„Toxisch“ – so lautete das Schlagwort, mit dem britische Boulevardblätter die jüngste Affäre um Sarah Ferguson beschrieben. Am Dienstag spekulierte die Daily Mail: Wird der König Fergie verbannen? Die Herzogin von York, Ex-Frau von Prinz Andrew, mit dem sie bis heute engen Kontakt pflegt, steht wieder einmal im Scheinwerferlicht – und zwar in einem Zusammenhang, der ihr alles andere als gelegen kommen dürfte. Grund ist eine E-Mail aus dem Jahr 2011, die neue Fragen zu ihren Verbindungen mit dem verurteilten, mittlerweile verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein aufwirft.
Laut der Mail on Sunday soll Ferguson den US-Finanzier in einer Nachricht als „größten Freund“ bezeichnet haben. Ferner entschuldigte sie sich in der E-Mail an Epstein fast unterwürfig dafür, dass sie sich im Rahmen eines Interviews öffentlich von ihm distanziert hatte, um ihren Ruf zu retten. Für Ferguson bedeutet der aktuelle Skandal nicht nur einen Imageverlust, sondern er hatte auch handfeste Folgen: Denn das ehrenamtliche Engagement der 65-Jährigen, mit dem sie nach Affären um pikante Fotos, Schulden und eine Bestechungsaffäre ihr Image zu reparieren versuchte, brach am Montag wie ein Kartenhaus in sich zusammen.
Ein Kinderhospiz erklärt Sarah Fergusons Schirmherrschaft für „unangemessen“
Am Nachmittag erklärte zunächst Julia’s House, ein Kinderhospiz im Süden Englands, ihre Schirmherrschaft für „unangemessen“. Kurze Zeit später zogen weitere Einrichtungen Konsequenzen. Die Natasha Allergy Research Foundation, eine britische Stiftung, die die Aufklärung zu Lebensmittelallergien fördert, sei von Enthüllungen „verstört“ und ließ wissen, Ferguson sei nicht länger Patronin. Auch Prevent Breast Cancer, eine Wohltätigkeitsorganisation zur Brustkrebsprävention, deren Schirmherrschaft Ferguson nach ihrer eigenen Diagnose im Jahr 2023 übernommen hatte, bestätigte den Entzug ihrer Rolle. Zwar würdigten die Organisationen Fergusons ehrenamtlichen Einsatz, betonten jedoch, dass angesichts der brisanten Korrespondenz eine Fortführung der Zusammenarbeit nicht mehr tragbar sei.
Die Herzogin selbst reagierte über ihren Sprecher: Sie habe die E-Mail damals verschickt, nachdem Epstein ihr mit einer Klage gedroht habe, weil sie ihn in dem Zeitungsinterview mit Kindesmissbrauch in Verbindung gebracht hatte. Der Fall verdeutlicht einmal mehr, wie sensibel und belastet das Thema Epstein ist – auch für Personen, die sich im Nachhinein eigentlich öffentlich klar distanziert hatten.
Während Ferguson noch versucht, die Wogen zu glätten, ist ihr Ex-Mann Prinz Andrew in der Öffentlichkeit längst isoliert. Spätestens seit dem missglückten BBC-Interview im Jahr 2019, das Medien hinterher mit einem Autounfall verglichen, gilt der Royal als schwer belastet. Damals versuchte er, seine Freundschaft zu Epstein herunterzuspielen – und lieferte bizarre Erklärungen. Die mittlerweile verstorbene US-Amerikanerin Virginia Giuffre hatte geschildert, ihn 2001 in einem Londoner Club beim Tanzen stark schwitzen gesehen zu haben. Im Anschluss habe er sie missbraucht. Andrew wies das zurück und erklärte, er sei aufgrund einer medizinischen Störung gar nicht in der Lage zu schwitzen.
Prinz Andrew musste seine royalen Aufgaben niederlegen
Im August 2021 reichte Giuffre in New York eine Zivilklage ein, in der sie ihm mehrfachen sexuellen Missbrauch im Alter von 17 Jahren vorwarf. Der Royal hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen, sich jedoch 2022 außergerichtlich mit ihr auf eine hohe Vergleichszahlung geeinigt. Kritiker werteten diesen Schritt als Eingeständnis moralischer, wenn auch nicht rechtlicher Schuld. Seither gilt der 65-Jährige als persona non grata für das Königshaus. Seine royalen Aufgaben musste er niederlegen, militärische Ehrenämter und Schirmherrschaften wurden ihm entzogen, im Kreis der Windsors ist seine Rolle auf ein Minimum geschrumpft.
Mit dem Buch „Entitled: The Rise and Fall of the House of York“ („Privilegiert: Aufstieg und Fall des Hauses York“) hat der britische Historiker Andrew Lownie überdies jüngst eine schonungslose Doppelbiografie über Prinz Andrew und Sarah Ferguson vorgelegt. Darin zeichnet er den Werdegang des einstigen Glamour-Paares nach – von den Höhen der 1980er Jahre bis zum heutigen tiefen Absturz. Während Andrew vorwiegend wegen seiner engen Verbindungen zu Epstein und dem Vorwurf mangelnder Reue im Fokus steht, wird Ferguson als Frau beschrieben, die trotz ihrer Schulden luxuriös lebte und auf zweifelhafte Unterstützungen angewiesen war.
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