Das Klappern der Hufe vor der Kathedrale von Palma soll bald der Vergangenheit angehören: Die umstrittenen Pferdekutschen, seit Jahrzehnten eine der bekanntesten Touristenattraktionen in Mallorcas Inselhauptstadt, werden Schritt für Schritt abgeschafft.
Nach jahrelangem Streit, wachsendem Druck von Tierschützern und immer neuen Skandalbildern von erschöpften oder zusammengebrochenen Pferden hat sich die Stadt nun mit den Kutschern darauf verständigt, dass künftig elektrische Kutschen durch die Altstadt rollen sollen – leise und emissionsfrei.
Die Entscheidung markiert einen Wendepunkt. Immer wieder hatten Bilder von entkräfteten Kutschpferden für Empörung gesorgt – vor allem im Hochsommer, wenn Temperaturen von über 35 Grad zur Belastungsprobe werden. Tierschützer sprachen von „Tierquälerei“ und machten mobil.
Touristen auf Mallorca reagierten zunehmend kritisch auf die Pferdekutschen
Der öffentliche Druck zeigte Wirkung: Mehr als 100.000 Unterschriften wurden von Tierschutzbewegungen wie AnimaNaturalis gesammelt, Protestaktionen begleiteten den Alltag der Kutscher – und auch Touristen reagierten zunehmend kritisch auf das Thema.
Deswegen zieht die Stadt Palma nun Konsequenzen. Entscheidend für den Durchbruch waren lange Verhandlungen mit der Branche selbst. Die 28 noch aktiven Kutscher Palmas haben sich nach Angaben des Rathauses mehrheitlich bereit erklärt, auf ein umweltfreundliches Transportmodell umzusteigen.
Palmas Verkehrsdezernent Toni Deudero stellte klar, dass es sich um eine freiwillige Vereinbarung handele. „Ein Verbot der Pferdekutschen ist damit zunächst nicht verbunden.“ Allerdings rechnet man im Rathaus damit, dass sich die meisten Kutscher diesem Wandel anschließen werden. Ziel sei es, dass interessierte Fuhrleute „möglichst bald“ auf das neue Modell umsteigen können. Man rechnet damit, dass die ersten Elektrokutschen ab 2027 unterwegs sein könnten.
Die neuen E-Kutschen sollen äußerlich an die bisherigen Fuhrwerke erinnern, jedoch moderner gestaltet sein. Kostenpunkt: rund 40.000 Euro pro Fahrzeug – finanziert von den Kutschern selbst, die allerdings auf Unterstützung und Subventionen hoffen.
Die Kutscher sind es leid, ständig beschimpft zu werden
Die Branche hatte sich lange gegen Veränderungen gewehrt. Doch nach wachsenden Protesten kam die Einsicht. „Die Zeiten haben sich geändert“, heißt es von den Kutschern. Man sei es leid, ständig beschimpft zu werden. Der Präsident der Kutschervereinigung, Venancio Vargas, erklärt, man habe zunächst die Entwicklung in anderen mallorquinischen Touristenorten beobachten wollen. Etwa in der nördlichen Inselstadt Alcúdia, wo bereits seit einem Jahr elektrische Kutschen erfolgreich im Einsatz sind.
Mit dem Ende der Pferdekutschen in Palma stellt sich auch die Frage nach der Zukunft der Tiere, die bisher die Gespanne zogen. Nach Angaben der Kutscher laufen bereits Gespräche mit Behörden und Tierschützern. Die Idee ist, dass für die außer Dienst gestellten Kutschpferde neue Besitzer gefunden werden, damit die Tiere auf Weiden und Wiesen ihren Ruhestand genießen können.
Die Kutschen gehörten bislang fest zum touristischen Bild von Palmas Altstadt. Die Rundfahrten durch das Stadtzentrum waren klar geregelt, mit festen Routen und Tarifen je nach Strecke und Dauer. Eine halbstündige Fahrt kostete zuletzt 30 Euro, für eine Stunde wurden 50 Euro fällig.
Mit dem Aus für die Pferdegespanne folgt Palma einem Trend, der sich in vielen europäischen Urlaubsdestinationen abzeichnet: weg von Attraktionen mit Tieren, hin zu nachhaltigeren und gesellschaftlich akzeptierten Lösungen.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren