Die Schauspielerin Collien Fernandes hat Anzeige gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen, erstattet. Er soll, ihrer Darstellung zufolge, über Jahre hinweg Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und intime Inhalte – darunter falsche Nacktfotos – verbreitet haben. Teils soll er, so ein weiterer Vorwurf, sexuelle Chat-Kontakte mit Männern in ihrem Namen gehabt haben. Die Vorwürfe werden laut dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel, das diese jetzt öffentlich machte, von der spanischen Staatsanwaltschaft geprüft. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Fernandes hatte sich in der Vergangenheit bereits mehrfach öffentlich zu den Fake-Profilen geäußert, so auch in der WDR-Talkshow „Kölner Treff“ vom 13. März. In der reagierte sie auf die Frage, ob sie herausgefunden habe, wer dahinterstecke, mit einem Nicken.
Collien Fernandes: Politiker und Promis melden sich zu Wort
Der Spiegel-Bericht löste auch Reaktionen aus der Politik aus. Die Bild zitierte Hessens Ministerpräsidenten Boris Rhein, Ricarda Lang und Katrin Göring-Eckardt von den Grünen sowie Ex-SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert meldeten sich ebenfalls zu Wort. Und einige Promis, die sich mit Fernandes solidarisierten.
Nicht erst durch deren Vorwürfe wird in Deutschland intensiv über „digitale Gewalt“ diskutiert. Mit dem KI-Chatbot Grok von Elon Musks Firma xAI etwa waren ungezählte sexualisierte „Deepfakes“ erstellt und verbreitet worden. Drei Jugendliche, unter ihnen zwei Minderjährige, aus dem US-Bundesstaat Tennessee reichten daher kürzlich eine Klage gegen die Firma ein.
Für Deepfakes gibt es hierzulande bislang keinen eigenen Straftatbestand. Stattdessen greifen bestehende Gesetze. Organisationen wie HateAid warnen vor einer Verharmlosung: Auch wenn es sich nicht um echte Aufnahmen handele, könne die Belastung für Betroffene erheblich sein – sie verlören die Kontrolle darüber, wie ihr eigener Körper im Netz dargestellt werde, hieß es auf Anfrage.
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) kündigte, ohne sich zu Einzelfällen äußern zu wollen, ein Maßnahmenpaket an. Dem Spiegel sagte sie, sie wolle im Frühjahr ein digitales Gewaltschutzgesetz vorlegen. Aus ihrer Sicht „sollte das Erstellen und Verbreiten von sexualisierten Deepfakes unter Strafe stehen“. Damit Täter rückverfolgt werden können, habe sie einen Gesetzentwurf zur IP-Adressenspeicherung vorgelegt. Zudem solle es möglich werden, Accounts von Tätern per richterlicher Anordnung sperren zu lassen; Betroffene sollen, so Hubig, auch in Zivilverfahren bessere Auskunftsrechte erhalten, wer hinter den Fakes stecke.
Deepfake-Experte: erhöhtes Risiko, Opfer zu werden
Professor Martin Steinebach, Leiter der Abteilung Media Security und IT Forensics am Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT in Darmstadt, hält es für möglich, dass solche Maßnahmen eine abschreckende Wirkung entfalten könnten. „Andererseits zeigt sich immer wieder“, sagte er unserer Redaktion, „dass eine einmal verfügbare Technologie, insbesondere in einem internationalen Raum wie dem Internet, nicht wieder vollständig eingefangen werden kann.“ Mittlerweile reiche ein Porträtfoto in sozialen Medien aus, um eine Grundlage für Deepfakes zu schaffen. Die leichte Verfügbarkeit der dazu benötigten Hard- und Software bringe ein erhöhtes Risiko mit sich, Opfer zu werden. „Sehr hochwertige Deepfakes wird man nur noch schwer mit bloßem Auge erkennen“, ergänzte er. Steinebach rät dazu, auf Details zu achten – wie Ungenauigkeiten beim Übergang von Gesicht zu Stirn oder Hals in Videos.
Die Vorwürfe von Fernandes gegen ihren Ex-Mann Ulmen haben schon Folgen: So ist bei Joyn, dem Streamingdienst von ProSiebenSat.1, die Comedyserie „Jerks“ nicht mehr abrufbar. Auf der Internetseite erscheint: „Seite nicht gefunden“. ProSieben-Sendersprecher Christoph Körfer sagte unserer Redaktion: „Aufgrund der aktuellen Situation hat Joyn am Donnerstag die mit mehreren Fernsehpreisen ausgezeichnete Serie ,Jerks‘, in der Collien Fernandes und Christian Ulmen ein geschiedenes Ehepaar spielen, offline genommen. Andere Projekte waren und sind für 2026 nicht geplant. Unabhängig davon gilt auch in diesem Fall eine wichtige Säule des Rechtsstaatsprinzips: die Unschuldsvermutung.“ Die Versandapotheke „Shop Apotheke”, für die die beiden geworben hatten, sagte RTL.de, man werde aus „gegebenem Anlass“ die Werbung „mit den betroffenen Personen vorerst aussetzen”.
Das erklärt der Anwalt von Christian Ulmen
Ulmen-Anwalt Christian Schertz ließ eine Anfrage unserer Redaktion unbeantwortet. In einem „Presserechtliche Information“ betitelten Schreiben kündigte er an, rechtliche Schritte gegen den Spiegel einzuleiten. Es handele sich zum einen „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung“, zum anderen würden „unwahre Tatsachenbehauptungen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“.
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