Startseite
Icon Pfeil nach unten
Panorama
Icon Pfeil nach unten

Schatzsuche in England: Sensationelle Funde und Rekordzahlen bei Sondengängern

England

Schatzsuche in England: Sensationelle Funde und Rekordzahlen bei Sondengängern

  • |
  • |
  • |
  • |
    Schatzsucher Malcolm Weale: Für ihn ist ein Traum in Erfüllung gegangen.
    Schatzsucher Malcolm Weale: Für ihn ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Foto: British Museum

    Als Malcolm Weales Metalldetektor auf einem Feld in Ostengland im vergangenen Februar einen hohen Piepton abgab und er dann ein kleines Objekt ausgrub, ahnte er sofort, dass es etwas Besonderes sein musste. Zum Vorschein kam ein Silber-Penny, so breit wie ein Daumen. Und tatsächlich: Die Münze stammt aus der Zeit von Guthrum, dem zum Christentum konvertierten Wikingerkönig, der im 9. Jahrhundert in Ostanglien regierte. Experten zufolge ist sie die erste bekannte Silbermünze, die von einem skandinavischen Herrscher in England geprägt wurde.

    Sondengänger Weale ist Teil einer wachsenden Bewegung auf der Insel

    Für den 54-jährigen Malcolm Weale stellt sie den Höhepunkt seiner jahrzehntelangen Schatzsuche dar, pures Glück. „Ich habe gezittert“, sagte er über sein Fundstück, das nun im British Museum in London neben weiteren bedeutenden Entdeckungen der Jahre 2023 und 2024 ausgestellt wird. „Ich hatte gerade die Serie ,Vikings‘ auf Netflix gesehen – eine Woche später hielt ich den Guthrum-Penny in der Hand.“ Weale ist Teil einer wachsenden Bewegung auf der Insel. Immer mehr Hobbyarchäologen durchstreifen mit Metalldetektoren Felder und Wiesen. Populär gemacht hatte das Hobby unter anderem die BBC-Serie „Detectorists” über zwei exzentrische Sondengänger, die in der Grafschaft Essex regelmäßig auf Schatzsuche gehen.

    Weale begeistert sich schon seit seinem siebten Lebensjahr dafür. Sein spektakulärer Münz-Fund wurde vor ein paar Wochen auch im Rahmen des Jahresberichts des Portable Antiquities Scheme (PAS) vorgestellt – einem staatlich geförderten Projekt, das archäologische Entdeckungen der Öffentlichkeit erfasst. Der Report für das Jahr 2023 dokumentierte eine Rekordzahl von fast 75.000 gemeldeten Fundstücken, darunter Münzen, mittelalterlicher Schmuck sowie antike Werkzeuge. Im Jahr 2022 lag die Zahl noch bei rund 53.000. Nicholas Cullinan, Direktor des British Museum, das das PAS verwaltet, zeigte sich begeistert: „Diese Entdeckungen sind ein beeindruckendes Zeugnis für die Leidenschaft und das Engagement der Sondengänger. Ihre Funde bereichern unser Verständnis der britischen Geschichte enorm.“

    Die Münze, die Weale fand, stammt aus der Zeit von Guthrum, einem zum Christentum konvertierten Wikingerkönig aus dem 9. Jahrhundert.
    Die Münze, die Weale fand, stammt aus der Zeit von Guthrum, einem zum Christentum konvertierten Wikingerkönig aus dem 9. Jahrhundert. Foto: British Museum

    Auch Andy Akroyd machte eine bedeutende Entdeckung, als er im Mai 2023 in Bedfordshire im Osten Englands mit seinem Metalldetektor unterwegs war. Zunächst habe er seinen Fund für eine Münze oder ein billiges Schmuckstück gehalten, berichtete der 49-Jährige. In Wirklichkeit war er auf einen Siegelring aus dem 16. Jahrhundert gestoßen. Der Ring enthält eine Gravur des Phönix, ein Symbol der Wiedergeburt, das mit Königin Elisabeth I. in Verbindung gebracht wird. Akroyd fand ihn in einem Gebiet, das in elisabethanischer Zeit als königliches Jagdrevier diente – ein Hinweis darauf, dass der Ring einem Anhänger der Monarchin gehört haben könnte. „Wenn man so etwas entdeckt, beginnt erst die eigentliche Reise“, so Akroyd. „Dann stellt man sich die entscheidenden Fragen: Was ist das? Wie ist das hierhergekommen?“

    Das rät Malcolm Weale anderen Schatzsuchern

    Wertvolle Objekte werden als „Schatz“ klassifiziert, unabhängig bewertet und danach Museen zum Erwerb angeboten. Der Erlös wird zwischen dem Finder und dem Eigentümer des Grundstücks geteilt, was äußerst lukrativ sein kann. So wurden 2023 einst bewusst vergrabene alte Münzen für 4,3 Millionen Pfund (rund 5,1 Millionen Euro) verkauft. Doch für viele Hobbyhistoriker steht weniger der finanzielle Gewinn als vielmehr der Nervenkitzel im Vordergrund – behaupten sie zumindest. „Man kann Millionär sein, aber das Gefühl, ein solches Objekt zu finden, ist unbezahlbar“, sagte denn auch Malcolm Weale. Sein Tipp: „Die besten Funde macht man immer bei schlechtem Wetter.“ Und daran mangelt es in England ja bekanntlich nicht.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren