, „wartete“ Martin N. „offenbar auf einen neunjährigen Jungen, der ihm aus der Berliner Pädophilen-Szene zugeführt werden sollte“. Deshalb sei der 40-Jährige in den vergangenen Wochen rund um die Uhr observiert worden. „Plante Martin N. das nächste Verbrechen?“, fragen einige Zeitungen. Staatsanwaltschaft und Polizei wollen sich dazu nicht äußern. Auch zu Meldungen, der Verdächtige habe zeitweise Pflegekinder betreut, gab es immer noch keine offizielle Stellungnahme.
Die Polizei Verden teilte aber mit, dass ein Abgleich der DNA des Verdächtigen mit Spuren von den Körpern der getöteten Buben „negativ“ verlaufen sei. „Das ist aber kein Grund, um auszuschließen, dass er der Täter ist“, sagt Soko-Sprecherin Anke Rieken. „Wir haben kein gesichertes DNA-Material, mit dem man überhaupt einen Täter überführen könnte“, erklärt auch der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade, Kai Thomas Breas: Weil die Körper der Opfer teils wochenlang versteckt lagen, habe man an ihnen nur sehr wenige und teils fragmentierte Spuren gefunden.
Dass Martin N. tatsächlich der gesuchte Serienmörder ist – „davon kann man mit einer Riesenwahrscheinlichkeit ausgehen“, so Breas. Denn der Mann verfüge „über exklusives Täterwissen“: Er kennt Details, die nur der Mörder der Buben kennen kann.