Ein fußballgroßes Loch in der Decke, kaputte Fliesen im Schlafzimmer und zahlreiche Notrufe. Das ist das Ergebnis eines Meteoriteneinschlags am Sonntagabend in Koblenz in Rheinland-Pfalz. Laut Polizei wurde niemand verletzt, die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses befanden sich zum Zeitpunkt des Einschlags in einem anderen Raum.
Augenzeugen aus weiten Teilen Westdeutschlands berichteten von einem leuchtenden Feuerball, der den Nachthimmel erhellte. Manche tippten zunächst auf eine Rakete, viele alarmierten die Polizei. Videos und Fotos in sozialen Medien zeigen die gleißende Bahn – bevor der Meteorit offenbar in mehrere Teile zerbricht und in einem Koblenzer Wohngebiet niedergeht. Die Hausbewohner hörten einen lauten Knall, gefolgt von einem dumpfen Aufprall: Das Geschoss durchschlug das Dach und kam im ersten Stock zur Ruhe.
Meteoriteneinschlag in Rheinland-Pfalz: Das ist passiert
„Ein spektakuläres, seltenes Ereignis“, sagt Dieter Heinlein, Meteoritenspezialist des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Gespräch. Seit 45 Jahren forscht er zu den Himmelskörpern. Doch was ist ein Meteorit überhaupt? Heinlein erklärt: Trifft ein Asteroid auf die Lufthülle der Erde, zerfällt er oft in viele kleine Stücke. Manche davon verglühen, andere landen auf der Erde. Diese Brocken nennt man Meteoriten. Die Lichterscheinung ist der Meteor.
„Die meisten Objekte verglühen aber hoch in der Atmosphäre. Nur wenige Prozent von ihnen erreichen den Boden – und davon wiederum nur ein Bruchteil verursacht Schäden“, sagt der Experte. Viele der Gesteinsbrocken landen in Meeren, Wäldern oder Wiesen, sie sind häufig klein. Die Angst der Comic-Gallier Asterix und Obelix, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte, ist also übertrieben.
Meteoriten in Bayern: acht anerkannte Einschläge zwischen Oberfranken und Schwaben
Der größte und schwerste erhaltene Meteorit in Deutschland wiegt knapp 140 Kilogramm und misst 60 mal 35 mal 21 Zentimeter. Im oberfränkischen Reitzenstein im Landkreis Hof wurde er bei Baggerarbeiten im April 2020 ans Tageslicht befördert. Neben ihm gibt es in Bayern nach Angaben des Landesamtes für Umwelt sieben weitere anerkannte Meteoritenfälle. In diesen wurde der Himmelskörper auch gefunden.
„Der Einschlagsort lässt sich teilweise durch Überwachung berechnen“, sagt Heinlein. Er selbst war für das sogenannte Europäische Feuerkugelnetz für 30 Jahre zuständig. Dieses von der DLR betriebene System diente der Beobachtung und Aufzeichnung von Meteoren. Die Asteroiden bereits vor dem Atmosphäreneintritt zu erkennen, ist schwierig – aufgrund ihrer Größe. „Von 1300 Fällen sind nur drei bereits im Weltall entdeckt worden“, sagt der Spezialist.
Experte empfiehlt Handschuhe beim Anfassen von Meteoriten-Teilen
Je nach Eintrittswinkel können sich die Meteoritenfragmente über 50 Kilometer verteilen. Sollten Personen weitere Überreste auf der Erde erkennen, sollten sie die Polizei informieren. „Diese wissen dann, welche Wissenschaftler sich um sie kümmern“, sagt Heinlein. Denn jeder Meteorit sei ein wichtiges Forschungsobjekt für die Wissenschaft. Grundsätzlich sind die Himmelskörper nicht gefährlich. Trotzdem empfiehlt der Experte, sie nur mit Handschuhen oder einer Plastiktüte anzufassen, um die Probe nicht zu kontaminieren.
Neben den Schäden an dem Wohnhaus in Koblenz sind bisher keine weiteren bekannt geworden. Die Polizei im niedersächsischen Stade teilte mit, dass Feuerwehr und Polizei über den möglichen Absturz von Flugzeugteilen oder Fragmenten eines Himmelskörpers informiert worden seien. Bei einem Großeinsatz der Feuerwehr, unterstützt von einem Marinehubschrauber, gab es jedoch keinen entsprechenden Fund. Das Lagezentrum in Nordrhein-Westfalen erklärte am Sonntagabend, es gebe bislang keine Hinweise auf Schäden in dem Bundesland. (mit dpa)
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