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Neue Spinnen in Deutschland: Diese Arten gibt es hierzulande noch nicht so lange

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Neue Spinnen in Deutschland: Diese Arten gibt es hierzulande noch nicht so lange

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    Die Nosferatu-Spinne ist mittlerweile in Deutschland kein allzu seltener Anblick mehr.
    Die Nosferatu-Spinne ist mittlerweile in Deutschland kein allzu seltener Anblick mehr. Foto: Samuel Gumberger, stock.adobe.com

    Vielen Menschen hierzulande wird es lieb sein, wenn sie so gar nichts mit Spinnen zu tun haben könnten. Ganz vorbei an den Tieren kommt man allerdings nur schwer, richten sich viele Spinnen doch ausgerechnet in Gebäuden gerne häuslich ein. Und auch wenn es Hausmittel gegen Spinnen gibt, finden sie oft einen Weg, um uns zu begegnen. Auch wenn die allermeisten Spinnen in Deutschland harmlos sind, sollte man manche Exemplare besser meiden. Allen voran die seit wenigen Jahren auch in Deutschland auffindbare Nosferatu-Spinne. Einst weit weg von Deutschland heimisch, ist sie eine von fast zwei Dutzend neuen Spinnenarten in Deutschland, die sich hier dauerhaft niedergelassen haben.

    Welche exotischen Spinnen gibt es hierzulande?

    Mitten in einem Keller der Tübinger Universität hat sich die Chilenische Einsiedlerspinne mit rund 20 Tieren häuslich eingerichtet: Diese Nachricht machte Schlagzeilen, handelt es sich doch um nicht ganz ungefährliche Exemplare. Und doch sind es gerade solche Ausnahmen, die medial die Runde machen. Ein weiteres Beispiel war der Fund zweier Schwarzer Witwen am Autoterminal von Bremerhaven. Die Tiere werden nach Einschätzung von Experten der Arachnologischen Gesellschaft (Arages) zunehmend über Topfpflanzen versehentlich importiert und gelangen über Containerladungen sowie Obst- und Gemüseimporte zu uns. Insbesondere im Freiland hätten sich nur wenige gebietsfremde Arten überhaupt etablieren können, schließlich müssen die Bedingungen der Heimat entsprechen.

    Wie das Staatliche Museum für Naturkunde Karlsruhe (SMNK) wiederum berichtet, gibt es Fälle, in denen Wissenschaftler bestimmte Spinnenarten erst Jahrzehnte nach ihrer Erstbeschreibung überhaupt wieder finden oder erkennen. So geschehen mit der Zweifarbigen Krabbenspinne, die 1875 erstmals erwähnt wurde. Im Oktober 2024 haben Forscher mitgeteilt, dass sie in Frankreich und auf Sardinien fündig wurden – und auch in Deutschland diese sozusagen wiederentdeckten.

    Diplom-Biologe Hubert Höfer leitet im SMNK die Abteilung Biowissenschaften und das Referat Zoologie, zudem ist er Mitautor der neuen Roten Liste der Spinnen Deutschlands, die aktuell erarbeitet wird. Er weist auf Spinnenarten hin, die als in Deutschland nur in Gewächshäusern oder ähnlichen Lebensräumen vorkommend gelten: Das seien zwei Arten der Zwergsechsaugenspinnen, zwei Arten der Zitterspinnen sowie die Warmhaus-Riesenkrabbenspinne.

    Übrigens: Spinnen fallen nicht in Winterschlaf, sondern gehen in die sogenannte Kältestarre.

    Sind eingeschleppte Spinnen gefährlich?

    Auch wenn sich neue Spinnen in Deutschland aufhalten, betont die Arages: „In der Regel gelingt es nur wenigen Arten, sich in fremden Klimaten und Lebensräumen zu etablieren.“ Gelingt es Tieren dennoch, sich im Freien anzusiedeln und sich dauerhaft zu vermehren, spricht man in der Biologie von Neozoen, wie auch der NABU informiert. So gebe es Expertenschätzungen zufolge allein in der EU rund 12.000 sogenannter gebietsfremder Arten – rund zehn bis 15 Prozent gelten als „invasiv“ und damit die biologische Vielfalt bedrohend. Die Arages betont diesbezüglich: „Bisher gibt es keine Anzeichen, dass sie einheimische Arten verdrängen.“

    Das Rote-Liste-Zentrum nennt 21 etablierte gebietsfremde Arten, die sich mittlerweile auch in Deutschland angesiedelt haben. Das entspricht fast genau den Arages-Angaben, wonach rund zwei Prozent der in Deutschland etablierten rund 1000 Spinnenarten Neozoen sind. Prominentester Vertreter der vergangenen Jahre dürfte demnach die Kräuseljagdspinne Zoropsis spinimana sein, besser bekannt als Nosferatu-Spinne.

    Welche Spinnenarten sind neu in Deutschland?

    Spinnen-Experte Höfer erklärt, dass vier seit 2016 erstmals in Deutschland nachgewiesene Neozoen die Etablierungskriterien für die neue Rote Liste erfüllen würden. Für Laien seien die kleinen Spinnenarten nicht bestimmbar. „Nachgewiesene Neueinwanderer“, wie Höfer beschreibt, habe es vereinzelt schon vor 2016 gegeben. Aktuell würden davon beispielsweise schon als etabliert gelten: die Haarbeinige Pfauenspinne Saitis barbipes sowie eine weitere Springspinnenart als auch die Kugelspinnenart Nobel-Fettspinne Steatoda nobilis.

    Die Arages nennt die Gewächshausspinne Parasteatoda tepidariorum als die am längsten bei uns etablierte fremde Art. Sehr häufig hierzulande anzutreffen sei die Zitterspinne Pholcus phalangioides, die zwar nur in unseren Häusern überleben kann – wie auch der Hausdornfinger (Cheiracanthium mildei) –, dafür schon recht lange bei uns ist. Recht neu sei die meist in Lagern und Baumärkten zu findende Zitterspinnenart Holocnemus pluchei. Beide stammen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Meist auf Wiesen und Äckern beheimatet sei die nach dem Zweiten Weltkrieg von Nordamerika nach Deutschland gebrachte Zwergspinne Mermessus trilobatus. Und wie der Name verrät, gibt es die „Misthaufen-Spinne“ (Ostearius melanopygius) in großer Zahl mehrheitlich genau dort.

    Weitere fremdländische Arten, die im „städtischen Umfeld“ mittlerweile auch in Deutschland aufzuspüren sind, sind unter anderem die Kellerspinne (Psilochorus simoni), die große Fettspinne (Steatoda grossa) sowie die Webspinne Steatoda triangulosa. Einige andere Spinnenarten hätten sich derweil längst bei uns etabliert. Allerdings seien sie nur in Gewächshäusern botanischer oder zoologischer Gärten zu finden – sowie in denen von Gartenmärkten.

    Übrigens: Die unglaubliche Anzahl an 320 Vogelspinnen hatte ein Mann an einem Flughafen in Peru versucht zu schmuggeln – unter dem Sweatshirt versteckt.

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