Da läuft es mal nicht rund im Leben, und dann ballert einem die Muttersprache auch noch solche Begriffe entgegen: Niederlage, Scheitern, Verlust. Als wäre der Vorgang an sich nicht schon schlimm genug. Frag nach bei unseren sprachlichen und auch sonstigen Nachbarn aus der österreichischen Hauptstadt, und du erfährst, wie das auf die sanfte Art geht. Die Wienerin und der Wiener nennen eine solche Lage nämlich „Bummerl“. Das ist aus dem Schnapsen abgeleitet, einem Kartenspiel, das dem Sechsundsechzig ähnelt. Verliert man eine Partie, hat man ein Bummerl. Hach, und schon fühlt sich das besser an.
Okay, gilt nicht für alle Lagen und schon gar nicht für die von Danijel Filipovic (Roman Frankl). Der hat in der neuen Wiener „Tatort“-Folge „Der Elektriker“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) das denkbar ungünstigste Bummerl. Er liegt ertrunken in der Badewanne eines Altenheims. Wieder ein Sonntagskrimi, der das überlastete Sozialsystem thematisiert, wie schon der Dresdner „Tatort“ vor zwei Monaten.
Erst sagt die Wiener „Tatort“-Kommissarin Bibi Fellner noch: „Jeder kann‘s gewesen sein“
Klar also, dass die Kommissare Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) zügig die überarbeitete Pflegekraft Patricia (Nina Fog) und ihren Kollegen Horst (Michael Edlinger) ins Visier nehmen. Zumal letzterer das Opfer – da noch auf die ungut brummelige Art quietschfidel – selbst in den Hebelift gesetzt hatte, dann wegen eines Feueralarms aber für ein paar Minuten das Badezimmer verlassen musste. Und dann sind da auch noch die Heimbewohner (Bibi: „Jeder kann's gewesen sein“), der Fußpfleger, die überdrehte Tochter des Toten...
Für Freunde des Schmähs und schrulliger Charakterköpfe ist das hier ein kleines Fest. Die Bewohner nennen ihren Pfleger „Herr Horst“, und der revanchiert sich mit „Herr Fritz“ und „Frau Natascha“. Eisner zappelt zu Demonstrationszwecken missmutig im Hebelift und Bibi kostet das genüsslich aus – von den anderen, fast schon liebevollen gegenseitigen Neckereien ganz zu schweigen. Wollen die zwei wirklich 2026 in Pension, nach zwei letzten Episoden? Ein Jammer...
In der zweiten Hälfte des Wiener „Tatorts“ nimmt die Geschichte eine durchaus interessante Abzweigung
Der Fall ist solide komponiert und nimmt in der zweiten Hälfte eine durchaus spannende Abzweigung, als sich herausstellt, dass der Tote, ein gebürtiger Serbe, einst im Jugoslawien-Krieg ein berüchtigter Aufseher in einem Gefangenenlager war. Am Ende, nach getaner Arbeit, belohnt sich das Ermittler-Duo der Herzen gegenseitig mit einem Zuckerl, also einem Bonbon. Und einer der Verdächtigen resümiert seufzend, als ihn die Polizei abführt: „Wenn schon einer das Bummerl hat, dann ist es eben diesmal der Herr...“
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