Man muss Dubai-Schokolade noch nicht gegessen haben, man muss nicht einmal wissen, was drin ist, es reicht schon ein Blick auf den Preis, um sie mit Fug und Recht einfach nur abzulehnen. Die Nascherei, die gerade zum Hype geworden ist, schmeckt bestimmt, womöglich sogar besser als eine normale Tafel Schokolade. Guten Appetit, wünscht man da. Und fragt zugleich: Geht’s noch? Ist jetzt eigentlich alles egal?
15 Euro zahlen viele für 100 Gramm dieser Dubai-Schokolade. Während um uns herum die Meldungen von schließenden Autofabriken, gruseligen Konjunkturprognosen und Angestellten in Angst um ihre Jobs einschlagen, mampfen wir offenbar im Kollektiv süßes Zeug, das so teuer ist, dass man dafür so viel Reis, Nudeln oder Kartoffeln kaufen könnte, um sich mindestens eine Woche lang zu ernähren. Dass ein paar Milliardäre, deren Kontakt zum einfachen Volk sich ohnehin auf die wenigen Millisekunden beschränkt, in denen sie im Ferrari Daytona auf der Autobahn vorbeirasen, sich solche Extravaganzen leisten, daran kann man sich noch gewöhnen. Aber wenn es um die Dubai-Schokolade geht, stehen auch Max und Erika Mustermann auf astreine Geldverschwendung, nur um dazuzugehören.
Mit Dubai-Schokolade macht man Werbung für eine Autokratie
Das ist wirklich dumm. Und ziemlich unanständig. Nicht nur deshalb, weil man allein schon des Namens wegen mit Dubai-Schokolade Werbung für eines der autokratischsten Regime der Welt macht – liegt die Stadt, deren Name nun mit Schokoglasur verziert wurde, doch in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Nein, dieser ganze Hype um eine kriminell teure Schokolade verachtet, in welcher Zeit der Krisen wir gerade leben, in denen es für manche um ihre Zukunft und die Existenz geht. Damit wir uns nicht falsch verstehen: nichts gegen einen sinnentleerten Ausbruch aus dem Alltag, gegen Trash-TV, Fußball oder einen feuchtfröhlichen Abend. Aber statt Dubai-Schokolade zu kaufen, könnte man seine Scheine auch gleich anzünden, wenn auch wenigstens mit einem vergoldeten Streichholz.
Und übrigens: Wer Dubai-Schokolade kauft, braucht über die Folgen von Inflation, Wirtschaftskrise und die Politik nie wieder zu meckern. Da verrät ein Blick in den Spiegel nämlich das wahre Problem.
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