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Analyse
17.12.2021

Franziskus geht wohl als Papst der Enttäuschungen in die Geschichte ein

Papst Franziskus – hier jüngst bei seinem Besuch auf Lesbos – hat seine gesundheitliche Krise offenkundig überwunden.
Foto: Alessandra Tarantino, dpa

Franziskus wird 85 Jahre alt. Noch im vergangenen Sommer stand es nicht gut um seine Gesundheit. Warum er sich dennoch wohl nicht so rasch auf sein Altenteil begeben wird.

Alte Menschen brauchen Geduld. Geduld mit den immer widriger werdenden Umständen im Alter und mit sich selbst. Die Endphase des Pontifikats von Papst Franziskus ist aber auch so eine Geduldsprobe. An diesem Freitag wird Jorge Bergoglio 85 Jahre alt. Eigentlich ist das ein Alter, in dem man sich langsam auf den Rückzug einstellen könnte. Nicht so Franziskus. Er hat offenbar noch etwas vor, mindestens zwei Jahre lang.

Im Sommer war die Lage noch anders. Franziskus musste sich überraschend einer Notoperation am Darm unterziehen. Der Papst schwebte nach eigener Darstellung kurz zwischen Leben und Tod, es gab Gerüchte über seine fortdauernd angeschlagene Gesundheit, über seinen bevorstehenden Rücktritt. „Ich lebe noch, obwohl mich einige lieber tot sähen“, sagte der Papst. Franziskus wusste, dass es bereits Treffen in Rom gab, bei denen Prälaten die Zeit nach ihm planten. Doch Bergoglio macht weiter.

Der Papst und der synodale Weg

Mindestens noch zwei Jahre soll das Pontifikat dauern, wenn es nach Franziskus geht. Im Oktober 2023 findet die nächste Bischofssynode statt zum Thema Synodalität. Synoden sind das wesentliche Steuerungselement, das Franziskus in die Weltkirche eingebracht hat. Vor seiner Zeit waren sie eher harmlose Diskussionsrunden. Inzwischen sind sie das Instrument für Reformen. Das ist die eigentliche Neuerung des Bergoglio-Pontifikats. In zwei Jahren könnte der Höhepunkt dieser Methode erreicht sein und damit das Ende der Amtszeit eingeläutet werden.

Die Synode 2023 wird ein Rundumschlag sein, die synodale Kirche ist Franziskus’ Chiffre für schrittweise Reformen. In zwei Jahren wird es etwa um Mitbestimmung von Laien und Frauen gehen. Den einen sind seine Reformversuche zu zögerlich, den anderen sind sie ein Dorn im Auge. Franziskus, der im Konklave 2013 als großer Reformer von den Kardinälen gewählt wurde, schreitet in kleinen Schritten weiter fort. Die hohen Erwartungen erfüllte er nicht. Bei der Missbrauchsaufarbeitung hat sich der Papst trotz viel Aktivismus nicht mit Ruhm bekleckert, solange nicht radikal und umfassend Licht in die finstere Vergangenheit kommt. Die Vatikanreformen schreiten voran, auch wenn Franziskus die Aufräumarbeiten zuweilen unfreiwillig sabotiert. In den laufenden Korruptionsprozess um dubiose Immobiliengeschäfte griff der Papst mehrfach gesetzgeberisch ein – so etwas gibt es eigentlich eher in Bananenrepubliken.

Franziskus hatte mit weniger Widerständen gerechnet

Die reformorientierten Katholiken wünschten sich einen raschen Wandel im Handumdrehen, der bis heute nicht eingetreten ist, weil er nicht eintreten konnte. Wahrscheinlich hat sich Franziskus sein Regieren auch einfacher und mit weniger Widerständen vorgestellt. Ab 2014 formierte sich eine kleine Gruppe erzkonservativer Bischöfe und Kardinäle, an denen Franziskus mit seinen Änderungswünschen nicht vorbeikam. Das heißt, der Papst ist bis heute nicht bereit, den Preis dafür zu zahlen. Denn der wäre hoch und bestünde vermutlich in einer Kirchenspaltung.

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Wer also das Überleben der katholischen Kirche insgesamt begrüßt, muss Franziskus dankbar sein. Er versucht, die Kirche in das 21. Jahrhundert zu begleiten, ist aber so klug, dabei keine „Gewalt“ anzuwenden. Franziskus ist Realist. Er bringt voran, was bei geringem Schaden möglich ist. Er bricht die Reformen nicht übers Knie. Es nimmt auch in Kauf, als Papst der Enttäuschungen in die Geschichte einzugehen. Franziskus hat das Geduldsspiel in seiner Programmschrift „Evangelii Gaudium“ von 2013 explizit angekündigt, als er schrieb: „Die Zeit ist mehr wert als der Raum. Dieses Prinzip erlaubt uns, langfristig zu arbeiten, ohne davon besessen zu sein, sofortige Ergebnisse zu erzielen. Es hilft uns, schwierige und widrige Situationen mit Geduld zu ertragen oder Änderungen bei unseren Vorhaben hinzunehmen, die uns die Dynamik der Wirklichkeit auferlegt.“

"Scheidung auf katholisch"

Seine Gegner haben ihm diese Dynamik aufgezwungen, sie könnte Wirkung über seine Amtszeit hinaus entfalten. Der Papst wird viel kritisiert, es ist aber klug, der Wirklichkeit ihr gebührendes Gewicht zu geben. Segnungen für Homosexuelle gibt es deshalb zwar weiter unter der Hand, aber nicht offiziell. Wiederverheiratete Geschiedene dürfen in Einzelfällen die Sakramente bekommen. Was wie eine Detailfrage scheint, hatte einen regelrechten Kulturkampf während der Familiensynoden 2014 und 2015 zur Folge. Die Konservativen wussten, dass hier eine Bresche geschlagen wurde. Die „Scheidung auf katholisch“ wurde damals legalisiert – der Beginn einer Wende in der Kirche.

Das Prinzip, das Franziskus in die katholische Kirche eingebracht hat, ist ein reformorientiertes Wechselspiel zwischen Gläubigen, Bischöfen und dem Papst. Bei den Familiensynoden 2014 und 2015 war das erstmals zu sehen. Die Gläubigen sollten Fragebögen beantworten und ihre Perspektive zum Thema kundtun, die Bischöfe auf ihrer Synode dann Beschlüsse fassen, die er, Franziskus, in Gesetze goss.

Der Papst hat auch den Mut, den von ihm selbst geschaffenen Reformeifer zu bremsen, wo es nötig war. Seine Kirche, die sich nicht nur aus deutschen Katholiken, sondern auch aus Afrikanern, Asiaten und Amerikanern mit ganz anderen Bedürfnissen zusammensetzt, ist vielfältig und ja, oft anachronistisch. Der Papst kann aber nicht nur modern denken, ihm muss vor allem die Einheit seiner Institution am Herzen liegen.

2019, bei der Amazonas-Synode, sprachen sich die Bischöfe für die Weihung verheirateter Männer im Amazonas aus, es wäre der Anfang vom Ende des Pflichtzölibats gewesen. Franziskus nahm den Ball aber nicht auf und enttäuschte damit viele. Er handelte als Realist – und ließ das Thema offen.

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