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Stoppuhr-Gastronomie in Spanien: 20 Minuten für einen Kaffee, 25 Minuten für ein Bier

Tourismus

„20 Minuten für einen Kaffee, 25 für ein Bier“: Spanien führt die Stoppuhr-Gastronomie ein

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    Ein Kaffee in Palma mit Blick auf die Kathedrale. Klingt verlockend, darf aber in immer mehr Lokalen nicht zu lange dauern – sonst wird‘s teurer.
    Ein Kaffee in Palma mit Blick auf die Kathedrale. Klingt verlockend, darf aber in immer mehr Lokalen nicht zu lange dauern – sonst wird‘s teurer. Foto: Clara Margais, dpa

    War’s das mit dem stundenlangen Kaffeetrinken und Plaudern im Straßencafé? In manchen spanischen Bars und Kaffeehäusern sieht es ganz danach aus. Das neue Aushängeschild einiger gastronomischer Terrassen in Spanien ist kein Hinweis auf frisches Gebäck oder kaltes Bier, sondern auf begrenzte Aufenthaltszeiten je nach Verzehr. Nicht jeder Gast klatscht Beifall zur neuen „Stoppuhr-Gastronomie“. „Jede Bestellung: 50 Minuten. Wir bitten um Ihr Verständnis“, steht da etwa. Oder noch präziser: „Aufenthaltsdauer je nach Verzehr: 20 Minuten für einen Kaffee, 25 für ein Bier, 35 für ein Erfrischungsgetränk und 40 Minuten für ein Sandwich” – Zeittarife fast wie am Parkautomaten.

    Manche sind empölrt, sprechen von Missbrauch und dem Ende der gastronomischen Kultur

    Spaniens bekanntester Kellner, Jesús Soriano, kennt viele solcher Ankündigungen. In den sozialen Netzwerken veröffentlicht er regelmäßig Kurioses aus dem gastronomischen Leben und wurde damit im ganzen Land bekannt. Unter dem Pseudonym „SoyCamarero” (Ich bin Kellner) spießt er fragwürdiges Verhalten von Gastronomen und ihrer Kundschaft auf.

    „Wenn du solche Schilder siehst – würdest du dich hinsetzen oder lieber woanders hingehen?”, fragt er. Das Thema spaltet: Manche sind empört, sprechen von Missbrauch und dem Ende der gastronomischen Kultur. Andere zeigen Verständnis und appellieren an den Gemeinsinn: „Wenn Tische frei sind, bleibe ich so lange, wie ich will”, erklärt ein Café-Besucher. „Aber wenn andere am Eingang warten, stehe ich auf. Dafür braucht es kein Schild – nur gesunden Menschenverstand.”

    Gastronomen verweisen derweil darauf, dass sie mit ihren Lokalen auch Geld verdienen müssen. Wenn eine Person mit einer Tasse Kaffee zwei Stunden einen Tisch blockiere, sei das nicht wirtschaftlich. Immer mehr Betriebe reagieren deshalb mit Schildern, die die Aufenthaltsdauer begrenzen – oder zum Beispiel auch verbieten, mit Laptops stundenlang bei einer Tasse Kaffee zu arbeiten.

    Es gibt strikte Regeln für Gäste, die ihren Laptop mitbringen

    In vielen spanischen Cafés gibt es inzwischen strikte Regeln für Gäste, die ihren Laptop mitbringen und den Gastraum als Arbeitsplatz nutzen wollen. Manche Etablissements erlauben das Arbeiten nur in bestimmten Zonen – zum Beispiel nur an der Theke oder in einem Hinterzimmer. Andere verbieten die Bildschirmarbeit mit dem Hinweis: „Computer bitte zu Hause lassen!” Man wolle schließlich keine Bürofläche sein. Andere Lokale haben derweil aus dem Trend ein Geschäft gemacht. Das Osom Coffee House in Madrid etwa wirbt mit „Kaffee-Spezialitäten, frische Küche, Co-Working-Bereich, Events und mehr”. Es gibt klimatisierte Arbeitszonen, ein leistungsstarkes WLAN-Netz, aber auch Tarife, bei denen nach Zeit abgerechnet wird. Im Caffè Perfetto in Barcelona klingt das so. „Preis für einen Milchkaffee: 1,60 Euro. Wenn du länger als eine halbe Stunde bleibst: 2,50 Euro. Und wenn du mehr als eine Stunde brauchst: 4 Euro.” Das Foto mit der Preistabelle, die auf allen Tischen klebt, ging durch Spaniens Medien und sorgte für hitzige Debatten.

    Einen Platz auf der Terrasse gibt es nur für Gäste, die auch essen

    Der Lokalinhaber verteidigte das Vorgehen mit dem Hinweis, dass es sich um eine „rein orientative Maßnahme“ handele, um die Gäste zu sensibilisieren. Nur in extremen Fällen werde die Zeitregel auch durchgesetzt – etwa wenn ein Tisch stundenlang ohne weitere Bestellung besetzt werde und vor dem Lokal viele Leute auf einen freien Platz warten.

    Zu den in der spanischen Gastronomie um sich greifenden Restriktionen gehört jetzt im Sommer gleichfalls, dass viele Gasthäuser ihre Außenterrasse während der Hauptessenszeiten für Getränke-Gäste sperren: „Die Terrassentische sind für den Mittagstisch (von 13:00 bis 16:30 Uhr) und das Abendessen (von 20:00 bis 23:30 Uhr) reserviert”, kann man auf Hinweisschildern lesen.

    Auch Touristen erleben immer wieder, dass sie beim Zutritt gut besuchter Außenterrassen vom Kellner gefragt werden: „Möchten Sie essen oder nur etwas trinken?” Je nach Antwort geht der Daumen nach oben oder unten. Oder es wird, wenn nur Getränke gewünscht werden, ein Sitzplatz im Inneren zugewiesen.

    Mancherorts pochen trendige Restaurants sogar auf Mindestumsätze pro Person. „Um einen hervorragenden Service zu bieten und die bestmögliche Produktqualität zu gewährleisten, beträgt der Mindestpreis pro Gedeck 50 Euro“, erklärt ein Lokal in der Mittelmeerstadt Valencia. Wenn dieser Betrag nicht erreicht werde, müsse der festgelegte Mindestpreis berechnet werden.

    Mindestverzehr, Zeittarife für die Tischbenutzung: Ist das alles legal? Ja, sagen spanische Verbraucherschützer: Gastronomiebetriebe hätten grundsätzlich die Freiheit, die Bedingungen für ihre Dienstleistungen selbst festzulegen. „Wichtig ist jedoch: Die Bedingungen müssen klar und im Voraus kommuniziert werden”, erklärt die Verbraucherschutzorganisation Ocu.

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