Startseite
Icon Pfeil nach unten
Panorama
Icon Pfeil nach unten

Darum geht es im neuen Lindholm-Tatort „Letzte Ernte“

Tatort-Kolumne

Neuer Lindholm-Tatort „Letzte Ernte“: Im Alten Land lauern viele faule Äpfel

  • |
  • |
  • |
  • |
    David Falkner ist einer von fünf „Tatort“-Kritikerinnen und -Kritikern unserer Redaktion.
    David Falkner ist einer von fünf „Tatort“-Kritikerinnen und -Kritikern unserer Redaktion. Foto: Augsburger Allgemeine (Illustration)

    Ba-Waaa! Ba-Waaa! Daa-daa-da-da. Da! Da! Da! Als wäre nichts geschehen, dröhnt die legendäre „Tatort“-Titelmelodie aus den Lautsprechern. „Letzte Ernte“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) ist der erste neue Teil der Krimi-Serie, der nach dem Tod von Komponist Klaus Doldinger Mitte Oktober im Fernsehen läuft. Sonderlich musikalisch allerdings geht es hier nicht zu. Statt Trompete und Konzertsaal: Wiesen, Gummistiefel und Apfelbäume, soweit das Auge reicht – willkommen im Alten Land.

    Die Region südlich von Hamburg ist das größte Obstanbaugebiet in Deutschland und Handlungsort des jüngsten Falls der scheinbar ewigen „Tatort“-Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler). Seit mehr als 20 Jahren ist Lindholm schon im Einsatz, zuerst in Hannover, zwischenzeitlich in Göttingen – und nun, mit „Letzte Ernte“, kommt sie zurück an ihre alte Wirkungsstätte. Wobei das ja nur so halb stimmt: Wie gesagt, wir sind im Alten Land, nicht in Hannover.

    „Tatort: Letzte Ernte“: Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler, rechts) fühlt Biohof-Inhaberin Marlies Feldhusen (Lina Wendel) auf den Zahn.
    „Tatort: Letzte Ernte“: Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler, rechts) fühlt Biohof-Inhaberin Marlies Feldhusen (Lina Wendel) auf den Zahn. Foto: Christine Schroeder, NDR

    Aber von vorn: Auf dem Bioapfel-Hof der Feldhusens wird der Körper eines Hofarbeiters gefunden – ohne Kopf. Feldhusen Senior dämmert krebskrank im Rollstuhl vor sich hin, seine Frau Marlies schmeißt den Laden gemeinsam mit Sohn Sven und Schwiegertochter Frauke. Dem Hof geht es finanziell schlecht, Sven und Frauke haben eigentlich keine Lust auf Landwirtschaft, und Marlies Feldhusen legt sich in ihrem Kampf gegen den Einsatz von Glyphosat und anderen potenziell ungesunden Spritzmitteln mit allen umliegenden Bauern gleichzeitig an. Der Dorfpolizist tut den Todesfall schnell – und natürlich zu Unrecht – als Unfall ab, will eigentlich nur seine Ruhe haben und ist mit den Landwirten der Gegend vielleicht auch ein wenig enger verbandelt, als es seiner Position angemessen wäre.

    Kommissarin Lindholm sticht in der trügerisch friedlichen Bauern-Idylle in ein Wespennest – und damit sind nicht die Bienenstöcke von Bio-Bäuerin Feldhusen gemeint. Unterstützung aus Hannover bekommt sie nicht: Weil in der Stadt die Polizei mit der Suche nach einem vermissten Kind beschäftigt ist, ist sie bei ihren Ermittlungen auf sich allein gestellt.

    „Letzte Ernte“ macht Spaß, ist aber auch ziemlich überladen

    Klingt spannend? Ist es auch. Als klassischer Rätsel-Krimi funktioniert „Letzte Ernte“ ausgezeichnet, weil viele Spuren ausliegen, die auch vor dem Bildschirm zur Detektivarbeit einladen. Leider ist diese Stärke gleichzeitig auch die größte Schwäche dieser „Tatort“-Folge, denn all die roten Fäden müssen natürlich auch irgendwo hinführen. Da ächzt ein 90-minütiger Film schnell unter den vielen Handlungssträngen, die alle zu einem logischen Ende gebracht werden müssen.

    Und der Bildungsauftrag kommt dann noch obendrauf: Das Team hinter „Letzte Ernte“ hat es sich ausdrücklich zum Ziel gemacht, nicht nur das Spritzmittel-Problem zwischen wirtschaftlichem Zwang und gesundheitlichem Risiko zu thematisieren. Auch der Alltag der deutschen Landwirte wird wie ein Teppich des Elends vor den Zuschauern ausgerollt. Da kommen einige starke Szenen heraus. Beispielsweise als Kommissarin Lindholm am Frühstückstisch den Honig lobt, woraufhin Sohn Sven trocken entgegnet: „Der ist aus dem Discounter – unser eigener ist zu teuer.“

    Der Tatort „Letzte Ernte“ will unterhalten und informieren

    „Letzte Ernte“ ist merklich bemüht, Unterhaltung und Bildungsauftrag unter einen Hut zu bringen. Das führt fast schon zwangsläufig zu einer gewissen Sprödigkeit. Spröde, das ist dann auch das passende Fazit für diesen netten, aber auch ziemlich altmodischen Krimi: Kommissarin Lindholm ist gewohnt spröde, die norddeutschen Bauern sind es – und der Film eben irgendwie auch. Passt schon.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren