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Kegelbrüder erhalten Großteil der Kaution zurück

Mallorca

Soll an den Kegelbrüdern ein Exempel statuiert werden?

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    20. Mai 2022: Im Restaurant „Why Not" auf Mallorca bricht ein Feuer aus. Verursacht haben sollen den Brand acht Kegelbrüder aus dem Münsterland.
    20. Mai 2022: Im Restaurant „Why Not" auf Mallorca bricht ein Feuer aus. Verursacht haben sollen den Brand acht Kegelbrüder aus dem Münsterland. Foto: 5vision, dpa (Archivbild)

    Fast vier Jahre sind es her, dass die Kneipe „Why not Mallorca“ im Ballermann-Partyviertel an der Playa de Palma auf Mallorca in Flammen aufgegangen ist. Inzwischen hat die spanische Staatsanwaltschaft Anklage gegen eine Gruppe von Männern erhoben und fordert für jeden von ihnen sieben Jahre Haft. Doch die schweren Strafvorwürfe gegen die acht deutschen Touristen – Kegelfreunde aus Nordrhein-Westfalen – sorgen zunehmend für Diskussionen. Nun nährt ein Beschluss des Landgerichts in Palma zusätzliche Zweifel an den Ermittlungen – und am Vorgehen des zuständigen Untersuchungsrichters.

    Wie aus einem Gerichtsbeschluss hervorgeht, erhalten die Angeklagten nun einen erheblichen Teil ihrer hinterlegten Kaution in Höhe von 500.000 Euro zurück. Das Landgericht stufte die vom Untersuchungsrichter in Palma festgesetzte Sicherheitsleistung als „unverhältnismäßig“ ein und reduzierte sie auf 131.000 Euro, da ein gerichtliches Gutachten den Gesamtschaden auf lediglich knapp 100.000 Euro beziffert habe. „Es ist ein großer Erfolg“, sagte die spanische Strafverteidigerin der Deutschen, Maria Barbancho. Der zuständige Ermittlungsrichter hatte nach dem Brand auf die hohe Kaution bestanden und zunächst sogar Untersuchungshaft für die Touristen angeordnet – in den Medien wurde er deshalb als „Richter Gnadenlos“ tituliert.

    Bier als Brandbeschleuniger? Vorwurf der Staatsanwaltschaft sorgt für Diskussionen

    An der Anklage ändert sich allerdings nichts. Den Männern wird vorgeworfen, am 20. Mai 2022 durch Brandstiftung ein Feuer in der Bar ausgelöst zu haben. Nach Auffassung der Anklage sollen sie am ersten Urlaubstag auf den Balkonen ihres Hotels gefeiert und glühende Zigarettenstummel auf das Schilfdach der darunter liegenden Barterrasse geworfen haben. Zudem heißt es in der Anklageschrift, sie hätten „Bier oder eine ähnliche Flüssigkeit“ auf das Dach geschüttet – was nach Ansicht der Staatsanwaltschaft den Brand angefacht haben könnte.

    Gerade dieser Punkt sorgt für heftige Debatten und Spott. „Man kann mit Bier Durst oder auch Feuer löschen“, kommentierte ein Nutzer im Online-Forum der Mallorca Zeitung. Auch Fachleute verneinen, dass Bier mit einem Alkoholgehalt von vier bis sechs Prozent als Brandbeschleuniger wirken kann. Das Anwaltsteam der „Kegelbrüder“ sieht hierin einen zentralen Schwachpunkt der Anklage.

    Ist es ein Showprozess? Mallorca will deutsche Sauf- und Partytouristen abschrecken

    Andere Stimmen sprechen von einem möglichen Showprozess, mit dem ein abschreckendes Signal gesetzt werden soll. Hintergrund ist die seit Jahren wachsende Ablehnung des deutschen Sauf- und Partytourismus auf Mallorca. Auch die lange Verfahrensdauer sorgt für Unverständnis. „Wie lange das dauert, bis es endlich zum Prozess kommt – ein Wahnsinn“, schreibt ein Debattenteilnehmer im Mallorca-Forum.
     
    Tatsächlich liegt der Brand inzwischen fast vier Jahre zurück. Und ein Termin für den Beginn des Prozesses vor dem Landgericht in Palma steht weiterhin nicht fest. Aus Justizkreisen heißt es, im Laufe dieses Jahres könne es zu einer Hauptverhandlung kommen – oder auch nicht. Beobachter verweisen auf die chronische Überlastung der mallorquinischen Justiz.

    Männer betonen ihre Unschuld – Verteidigung sieht keine belastbaren Beweise

    Wie die Zeitung Diario de Mallorca berichtet, räumt die Staatsanwaltschaft ein, dass sich „nicht feststellen lässt, welche konkrete Handlung jeder einzelne der Beschuldigten vorgenommen hat“. Dennoch wird allen acht Männern vorgeworfen, sie hätten „bewusst gehandelt“, sich gegenseitig angefeuert und „mit absoluter Verachtung für das Leben und die körperliche Unversehrtheit der Hotelbewohner und der angrenzenden Betriebe“ agiert. Die Verteidigung weist diese Darstellung entschieden zurück. In einer Pressemitteilung erklärten die Anwälte, die Ermittlungsakten enthielten „zahlreiche entlastende Anhaltspunkte“. Es gebe „keine belastbaren oder eindeutigen Beweise für eine strafrechtliche Verantwortlichkeit der Angeklagten“. Die Mandanten betonten ihre Unschuld und setzten auf eine objektive und faire Hauptverhandlung, heißt es weiter.

    Beobachter erinnern schließlich daran, dass die spanische Staatsanwaltschaft in medienwirksamen Fällen nicht selten sehr harte Forderungen erhebt, die vor Gericht später keinen Bestand haben. Ein prominentes Beispiel ist der Prozess gegen den früheren deutschen Rockerchef Frank Hanebuth. Die Anklage hatte 2023 unter anderem wegen angeblicher Geldwäsche und Bildung einer kriminellen Vereinigung auf Mallorca 13 Jahre Haft gefordert. Nach jahrelangen Ermittlungen sprach das Gericht Hanebuth, der rund zehn Jahre auf seinen Prozess warten musste, mangels Beweisen frei.

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