Wenn Frank Sinatras Stimme über einer Filmszene schwebt, wird's entweder „New York, New York“-euphorisch oder nächtlich-melancholisch. Zu Beginn der aktuellen Rostock-Folge von „Polizeiruf 110“ (Sonntag, 20.15, ARD) singt er lange und ausführlich darüber, was er für sehr gute Jahre mit diversen Frauen hatte. Doch die sehr regennassen, tieftraurigen ersten Minuten von „Tu es!“ verheißen keine gute Zeit. Und das bleibt knapp eineinhalb Stunden lang so.
In Rostock taucht ein neuer Finsterling auf
In diesen nicht immer lichten Zeiten wirkt das „Polizeiruf“-Rostock fast wie das Herz der Finsternis. Dort sind die Fälle trist, die Beziehungen der Menschen ebenso, und in der Vergangenheit lauert immer etwas, das sich urplötzlich wie eine schwarze Wolke über die Gegenwart mancher Personen legen kann. Diesmal leidet Melly Böwe (Lina Beckmann) ausführlich darunter, dass ihre Tochter den Kontakt zu ihr abgebrochen hat, weil sie nicht erfahren darf, wer ihr Vater ist, nicht erfahren soll, dass sie das Produkt einer Vergewaltigung ist. Das spielt gen Ende der Folge noch eine Rolle, denn da taucht ein weiterer Finsterling auf, der vermutlich auch in der nächsten Folge sein Unwesen treibt.
Lehrer Lange leidet massiv an dieser Welt
Die Rolle der tragischen Figur dieser Folge muss Sebastian Jakob Doppelbauer als völlig desillusionierter Lehrer Felix Lange schultern. Er steht im Verdacht, über eine Internetplattform, auf der sich Jugendliche über ihre Probleme austauschen, zwei dieser Verzweifelten in den Suizid getrieben zu haben. In einem Fall wurde sinnloserweise noch eine unbeteiligte Frau ermordet. Einfach, weil sie dem Selbstmörder in der Straßenbahn gegenübersaß. Tatsächlich leidet auch Lange massiv an dieser Welt, die er nicht mehr versteht, aber in der er offenbar nichts zum Positiven verändern kann. Und dann läuft er schließlich mit einer Sprengstoffweste durch die Schule. Ausgerechnet zu Sinatras „That‘s Life“, einem trotzigen „Ich bin unverwüstlich“-Song.
Diese Folge steckt voller beschädigter Charaktere, voller Finsternis und Gewalt, die der junge Rostocker Regisseur Max Gleschinski in ihrer Ausführung zwar weniger drastisch zeigt als andere, aber sie ist dennoch präsent, zerstört Menschen, verändert Leben. Momente des Guten sind rar in „Tu es!“. Aber damit liefert der Film nur ein besonders drastisches Abbild unserer wirren Wirklichkeit. Allerdings geht es gut eine Stunde lang zäh voran, bis sich die Ereignisse in den letzten knapp 30 Minuten überschlagen. Damit hinterlässt diese anstrengende Folge einen sehr zwiespältigen Eindruck, trotz aller vor allem schauspielerischen Qualitäten.
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