In den bayerischen Alpen schneit es am Montag kaum noch, nach wie vor besteht aber erhöhte Lawinengefahr zumindest oberhalb der Waldgrenze. "Achtung, umfangreiche Schneeverfrachtungen, ein einzelner Skifahrer kann Lawinen auslösen", heißt es im Bericht des Lawinenwarndienstes vom Montag. In steilem Gelände, in dem sich Schneeverwehungen ansammeln, seien Selbstauslösungen auch von größeren Lawinen möglich. Von Dienstag bis Donnerstag erwarten die Meteorologen oberhalb von 800 Metern viel Sonnenschein.
In den höheren Lagen der bayerischen Alpen fielen seit Sonntag bei stürmischem Wind bis zu 40 Zentimeter Schnee, auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, und im Berchtesgadener Land örtlich mehr als 50 Zentimeter. Bei steigenden Temperaturen nimmt die Gefahr der Selbstauslösung von Lawinen zu. Skitouren erforderten daher Vorsicht und gutes lawinenkundliches Beurteilungsvermögen, teilte die Behörde weiter mit. Große Lawinengefahr bedeutet die zweithöchste der fünf Warnstufen.
In den Hochlagen der Alpen wurden bis Dienstagmittag maximal zehn Zentimeter erwartet, wie Christian Freuer vom Deutschen Wetterdienst in München berichtete. Danach sorgt ein Hoch bis zum Donnerstag für viel Sonne oberhalb 800 Metern.
15.000 Menschen saßen fest
Tausende Winterurlauber saßen am Wochenende in mehreren Skiorten in Österreich und der Schweiz zeitweise fest. Nach heftigen Schneefällen waren wichtige Verkehrsrouten am Samstag, dem traditionellen Abreisetag, wegen Lawinengefahr vorübergehend gesperrt. Als die Straßen wieder freigeschaufelt waren, gab es auf wichtigen Rückreiserouten nach Deutschland riesige Staus. Auch am Sonntag schneite es in den Alpen wieder stark, bekannte Skiorte waren erneut von der Außenwelt abgeschnitten.
In Österreich waren die beliebten Skigebiete Ischgl und das nahe gelegene Galtür wegen Lawinengefahr wieder nicht zu erreichen. "Für den heutigen Tag bleiben die Straßen voraussichtlich geschlossen", sagte eine Mitarbeiterin des örtlichen Tourismusbüros. Die meisten deutschen Urlauber seien jedoch schon am Samstag abgereist. "Wir sind froh und glücklich, dass wir nach Hause fahren können", sagte ein deutscher Urlauber dem Fernsehsender ORF, der am Samstag aus dem Tiroler Paznauntal abfahren konnte.
Für viele Deutsche war es eine lange Heimreise. Bis in die späten Abendstunden am Samstag staute es sich auf allen wichtigen Routen. Der Verkehr wurde auch von neuen Schneefällen behindert, hieß es beim Verkehrsclub ÖAMTC. Mit Schaufeln mussten die Menschen in vielen Orten anrücken, um überhaupt erst ihre Autos aus dem Schnee zu graben.
Sieben Monate altes Baby mit Helikopter aus eingeschneiter Berghütte gerettet
In den bekannten Skiorten Lech, Zürs, Stuben, Warth und Gargellen waren am Freitag etwa 15 000 Menschen eingeschneit. Die meisten konnten mit dem Auto abreisen. Für eine Gruppe von 52 Deutschen aus Lindau am Bodensee musste dagegen ein Helikopter des österreichischen Bundesheeres ausrücken: Die Wintersportler waren bei Brand im westlichen Bundesland Vorarlberg auf einer Berghütte zwei Tage eingeschlossen, bevor sie ins Tal geflogen werden konnten. Auch ein sieben Monate altes Baby war dabei. Die Stimmung war trotzdem gut, sagte Hüttenwirt Thomas Beck gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: "Wir hatten genug zu essen."
Das Bundesheer setzte seine Hubschrauber auch ein, um die Lawinensituation zu erkunden. Ein Skifahrer aus Fürstenfeldbruck bei München wurde am Samstag im Stubaital abseits der Pisten von Schneemassen verschüttet - der Mann überlebte.
In Tirol gab es auch im Bahnverkehr Probleme: Unter anderem soll die Arlbergbahn bis Dienstag gesperrt bleiben. Auch die Verbindung zwischen Reutte in Tirol und Garmisch in Bayern bleibt vorerst dicht. (dpa/AZ)