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Reise über den Balkan: Millionen Türken kehren im Sommer in ihre Heimat zurück

Türkei

Im Auto über den Balkan: Millionen Türken zieht es nach Hause

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    Hitze, Odyssee auf der Landstraße, kilometerlanger Stau? Vier Millionen Türkinnen und Türken ist das egal. Hauptsache in die Heimat.
    Hitze, Odyssee auf der Landstraße, kilometerlanger Stau? Vier Millionen Türkinnen und Türken ist das egal. Hauptsache in die Heimat. Foto: Hristo Rusev, NurPhoto/afp

    Mit Schalmeien und Trommeln werden sie an der Grenze begrüßt: Eine Woche nach Beginn der Sommerferien in mehreren deutschen Bundesländern und in Österreich hat die erste Reisewelle von Euro-Türken die Türkei erreicht. Rund 180.000 Reisende in 46.000 Autos überquerten nach Behördenangaben in den letzten Tagen die türkische Landgrenze bei Edirne – das Ziel einer tagelangen Autofahrt über den Balkan, die hunderttausende türkischstämmige Familien in Westeuropa alljährlich auf sich nehmen, um ihre alte Heimat zu besuchen. Vor der Passkontrolle werden in Kapikule gebratene Leber und Zuckerwerk gereicht, um die Reisenden willkommen zu heißen; dazu spielen Musiker türkische Volksweisen. „Endlich daheim“, seufzt eine Beifahrerin: Wenn nach der langen Fahrt endlich die türkische Fahne über dem Grenzposten auftauche, gehe ihr das Herz auf. 

    Wenn die Störche über den Bosporus fliegen, dann kommt das Frühjahr, und wenn die PS-starken Autos sich vor Kapikule stauen, dann wird es Sommer – so gehört es seit nunmehr Generationen zum Reigen der Jahreszeiten in der Türkei. Mehr als 4,3 Millionen Euro-Türken kamen nach Behördenangaben im vergangenen Sommer mit 700.000 Autos über die bulgarisch-türkische Grenze in Kapikule und vier kleinere Grenzübergänge in Thrakien in die Türkei. Die Strecke führt sie aus Westeuropa über Wien und Budapest oder alternativ über Salzburg, Ljubljana und Zagreb; bei Belgrad kommen beide Routen zusammen und verlaufen weiter über Sofia an die türkische Grenze. Eine andere Strecke verläuft über Luzern und Mailand nach Venedig oder Brindisi, mit der Autofähre nach Igoumenitsa und dann auf dem Landweg quer durch Griechenland zur türkischen Grenzstation Ipsala.

    Türken aus Europa zieht es ans Meer

    In Istanbul führen noch einmal alle Wege zusammen, dann zerstreut sich der Verkehr in alle Teile der Türkei. Die meisten statten ihren Herkunftsorten und Verwandten zumindest einen kurzen Besuch ab. Statt den gesamten Sommer im Dorf zu verbringen, wie es früher üblich war, fahren viele dieser in Europa lebenden Türkinnen und Türken heute anschließend weiter nach Antalya oder an die Ägäis, um einen Strandurlaub zu machen wie die europäischen Touristen: In Antalya überstieg die Zahl der Auslandstürken unter den Urlaubsgästen im vergangenen Jahr erstmals eine Million. 

    Auf der beschwerlichen Fahrt durch ein halbes Dutzend Länder werden die Euro-Türken heutzutage von spezialisierten Automobilclubs für Auslandstürken unterstützt, die gezielte Dienste anbieten: von der Beratung über Autobahn-Vignetten und Durchreisevorschriften bis hin zu Versicherung, Pannendienst und Abschlepphilfe auf dem Balkan. Mit Internetseiten und Facebook-Gruppen informieren sie ihr Publikum über neue Bestimmungen an den Grenzen und Verkehrsbedingungen; in Whatsapp-Gruppen halten sich ihre Mitglieder gegenseitig live über Staus, Unfälle oder Baustellen auf der Strecke auf dem Laufenden. „Landsleute, nehmt auf jeden Fall viel Wasser mit“, stöhnt ein Clubmitglied unterwegs in die Kamera, um das Video in die Gruppe zu schicken: Im Stau und bei den Wartezeiten an den Grenzen werde es derzeit verdammt heiß im Auto.

    An der Grenze staute es sich bis zu zehn Stunden lang

    Bisher bleiben die Wartezeiten in Kapikule in diesem Jahr noch auf etwa eine Stunde beschränkt. Das ist weit kürzer als in vergangenen Jahren, als Reisende zu Spitzenzeiten bis zu acht oder zehn Stunden ausharren mussten. Vor der Grenze noch einmal tanken und zur Toilette gehen: Die Regel kennt jedes Kind auf dieser Strecke. Die Türkei hat die Grenzanlage Kapikule seit letztem Jahr um acht weitere Schalter und Spuren erweitert. Kameras beobachten die Lage an den Grenzübergängen und übertragen die Aufnahmen im Internet, damit Fahrer sich darauf einstellen und Stoßzeiten vermeiden können. Fast 1200 Beamte seien im Einsatz, um Reisende rund um die Uhr abzufertigen, sagt Yunus Sezer, der Gouverneur der Grenzprovinz Edirne. „Wir arbeiten daran, die Einreise für unsere Bürger möglichst rasch und bequem zu gestalten.“

    Ob das gelingt, wird sich bald zeigen, denn der Höhepunkt der Reisewelle steht noch bevor. Ende Juli und Anfang August erreicht der Ansturm auf die Grenzposten traditionell seinen Höhepunkt, weil dann die bevölkerungsreichsten Bundesländer in die Ferien starten und zugleich die erste Rückreisewelle beginnt. Gouverneur Sezer lässt die Reisenden in ihren Autos mit regionalen Spezialitäten bewirten und von Volkstänzern unterhalten, während sie in der Schlange auf die Grenzkontrolle warten. „Ach, es tut so gut, wieder in meinem warmherzigen Land zu sein“, seufzt ein erschöpfter Autofahrer.

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