„Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe.“ So lautet ein bekanntes Zitat des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche, wie aus dem Deutschen Textarchiv hervorgeht. Er meinte damit wohl vor allem die Liebe unter Menschen, doch auch in der Tierwelt könnte seine Erkenntnis einen wahren Kern haben. Schließlich gibt es viele verschiedene Methoden, mit denen Tiere ihre Liebe und ihren Paarungswillen zeigen. Ein einzigartiges Ritual wurde jetzt bei einer Insektenart beobachtet.
Taiwanische Holzschaben: Partner verspeisen gegenseitig ihre Flügel
Wenn sich zwei Taiwanische Holzschaben (Salganea taiwanensis) paaren möchten, dann fressen sie gegenseitig ihre Flügel. Diese Erkenntnis stammt aus einer Studie, die im Fachblatt Royal Society Open Science veröffentlicht wurde. Ein Forschungsteam der North Carolina State University in Raleigh, unter der Führung von Haruka Osaki, hat für die Studie Kolonien der Taiwanischen Holzschabe an der japanischen Universität in Okinawa beobachtet.
Das gegenseitige Verspeisen der Flügel sei Teil des Paarungsverhaltens der Insekten, glauben die Forschenden. Das Team um Osaki beobachtete, dass die beiden Partner nach dem Ritual Artgenossen beider Geschlechter entschieden zurückwiesen. Gleichzeitig zeigten sie Treue zu ihrem Partner. Daraus schließen die Forschenden, dass die Partnerwahl mit dem Fressen der Flügel besiegelt wird – andere Artgenossen kommen danach nicht mehr für die Paarung infrage.
Osakis Team spekuliert, dass die Zerstörung der Flügel chemische Stoffe freisetzen könnte, die Signale an den jeweiligen Partner senden. Die Forschenden halten auch Prozesse im Gehirn für möglich, die durch die Paarung und das Ritual in Gang gesetzt werden – und letztlich dazu führen, dass die Schaben ihrem Partner gegenüber treu sind, andere Artgenossen aber zurückweisen.
Warum überrascht das Ritual der Holzschaben die Forschenden?
Durch das einzigartige Ritual sind die Paare der Salganea taiwanensis nicht mehr so mobil, immerhin verlieren sie anschließend die Fähigkeit, zu fliegen. Das hat laut der Studie zur Folge, dass sie sesshafter werden und die Partner gemeinsam ein Nest bauen – zumeist aus morschem Holz. Um den Nachwuchs kümmern sich die Partner über Jahre hinweg gemeinsam.
Eindringlinge werden von den Paaren aggressiv angegangen. „Was uns am meisten überraschte, war, dass das Paar Eindringlinge gemeinsam als Zweierteam angriff“, erklärte Osaki der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Exklusivität der Partnerschaft erstaunte das Forschungsteam ebenfalls. Bislang sei ein derartiges Verhalten vor allem bei Wirbeltieren beobachtet worden. Mit Insekten wurden exklusive Partnerschaften eher weniger verbunden.
„Die Untersuchung von Paarbindungen bei Insekten kann uns helfen, zu verstehen, wie sich kooperative Beziehungen im gesamten Tierreich entwickeln“, analysiert Osaki die Studie. Insekten würden nun „eine der evolutionär grundlegendsten Gruppen“ darstellen, „in denen diese Art der Paarbindung beobachtet wurde“. Das könne „Einblicke in die frühen evolutionären Ursprünge stabiler sozialer Partnerschaften liefern“, glaubt Osaki.
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